Zwei Sitze in der Baselbieter Regierung, zwei Sitze in Bundesbern, 20 Mandate im Landrat. Im Stile eines CEO, der seiner Belegschaft Umsatz- und Gewinnziele diktiert, formulierte Paul Hofer beim Antritt als Chef der Baselbieter FDP seine ehrgeizigen Ziele fürs Wahljahr 2019. Hofer inszenierte sich damals, im August 2017, als selbstbewusster Macher und liess keine Zweifel offen, dass er im Baselbieter Super-Wahljahr 2019 mit kantonalen Wahlen im Frühling und nationalen im Herbst eine tragende Rolle einnehmen will.

Heute, gut 13 Monate später, ist die Realität eine andere: Der 71-jährige Oberwiler ist im Zirkus der Parteistrategen und Papabili nach einigen taktischen und kommunikativen Fehltritten nur noch Statist. Eines seiner drei Wahlziele für 2019 hat Hofer früh und unter kuriosen Umständen aufgegeben: das Halten des zweiten Sitzes in der fünfköpfigen Baselbieter Regierung nach der Rücktrittsankündigung der langjährigen freisinnigen Magistratin Sabine Pegoraro.

Schneeberger desavouiert

Zwar ist Hofer mit seinem zweiten Ziel, dem Gewinn eines zweiten FDP-Sitzes in Bundesbern, auf Kurs. Die freisinnige Nationalrätin Daniela Schneeberger hat in der bz vom Montag angekündigt, Baselbieter Ständerätin werden zu wollen. Das passt ins Zielbild Hofers: Schliesslich gelten die Chancen Schneebergers als intakt, in einer Urnenwahl den einzigen Sitz des Halbkantons im Stöckli zurück zu den Freisinnigen zu holen.

Doch anstatt Freude über das Interesse seiner prominenten Nationalrätin an der Kandidatur kundzutun, betonte Hofer auf Anfrage der bz, dass das FDP-interne Ständerats-Rennen offen sei. Dass der Parteitag entscheiden werde und selbst dann noch andere Kandidierende auftauchen könnten. Natürlich sind diese Hinweise formell richtig. Dennoch desavouiert Hofer damit die national bekannteste Mandatsträgerin des Baselbieter Freisinns. Schliesslich ist nach dem öffentlich verkündeten Verzicht von Landrat Balz Stückelberger auf Anhieb parteiintern niemand in Sicht, welcher Schneeberger die Stöckli-Kandidatur ernsthaft streitig machen könnte.

SVP-Präsident Oskar Kämpfer sah sich sogleich bemüssigt, die Dinge ins rechte Licht zu rücken: Daniela Schneeberger sei die einzige bürgerliche Kandidatin, die in einer Ständeratswahl gegen die Grüne Maya Graf Chancen habe, sagte Kämpfer in der bz von gestern Dienstag. Das kommt einer Befehlsausgabe an die Adresse des FDP-Präsidenten gleich. Will der SVP-Chef und bürgerliche Wahlkampfstratege Schneeberger, dann will auch dessen SVP die stramm wirtschaftsliberal politisierende Schneeberger. Und ohne tatkräftigen Support der wählerstärksten Baselbieter Partei ist es ohnehin illusorisch, den Linken den einzigen Baselbieter Ständeratssitz abzuluchsen. FDP-Präsident Hofer ist punkto bürgerliche Ständeratskandidatur faktisch handlungsunfähig. Auch deshalb, weil in dieser Frage selbst FDP-intern mittlerweile Andere das Heft in die Hand genommen haben.

Ziel leichtfertig aufgegeben

Landrat Hofer gibt in dieser jüngsten Wahlkampf-Episode keine gute Figur ab. Doch das wäre kaum der Rede wert, hätte er in den vergangenen Monaten als Parteichef eine glückliche Hand bewiesen. Doch auch dies ist nicht der Fall: Im erwähnten Seilziehen um die Strategie der Bürgerlichen bei den Regierungswahlen versuchte er zunächst hinter den Kulissen, den selbst in der Partei wenig bekannten Ziefner Daniel Recher als Kandidaten zu portieren. Als er mit dieser Idee in der Parteileitung nicht durchdrang und der Versuchsballon platzte, knickte Hofer sogleich ein und überliess das Feld der SVP. Dies notabene, ohne der bürgerlichen Partnerin Konzessionen abgerungen zu haben. Damit brüskierte Hofer in den eigenen Reihen jene, die über das Für und Wider einer zweiten FDP-Regierungskandidatur wenigstens diskutieren wollten.

Vielleicht hätte es ja eine Alternative zu Daniel Recher gegeben? Es scheint, als scheute Hofer die Auseinandersetzung um die «richtige» Wahlstrategie seiner Partei. So hielt er Ende August den Parteitag über das bürgerliche Viererticket bei den Regierungswahlen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Ein sehr ungewöhnlicher Vorgang, der den Eindruck zementierte, in der Baselbieter FDP sei in den vergangenen Monaten Einiges aus den Fugen geraten.

Schwieriger Start

Zugegeben: Paul Hofer übernahm das Parteipräsidium unter schwierigen Voraussetzungen. Mit dem Rücktritt von Vorgängerin Christine Frey verliess zugleich der gesamte wirtschaftskammer-nahe Flügel die Parteileitung. Diese musste Hofer personell von Grund auf neu aufstellen. Dass er ohne gefestigte Hausmacht agieren musste, wurde für ihn in den vergangenen Monaten zunehmend zum Problem. Dafür kann er nichts. Umso erstaunlicher angesichts dieser Vorzeichen, dass er auch als Parteichef wie ein Unternehmer handelt. Viele Entscheide trifft er offensichtlich alleine – oft nicht breit abgestützt und ohne innerparteiliche Vernehmlassung. Entsprechend einsam ist es um Hofer in den letzten Wochen geworden.

Noch dauert es ein halbes Jahr bis zu den kantonalen Wahlen vom 31. März 2019, gar ein Jahr sind es bis zu den National- und Ständeratswahlen. Abgesehen vom zweiten Regierungssitz sind im Wahljahr 2019 noch alle Ziele erreichbar. Wie es allerdings Paul Hofer gelingen soll, sich als Parteichef im Wahlkampf wieder ins Gespräch zu bringen – auch das bleibt sein Geheimnis.