Wie angelt man Firmen? Die Frage ist falsch gestellt, denn man fängt sie per Netz – oder eigentlich mit zwei Netzen: Da ist zuerst das Kontaktnetz, damit eine Wirtschaftsförderung wie Basel-Area von Firmen erfährt, die einen Umzug planen oder einen Standort für eine Niederlassung suchen. Dann kommt das zweite Netz ins Spiel: jene Kontakte, mit denen man den Ansiedlungswilligen überall die Türen öffnet, damit sie sich in der Region rasch wohlfühlen. Unternehmer sind kühle Rechner, doch bei Standort-Entscheiden spielt auch das Bauchgefühl eine Rolle. Das lässt sich an drei Beispielen aus der Arbeit von Basel-Area, der Wirtschaftsförderung beider Basel, belegen.

Indische Firma sucht Europasitz

Beispiel eins: Shiva Pharmachem ist ein indischer Produzent von jährlich 15 000 Tonnen chemischen Halbfabrikaten für die Pharma-, Agrochemie- und Kosmetikindustrie. Zu den Pharmachem-Kunden zählen Syngenta, Dow, Novartis oder Akzo Nobel. Das Familienunternehmen, das 2001 die Produktion aufnahm, exportiert in 30 Länder und erzielt einen Jahresumsatz von 85 Millionen Dollar.

An einem Anlass des Schweizer Generalkonsuls in Mumbai vernahm Basel-Area von den Plänen, eine Niederlassung in Europa zu gründen. Danach besuchte BaselArea die Firma an ihrem Sitz im Bundesstaat Gujarat, und schliesslich kamen zwei Vertreter von Shiva Pharmachem in die Schweiz. Basel-Area stellte ein Programm zusammen, bei dem juristische und Zoll-Fragen besprochen wurden, und vermittelte den Kontakt zum Management einer ansässigen indischen Firma, die von ihren Erfahrungen berichtete.

«Unser Konkurrenzstandort war Zug – wegen der Steuern», berichtet Basel-Area-Geschäftsführerin Iris Welten. «Wir konnten aber die Vorteile des Pharma- und Chemieclusters in der Region Basel aufzeigen. Dies gab den Ausschlag.» Dabei sei es wichtig, nicht einen Kanton, sondern die ganze Region zu vertreten. «Wenn wir zeigen, dass es im Umkreis von 90 Minuten 160 Forschungsinstitute gibt, beeindruckt dies Standortsuchende», erklärt Welten. «Bloss kantonale Zahlen wären weniger überzeugend.» Pharmachem-Finanzchefin Deepti Sharma ergänzt: «Die Wärme des Empfangs, und dass alle unsere Fragen rasch geklärt wurden, überzeugte uns.» Dass sich Shiva Pharmachem nicht für einen Standort in der EU entschied, begründet Sharma mit den «sehr transparenten Schweizer Vorschriften». Zudem hätten auch viele der Pharmachem-Kunden aus der EU eine Niederlassung in der Schweiz, was ein fruchtbares Geschäftsklima ergebe.

Seit Ende August unterhält Shiva Pharmachem in Muttenz eine Handelsvertretung. Iris Welten spricht davon, dass mittelfristig die indische Firma hier auch produzieren könnte. «Geht es um grosse Investitionen in Industrieanlagen, ist oft der erste Schritt ein kleines Büro, um die Rahmenbedingungen kennen zu lernen.» Sharma weist auf die vorhandenen Produktionskapazitäten in Indien hin. «Da aber die Business-Welt dynamisch ist, schliessen wir nichts aus.»

Weltmarktführer für Muttenz

Beispiel zwei: Geht es bei Shiva Pharmachem um ein Familienunternehmen mit Expansionspotenzial, so ist die US-amerikanische Enterprise Holdings mit 1,4 Millionen Fahrzeugen und 78 000 Angestellten der weltweit führende Autovermieter mit 30 Prozent Marktanteil. Seit Ende Juli ist Enterprise mit einem Schalter und 50 Autos am Euro-Airport (EAP) vertreten, Mitte Dezember erfolgt der Markteintritt am Flughafen Zürich mit 200 Wagen, mit dem Flughafen Genf steht man bereits in Verhandlungen.

Doch der Firmensitz ist Muttenz: Erstens eröffnet Enterprise Rent-a-Car nicht eine Niederlassung, sondern vergibt eine Lizenz an die AIL Autovermietung AG. Diese wurde als Tochter der Muttenzer AIL Holding, zu der auch die Grosspeter-Gruppe gehört, diesen Sommer gegründet.

Zweitens bekam die Autovermietung AG am EAP am schnellsten einen Schalter. Zuerst stand Enterprise zwar vor geschlossenen Türen: Für einen Schalter habe es keinen Platz. Dann wandten sich die Verantwortlichen an Basel-Area, und da wusste man, mit wem man im Flughafen sprechen muss. «Von da an gings rasch», berichtet Stefan Baumann, Geschäftsführer der AIL Autovermietung. Das Geschäft entwickle sich besser als erwartet: «Wir profitieren vom Ruf der Marke Enterprise Rent-a-Car in Übersee. Die dortigen Kunden buchen nun auch in Basel gerne bei Enterprise», berichtet Baumann.

In den ersten drei Monaten seien in der Region sieben Arbeitsplätze direkt entstanden. Gesamtschweizerisch sind bis zu deren 50 geplant, unter anderem an den Flughäfen Zürich und Genf, aber im Rahmen der Expansion auch im Hauptquartier in Muttenz. Zudem werden die Mietwagen innerhalb der Gruppe gewartet, was zusätzliches Auftragsvolumen für die Grosspeter-Garagen bedeutet.

Weg für Kantonswechsel geebnet

Das dritte Beispiel stammt aus Nunningen: Dort hatte die Biosystems Switzerland AG ihren Firmensitz. Doch war der Laborgerätehändler, der Kunden auf den verkauften Apparaten auch schult, auf Nunningen, Meltingen und Eglisau (ZH) verteilt. «Wir suchten einen Standort mit Bahn- und Autobahnanschluss, wo wir Büro, Labor und Lager unter einem Dach vereinen können», berichtet der Marketingverantwortliche David Stampfler.

Man habe mehrere Möglichkeiten geprüft. «Ich kannte Basel-Area von früher. Als wir Kontakt aufnahmen, hat dies die Abklärung all der Details eines Kantonswechsels erleichtert und beschleunigt. So haben wir Alternativen zu Muttenz nicht mehr vertieft geprüft», so Stampfler.