Wasserqualität

Wo man im Baselbiet baden kann, ohne Ausschlag zu bekommen

Auch beim Wasserfall Kilchberg werden Wasserproben genommen – meist mit schlechtem Resultat.

Auch beim Wasserfall Kilchberg werden Wasserproben genommen – meist mit schlechtem Resultat.

Das Baselbieter Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen testet die Badewasserqualität in den hiesigen Fliessgewässern.

Die Tage sind lang, die Temperaturen heiss und viele der üblichen Feriendestinationen wegen der Coronalage keine Option. Klar, dass man da plötzlich vor der Haustür nach Alternativen sucht, um sich abzukühlen. Auch aus diesem Grund untersucht das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen drei- bis viermal in der heissen Jahreszeit die Badewasserqualität in Fliessgewässern.

«Wir tun das, um die Leute zu sensibilisieren», erklärt Peter Brodmann. Flussgewässer seien nämlich nicht mit dem mit Chlor versetzten Wasser in der Badi vergleichbar, fährt der Baselbieter Kantonschemiker fort. «Wir sprechen hier von der Natur, und in dieser kommt es eben vor, dass Wasservögel ihr Geschäft flussaufwärts verrichten und mikrobiologisch verunreinigen.»

Orientierung an EU-Vorgaben

Aufgrund der Resultate folgt eine Einteilung in vier Qualitätsklassen, A bis D. Während in den Gewässern der beiden oberen Klassen keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist, ist dies hingegen beim Schwimmen oder Wasserschlucken in Flüssen oder Bächen der Qualitätsklassen C und D «nicht auszuschliessen respektive möglich», wie das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen im Begleitschreiben zur Liste anmerkt.

Für die Sauberkeit von Fliessgewässern existieren allerdings Vorschriften. «Es gibt EU-Vorgaben für offizielle Badestellen, doch diese sind hierzulande nicht bei uns im Kanton», erklärt Brodmann und fügt hinzu: «Wir orientieren uns bei unseren Messungen an diesen Vorgaben.»

Bei starkem Regen werden Warnschilder aufgestellt

Die Liste mit der Kategorisierung der Badewasserqualität wird jeweils auf der Website publiziert. Dazu werden die Gemeinden, in denen gemessen worden ist, vom Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen informiert. «Wir können nichts verbieten, das kann nur der Kantonsarzt. Allerdings müssten dafür schon Pathogene im Wasser festgestellt werden», sagt Peter Brodmann.

Somit ist der eigentliche Zweck der Liste, die Bevölkerung darüber zu orientieren, ihre Kinder an gewissen Stellen besser nicht baden zu lassen. Denn viel ändern kann man am Ergebnis ohnehin nicht. «Die Einstufung in eine tiefe Qualitätsklasse bedeutet nicht, dass jemand etwas falsch gemacht hat. Wenn es lange schön ist, steigt automatisch die Wasserqualität», so der Kantonschemiker.

Diese Tatsache ist auch Marcel Aeschbacher bestens bekannt. Der Wasserfall Giessen in seiner Gemeinde ist nämlich regelmässig in den Qualitätsklassen C und D zu finden. «Wir haben oberhalb des Wasserfalls eine kleine Kläranlage mit Mischbecken. Wenn es stark regnet, kann sie nicht alles aufnehmen und es gerät ins Wasser», liefert der Kilchberger Gemeindepräsident die Erklärung. Geschieht das kurz vor einer Messung, ist eine schlechte Einstufung die logische Konsequenz. «In solchen Fällen stellen wir vor Ort ein Warnschild auf und publizieren einen Hinweis im Gemeindeblatt.»

Birsig landet regelmässig in Qualitätsklasse D

Weil die Aufrüstung von Kleinkläranlagen keinen Sinn macht, wird man in Kilchberg noch eine ganze Weile mit dieser «unschönen Tatsache» – so die Bezeichnung Aeschbachers – leben müssen. «Wir sind schon seit längerem dran, die Sauber- und Kläranlagenwasser zu trennen. Doch das ist ein Generationenproblem und wird noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.»

Auf die Qualitätsklasse D abonniert ist der Birsig in Binningen, mehr als zur Kenntnis nehmen tut man das bei der Unterbaselbieter Gemeinde aber nicht. «Das ist nichts Neues», bestätigt der stellvertretende Verwaltungsleiter Bernard Keller und nennt den Grund: «Wie auch der Marbach in Oberwil befindet sich der Birsig in Fliessrichtung der Abwasserreinigungsanlage Therwil und landet deswegen jedes Mal im D.»

Anstrengungen von politischer Seite, etwas an der Wasserqualität zu ändern, sind bislang keine erfolgt und Keller glaubt auch nicht, dass sich daran etwas ändert: «Als Badestelle hat der Birsig keine hohe Bedeutung, auch weil er zu wenig Wasser führt.» Wer im Leimental baden will, gehe nämlich ins Schwimmbad Bottmingen.

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