Rohner-Areal

Wohnen rückt in weite Ferne: Prattler werden alte Chemie nicht los

Das Areal der Rohner AG liegt im Hexmatt-Quartier, direkt neben Wohnungen.

Die Besitzerin des Rohner-Areals und das Konkursamt wollen, dass ein Investor die Anlagen der konkursiten Rohner AG en bloc kauft und den chemischen Betrieb weiterführt. Bis Ende Monat können Angebote platziert werden.

Seit Jahrzehnten leben die Bewohner des Prattler Hexmatt-Quartiers direkt neben der Rohner AG – und damit direkt neben einem Störfallbetrieb der alten Chemie. Als das Ende des Traditionsunternehmens im Juni absehbar wurde, keimte die Hoffnung auf, dass das Areal bald umgenutzt werden und Wohnraum entstehen könnte. Die Hiag AG, der das Grundstück gehört, sprach in der bz schon selber davon, wie lukrativ dies für sie wäre.

Doch wie es scheint, müssen die Prattlerinnen und Prattler noch länger mit einer industriellen Nutzung zurechtkommen, wenn auch nicht durch die konkursite Rohner AG. Wie mehrere Quellen der bz bestätigen, gibt es einige interessierte Investoren, die sich überlegen, die Anlagen der Rohner AG zu übernehmen und den zurzeit stillgelegten Betrieb weiterzuführen.
Zudem hat das Baselbieter Konkursamt am Montag den Schuldenruf im Schweizerischen Handelsamtsblatt publiziert. Unter «Bemerkungen» ist der Aufruf angehängt, noch bis 31. August schriftliche Kaufangebote einzureichen. Zentral ist die Einschränkung: «Angebote können nur für das gesamte Firmeninventar abgegeben werden.»

Weiterführung wäre «für alle die beste Lösung»

Auf Anfrage spricht Konkursamtsleiter Reto Tschudin Klartext: «Die gesamten Rohner-Anlagen en bloc an einen Unternehmer zu verkaufen, der den Betrieb weiterführt, wäre für alle die beste Lösung.» Die Vermieterin Hiag bekäme bald wieder Mieteinnamen, die ehemaligen Rohner-Angestellten hätten die Chance auf eine Wiederanstellung, und für das Konkursamt stelle es die beste Chance dar, die Forderungen möglichst vieler Gläubiger zu erfüllen. Denn Tschudin hält auch fest: «Verschenken werden wir die Anlagen nicht.»

Er bestätigt, dass ehemalige Rohner-Mitarbeiter wie auch die Hiag AG ihn ebenfalls bereits auf mögliche Investoren aufmerksam gemacht hätten. Ein konkretes Angebot liege aber noch nicht vor. Tschudin hofft sehr, dass sich in der kurzen Frist noch jemand findet. Denn: «Sonst müssen wir die Bestandteile des Inventars einzeln verscherbeln, und die Anlagen verlieren ihren Wert.» Dies, weil das Konkursamt die Wartung und Instandhaltung der Anlagen, für die zurzeit noch rund 25 Mitarbeiter sorgen, stoppen würde.

Mittlerweile strebt auch die Hiag AG eine Weiterführung des Betriebs an. Verwaltungsratspräsident Felix Grisard sagt: «Unser Problem sind nicht die ausstehenden Mietzahlungen der Rohner AG von rund 1,5 Millionen Franken. Schwierig wird es, wenn wir auch in Zukunft keine Mieteinnahmen erzielen, weil das Areal brach liegt.» Für Grisard ist denn auch das Geschäftsmodell der Rohner AG «gar nicht schlecht – wenn man es richtig macht». Immerhin steht Grisard auch zu seinen früheren Äusserungen: «Grundsätzlich haben wir das Areal gekauft, um es in Wohnraum umzunutzen. Dieses Ziel gilt aber mittel- bis langfristig.»

Besser neuer Chemiebetrieb als jahrelang eine Brache

Die Haltung von Konkursverwalter Tschudin ist ebenfalls klar: «Es ist nicht mein Auftrag, in Pratteln Arealentwicklung zu betreiben, sondern die beste Dividende für die Gläubiger herauszuholen.» Dafür zeigt der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder Verständnis, auch wenn er anmerkt, dass «es für unsere Siedlungsentwicklung nicht optimal wäre». Doch: «Das Schlimmste wäre, wenn wir auf dem Areal für 10 bis 15 Jahre eine Industriebrache hätten. Da ist mir der Weiterbetrieb lieber.» Er fordert aber, dass ein neuer Investor massiv in die Sicherheit investieren müsste. Burgunders Traumszenario: Die industrielle Nutzung wird noch gut zehn Jahre fortgeführt und das Rohner-Areal dann freigegeben. «Das würde genau in unsere Entwicklungsplanung passen.»

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