Liestal

«Wollen hier pensioniert werden»: Junge Konditoren führen neu Traditions-Confiserie Aebischer

Jonas Walther und Nadine Meier haben sich gut eingelebt.

Sie haben vor zwei Monaten einen der schwierigsten Jobs in Liestal angetreten, denn die zu füllenden Fussstapfen ihrer Vorgänger sind sehr gross: Nadine Meier (28) und Jonas Walther (29) haben Liestals letzte und weit über den Kantonshauptort hinaus bekannte Confiserie Aebischer übernommen. Nichtsdestotrotz haben die beiden in dieser kurzen Zeit erstaunlich viel Mut gezeigt.

So haben sie das Sortiment unter anderem mit zusätzlichen Pralinensorten – das Angebot ist eh schon riesig – und einem Orangen-Cake erweitert und die Öffnungszeiten geändert. Sie öffnen am Morgen früher, schliessen aber auch am Abend früher. Dies, um Pendler am frühen Morgen abzuholen, doch die kamen nur zögerlich. Meier sagt schon ganz abgeklärt: «Alles Neue muss sich zuerst einpendeln.»

Familien halfen beim Start finanziell mit

Zumindest sie wusste ein Stück weit, auf was sie sich einliess, als sie letzten Dezember Hanspeter und Silvia Aebischer zusagte, deren Confiserie nach 32 Jahren zu übernehmen. Denn Meier arbeitete schon sieben Jahre bei Aebischers. Sie sagt: «Die Frage einer Übernahme stand schon länger im Raum. Da entschieden Jonas und ich gemeinsam, diese Chance zu packen.» Sie allerdings mit «grossem Respekt».

Mitentscheidend war, dass ihnen ihre Familien den namhaften Betrag für die Übernahme des Inventars samt Rezepten liehen. Denn bei einer Bank wollten sich die beiden jungen Konditoren nicht verschulden.

Nach zwei Monaten in der Verantwortung ist der Druck etwas gewichen. Kunden seien soweit ersichtlich keine abgesprungen, die Gewerbebetriebe rund herum hätten sie sehr freundlich aufgenommen und das Geschäft laufe gut, wobei die Nachfrage nach Süssem im Sommer immer kleiner sei als im Winter, schildern Meier und Walther ihre ersten Erfahrungen als Betriebsinhaber. Er ergänzt: «Die guten Kunden-Feedbacks sind für mich der grösste Aufsteller.»

Doch ihre zeitliche und emotionale Belastung sei grösser als zuvor, als sie beide als Angestellte – er beim «Sutter Begg» in Basel – arbeiteten. Und Lohn zahlen sie sich weniger, weil sie die Schulden bei ihren Familien abzahlen wollen. Und wie ist es, plötzlich so eng zusammen zu arbeiten? Meier und Walther schauen sich an, dann lachen beide: «Wir haben schon die Lehre zusammen beim ‹Sutter Begg› gemacht.» Aber in Stresssituationen müsse man sich manchmal schon zusammen nehmen, fügt Meier an.

Ausser den getätigten Anpassungen bei Sortiment und Öffnungszeiten wollen Meier und Walther möglichst alles so weiterführen, wie es Aebischers gemacht haben. Damit sinkt auch das Risiko zu scheitern. Scheitern? Walther schaut schon fast entsetzt, als er das Wort hört: «Unser Ziel heisst, hier pensioniert zu werden.»

Aber die ersten zwei intensiven Monate haben schon ihre Spuren hinterlassen, und die beiden freuen sich auf die bevorstehenden Ferien. Meier: «Einfach einmal an nichts denken zu müssen, das hat schon seinen Reiz.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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