Baselland Transport

Wollte Baselbieter Regierung Tango-Beschaffung verhindern?

Die BLT hat am Mittwoch in Oberwil den Abschluss der Beschaffung ihrer 38 Tango-Trams von Stadler gefeiert. Dabei wurde Brisantes aus der Beschaffungsgeschichte öffentlich.

Mit Weisswein wurde angestossen, beim gemeinsamen Mittagessen gab es Zürcher Geschnetzeltes: Am BLT-Hauptsitz in Oberwil herrschte am Mittwochvormittag Feststimmung. Im Beisein von Stadler-Rail-Boss Peter Spuhler feierten Verwaltungsrat, Direktion und Teile der Belegschaft den Abschluss der Beschaffung von 38 Tango-Trams.

Das letzte der 4,6 Millionen Franken teuren Fahrzeuge ist vor wenigen Tagen an den Baselbieter öV-Betreiber ausgeliefert worden. Die gesamten Beschaffungskosten lagen bei 180 Millionen Franken. Zwischen 2008 und 2016 wurden die 38 Trams in total drei Tranchen beschafft, stetig nachgebessert und laufen seither erfolgreich auf dem Steckennetz von BLT und BVB.

Auf die zweite Tranche verzichten

Doch seiner launigen Zusammenfassung der wechselvollen Beschaffungsgeschichte mischte BLT-Direktor Andreas Büttiker eine bisher unbekannte Episode unter: Im Frühjahr 2012 versuchte die Bau- und Umweltschutzdirektion, die Beschaffung von 19 Fahrzeugen der zweiten Serie zu verhindern. Laut Büttiker machte der damalige Baselbieter öV-Beauftragte Jörg Jermann gegenüber der BLT den herrschenden Spardruck geltend und forderte das Unternehmen auf, auf den Tango-Restkauf ganz zu verzichten oder diesen zumindest aufzuschieben.

Nach dem jahrelangen Streit um den Ausstieg der BVB aus dem zunächst als gemeinsames Projekt angelegten Tramkauf habe die BLT-Führung diese Intervention der Baselbieter Regierung als weitere schwere Belastung empfunden, führte Büttiker weiter aus. Er verglich die wechselvolle Beschaffungsgeschichte mit einem regelrechten «Kriminal-Tango», in Anlehnung an Hazy Osterwalds Schlager-Hit aus den 1950er-Jahren. Erst nachdem die BLT-Führung die Baselbieter Verkehrsministerin Sabine Pegoraro «mit guten Argumenten» von den Vorteilen einer Neubeschaffung habe überzeugen können, willigte der Kanton in den Kauf ein. «Darum war es ein Kriminal-Tango mit Happy End», bilanzierte Büttiker. Von der Regierung war übrigens niemand an der Feier in Oberwil anwesend, diese war von der BLT nicht eingeladen worden.

Überraschung beim Kanton

Dieter Leutwyler, der Sprecher der Bau- und Umweltschutzdirektion, zeigt sich überrascht davon, dass diese Episode von der BLT vier Jahre später publik gemacht wird. Es habe sich damals lediglich um eine Nachfrage seiner Direktion gehandelt, ob aus Kostengründen nicht auf die Beschaffung vorerst verzichtet werden könne, da die Amortisation der Beschaffungskosten via Kantonsabgeltung die Staatsrechnung belastet.

«Für uns war diese Intervention nicht sehr dramatisch. Es war eben die Zeit, in der alles und jedes Projekt aus Kostengründen hinterfragt wurde. Das wollten wir auch beim Tango-Tram tun», erklärt Leutwyler. Doch bereits am 23. Mai 2012, also nur knapp einen Monat später, habe Pegoraro dem Tango-Kauf der 2. Tranche schriftlich zugestimmt.

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