Ausstellung

Zeitreise auf die Eigernordwand im Museum Laufental

Mit einer solchen Ausrüstung erklomm der Dittinger Gottfried Jermann im Jahr 1947 die Eigernordwand. hanspeter steiner

Mit einer solchen Ausrüstung erklomm der Dittinger Gottfried Jermann im Jahr 1947 die Eigernordwand. hanspeter steiner

Die neue Sonderausstellung des Museums zeigt zwei aussergewöhnliche Laufentaler: Einer erklomm als erster Schweizer die Eigernordwand, der andere ist der bekannteste Maler des Laufentals.

Während der eine als exzellenter Kletterer und Teufelskerl bekannt war, folgte der andere seiner Leidenschaft für bildende Kunst, malte Porträts und Landschaften und fertigte zahlreiche Holz- und Linolschnitte seiner Umgebung an. Im Museum Laufental ist seit November eine Sonderausstellung zu sehen, die zwei bemerkenswerten Charakteren der Region gewidmet ist: Gottfried Jermann aus Dittingen, der als erster Schweizer die Eigernordwand erklomm und August Cueni aus Zwingen, dem bekanntesten Maler des Laufentals.

Der kletternde «Räuber»

Gottfried Jermann, 1902 als Sohn eines Landwirts geboren, arbeitete nach seiner Lehre als Steinhauer in der Papierfabrik Zwingen als Maschinenführer. Bekannt war er aber für seine gelungenen Darbietungen in verschiedenen Laientheatern – sein Spitzname «Räuber» rührt von einer besonders treffenden Darstellung. Er war berüchtigt für seine Präzision beim Schiessen und für seine verrückten Kletteraktionen, bei denen auch einige übermütige Fotografien entstanden. Diese sind im Museum Laufental zu sehen und zeigen den Bergfanatiker bei halsbrecherischen Kunststücken an gähnenden Abgründen, die vor Leichtigkeit und Selbstironie strotzen. Hanspeter Steiner, Ausstellungsleiter, erzählt: «So einen verrückten Kerl hätte man heutzutage bestimmt ins Gefängnis gesperrt.»

Über das Laufental hinaus bekannt wurde der Dittinger als Mitglied der ersten Schweizer Seilschaft, welche 1947 die Eigernordwand durchstieg. Gemeinsam mit den Brüdern Hans und Karl Schlunegger aus Wengen nahm er sich vor, die ganze Wand in einem einzigen Tag zu erklimmen. Ein Gewitter durchkreuzte den Zeitplan. Dennoch gelang der Aufstieg in der damaligen Rekordzeit von 38 Stunden. Im Museum kann man die Ausrüstung bestaunen, mit der die mutigen Kletterer sich in die Wand begaben: die grob gearbeitete, eher dünne Jacke, die einfachen Steigeisen, das Hanfseil und Jermanns eigenen Eispickel. Neben weiteren Besitztümern sind auch Videoaufnahmen von Zeitgenossen des im Alter von nur 52 Jahren an Leukämie verstorbenen Gottfried Jermann zu sehen, die die Erinnerungen an ihren Freund aufleben lassen.

Der Maler des Laufentals

August Cuenis Talent fürs Zeichnen entwickelte sich schon in der Schule. Der 1883 geborene Künstler stammte aus einer Kleinbauernfamilie in Zwingen und nahm nach einem kurzen Besuch an der Handelsschule in Basel eine Lehre als Maler auf. Danach bereiste er mit seinem Freund August Wanner Europa, bis er 1910 in die Kunstgewerbeschule in München eintrat. Er kehrte als ausgebildeter Künstler nach Zwingen zurück. Während er die Familie in der Landwirtschaft unterstützte, schuf er farbenprächtige Bilder von Laufen und Umgebung. Später, nachdem Cueni sich den Traum einer eigenen Alphütte erfüllt hatte, kamen Darstellungen des Lötschentals hinzu, die an Farbintensität noch reicher sind. Das Flächenhafte seiner Pinseltechnik rückt ihn an die Aussengrenze des realistischen Stils und macht seine Bilder einzigartig.

Die Sonderausstellung zeigt Kunst- und Auftragswerke des Malers. Fotografien und Skizzen, welche Cuenis Sohn Helwin dem Museum geschenkt hat, demonstrieren nebst eindrücklichen Holz- und Linolschnitten und 22 Ölbildern die ungeheure Schaffenskraft des Künstlers, der sich von seinen geringen finanziellen Mitteln nicht aufhalten liess.

Das Museum Laufental zeichnet mit seiner Sonderausstellung interessante Porträts zweier Freigeister, die je auf ihre eigene Weise mit den Konventionen brachen und das Laufental über die Region hinaus ins Gespräch brachten. Die Einrichtung am Helye-Platz in der Laufner Altstadt beim Untertor ist jeweils am ersten und am dritten Sonntagnachmittag des Monats geöffnet. Einen Einblick gibt es dann natürlich auch in die ständigen Ausstellungen. Mit diesen gibt das Museum die Geschichte des Laufentals umfassend wieder. Von Jurameer-Fossilien über historische Handwerksgegenstände bis zur Industriegeschichte ist alles vertreten.

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