Der Kontrast ist gross: Vor etwas mehr als einem Jahr herrschte unter den Befürwortern der geplanten Ziegelhof-Überbauung in Liestal Euphorie, als der umstrittene Quartierplan die Volksabstimmung mit einem Zwei-Drittel-Mehr passierte. Jetzt, da man noch nicht viel weiter ist, beginnt sich Ernüchterung breitzumachen und erste Stimmen aus der Immobilien-Branche munkeln hinter vorgehaltener Hand schon, dass das Ziegelhof-Projekt wegen den Einsprachen wahrscheinlich gar nie umgesetzt werde. KMU Liestal-Vertreter Michael Bischof, der an vorderster Front für das Vorhaben kämpfte, sagt dazu: «Ich habe solche Stimmen noch nicht gehört. Ich glaubte nach dem überdeutlichen Abstimmungsresultat, das Ganze sei gegessen. Es wäre tragisch, wenn ein paar Einsprecher das Projekt jetzt noch verhindern könnten.»

Christoph Stutz, Verwaltungsratspräsident der Grundeigentümerin Ziag Ziegelhof AG, will die Gerüchte um ein Scheitern nicht kommentieren. Er sagt nur: «Viel mehr Legitimation als eine Volksabstimmung mit einem derart deutlichen Resultat kann es nicht geben für ein Projekt.» Eine Deadline, an der das Projekt gestoppt werde, gebe es nicht. Und Abraham Budak, Verwaltungsratspräsident der Bovida Invest AG, die die Projektfäden und die privaten Investoren in respektive an der Hand hält, gibt sich gelassen: «Jeder hat das Recht, Einsprache zu machen. Wir haben bisher so viel Geduld gehabt, wir werden auch weiterhin Geduld haben.» Der Manor-Neubau in Liestal sei auch viel länger gegangen als vorgesehen. Und Budak optimistisch: «Der Standort ist top, wir glauben an das Projekt.»

Coop: Eineinhalb Jahre Verzug

Eine Schlüsselrolle beim Ziegelhof-Projekt nimmt der vorgesehene Hauptmieter Coop ein. Dieser rechnete unmittelbar nach der Abstimmung «im besten Fall» mit einer Eröffnung des neuen, 2000 Quadratmeter grossen Einkaufcenters auf Ende 2015, wie die damalige Sprecherin gegenüber der bz sagte. Heute tönt es ziemlich anders.

Stephanie Weiss, bei Coop Leiterin der Kommunikation für die Verkaufsregion Nordwestschweiz, sagt: «Wir sind deutlich in Verzug. Wir rechnen mit mindestens eineinhalb Jahren.» Gegenwärtig würden Verhandlungen mit dem Investor laufen, wie es weitergehen soll. Dieser sei noch an baulichen Abklärungen. Und Weiss hält fest: «Mit den Mietverhandlungen wurde bereits gestartet, der definitive Vertrag ist aber noch nicht unterschrieben. Wir halten nach wie vor am Standort Liestal und am Ziegelhof fest und hoffen, das Projekt sobald als möglich realisieren zu können.»

Nur: Die paar Anwohner, die Einsprache erhoben haben, weil die Liestaler Behörden das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) zu wenig berücksichtigt hätten, haben das Verfahren bisher nicht gross verzögert. Der Hauptgrund, dass der Regierungsrat noch nicht über den Quartierplan und die Einsprachen befinden konnte, liegt nämlich an unerwarteter Stelle. August Lauer vom federführenden Amt für Raumplanung sagt: «Uns fehlt der Quartierplan-Vertrag zwischen dem Grundeigentümer, der Stadt Liestal und allfälligen weitern Beteiligten. Sobald dieser vorliegt und wir ihn geprüft haben, werden wir den Fall zügig an den Regierungsrat weiterleiten.»

Der Ball liegt also bei der Stadt Liestal. Stadtrat Peter Rohrbach verweist auf «verschiedene Punkte», die noch abgeklärt werden mussten, ohne auf Details eingehen zu wollen. Er stellt aber in Aussicht: «Jetzt ist alles geklärt, der Quartierplan-Vertrag ist bis spätestens Ende nächster Woche beim Kanton.» Vielleicht kommt dann in Liestal wieder so etwas wie Euphorie auf.