Schulglocken

Zoff ums Glockengeläut: Warum in Lauwil das Volk übers morgendliche Bimmeln abstimmen muss

Dass das Glöcklein in Lauwil schon um 5.30 Uhr läutet, gefällt nicht allen.

Dass das Glöcklein in Lauwil schon um 5.30 Uhr läutet, gefällt nicht allen.

Soll die Glocke auf dem Schulhaus in Lauwil frühmorgens weiterläuten oder nicht? Darüber entscheidet eine Referendumsabstimmung.

Viermal täglich erklingt die Glocke auf dem Dach des Lauwiler Schulhauses: um 5.30 Uhr, um 11 Uhr, nachmittags und abends. Das Morgengeläut ist manchen Bewohnerinnen und Bewohnern der 320-Seelen-Gemeinde im Bezirk Waldenburg aber lästig. An der Gemeindeversammlung Ende November 2019 stimmten die rund 40 Teilnehmenden mehrheitlich einem Gegenantrag zu, laut dem die Glocke frühmorgens künftig abgestellt werden soll. Aber diese läutet um 5.30 Uhr immer noch regelmässig.

Nach der Versammlung auf Unterschriftenjagd

Weshalb? Der 64-jährige Stefan Ziegler sammelte nach der Versammlung Unterschriften für ein Referendum. Innert nur vier Tagen kamen deren 63 zusammen, fast dreimal mehr als erforderlich gewesen wären. «Das Morgengeläut ist ein Ritual, es gehört zum Tag», erklärt Ziegler. Ihn störe, dass je länger, je mehr Traditionen aus irgendeinem Grund verschwinden. Weiter führt Stefan Ziegler ins Feld, «dass das ganze Hin und Her an der Gemeindeversammlung mit Antrag und Gegenanträgen verwirrend war». Als er den Saal verlassen habe, hätten noch einige andere den Entscheid der Versammlung bedauert. Deshalb hat der Schreiner das Referendum ergriffen, über das bereits Mitte Mai hätte befunden werden sollen. Wegen der Coronakrise findet die Abstimmung nun erst am 28. Juni statt. Solange der Urnenentscheid hängig ist, darf die Glocke am frühen Morgen weiterklingen.

Gemäss dem Hauptantrag an der damaligen Gemeindeversammlung hätte die Exekutive bloss beauftragt werden sollen, neue Varianten für das Läutregime der Schulhausglocke zu prüfen und eine entsprechende Beschlussvorlage auszuarbeiten. Dabei hätten unter anderem die Aspekte «Glockengeläut verkürzen», «Nachtruhe einhalten» und «Glockenklang» angeschaut werden sollen. Störend ist für einige offenbar nicht nur das Geläut, sondern auch das Scheppern der Glocke. Selbst Stefan Ziegler, der Präsident des Referendumskomitees, meint, dass der Ton nicht der Schönste sei. Vor drei Jahren wurde das Morgengeläut von drei auf eine Minute verkürzt; mit dem von der Versammlung angenommenen Gegenantrag sollte auch die Dauer des Läutens zu den drei übrigen Tageszeiten verkürzt werden – von drei auf zwei Minuten.

«Wir hoffen, dass wir das Morgengeläut erhalten können»

Technische Massnahmen an der Glocke würden hohe Kosten verursachen, befürchtet der Gemeinderat. Dieser stellte deshalb als Kompromiss ebenfalls einen Gegenantrag, davon wollte die Versammlung letzten November allerdings nichts wissen. Ziegler, dessen Frau noch bis Ende Monat dem Gemeinderat angehört, blickt der Referendumsabstimmung in knapp drei Wochen zuversichtlich entgegen. «Wir hoffen, dass wir das Morgengeläut erhalten können. Wenn nur alle an die Urne gehen, die unser Referendum unterzeichnet haben, ist die Abstimmung immer noch demokratischer als die Gemeindeversammlung», betont der 64-Jährige und fügt an: Auch wenn ihr Referendum nicht erfolgreich sein sollte, hätten sie immerhin erreicht, «dass wir das Morgenglöcklein länger hören konnten».

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