«Diese Fahrzeuge befinden sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Für uns würde ein Einsatz keinen Sinn ergeben.» Das Fazit von Andreas Büttiker über selbstfahrende Busse ist ernüchternd. Der Direktor der Baselland Transport (BLT) bläst ein geplantes Pilotprojekt mit autonomen Fahrzeugen ab. Das berichtete gestern die «Basler Zeitung». Die BLT hatte noch im Februar angekündigt, sie wolle einen fahrerlosen Testbetrieb auf der Linie 109 im Oberbaselbiet einrichten.

Die Hersteller von autonomen Bussen konnten die Experten in der BLT-Zentrale in Oberwil offensichtlich nicht überzeugen. Hinzu komme, sagt Büttiker, dass die Busse nicht ohne Personal auskämen: «Die Auflage des Bundesamts für Verkehr lautet, dass weiterhin eine Begleitperson anwesend sein muss.»

Nur zwölf Sitzplätze

Im Vergleich zu konventionellen Bussen könnten auch nur wenige Passagiere transportiert werden. Deshalb wären die selbstfahrenden Fahrzeuge auf der Linie 109 zwischen Rümlingen und Bad Ramsach lediglich abends zum Einsatz gekommen, sagt Büttiker. Für den Normalbetrieb sei die Kapazität der Kleinbusse mit zwölf Sitzplätzen zu gering.

Hinzu komme, dass in der Schweiz bereits fünf Pilotprojekte am Laufen seien, von denen alle Verkehrsbetriebe profitieren könnten. «Es ist gut, dass es diese Tests gibt», sagt Büttiker. «Aber wir müssen das nicht auch noch machen, wenn es sich für uns als zu teuer und wenig praktikabel erweist.» So sei die Geschwindigkeit der Busse auf 25 Kilometer pro Stunde begrenzt.

In Neuhausen am Rheinfall kam es kürzlich zu einem Unfall mit einem Bus ohne Chauffeur: Eine E-Bike-Fahrerin fuhr in die Fahrzeugfront, die 72-Jährige musste verletzt ins Spital eingewiesen werden. Sie sagte laut «Schaffhauser Nachrichten», sie sei vom plötzlichen Losfahren des Busses überrascht worden. Seither ist das Unfallgefährt stillgelegt. Die Schaffhauser Verkehrsbetriebe wollten ursprünglich im Juni einen zweiten Bus ohne Fahrer auf die Strasse schicken. Auch er bleibt vorerst in der Garage. Es handelt sich um das Modell Trapizio des französischen Herstellers Nyvya. Büttiker sagt, der Unfall im Kanton Schaffhausen sei nicht der ausschlaggebende Grund gewesen, auf einen Pilotbetrieb zu verzichten.

Bald der erste E-Bus in Betrieb

Bei den Elektro-Bussen will die BLT jedoch vorwärts machen. Laut ihren Plänen verkehrt sie künftig mit bis zu fünf E-Bussen auf der Linie 37. Die interne Evaluation sei bereits abgeschlossen, sagt Büttiker. Welcher der drei Anbieter das Rennen gemacht habe, werde in den kommenden Wochen bekannt gegeben. Noch müssen Regierungsrat und Landrat dem Finanzierungsantrag der BLT zustimmen. Der erste E-Bus ist wohl Ende kommenden Jahres im regulären Linienbetrieb unterwegs.

Ein anderes Projekt mit autonomen Fahrzeugen läuft weiter. Die BLT plant, die Waldenburgerbahn nach ihrer Erneuerung weitgehend automatisiert auf die Schienen zu schicken. Bei der Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuge im Jahr 2022 sei aber sicher noch eine Wagenführerin oder ein Wagenführer an Bord, versichert Büttiker.