Gestadeck-Schulhaus

Zu wenig Geld: Liestal muss Siegerprojekt begraben und setzt auf Pavillons

Kehrtwende bei Schulraumplanung: Stadtrat verzichtet wegen Geldmangel auf neues Gestadeck-Schulhaus.

Vor etwas mehr als einem Jahr vorgestellt, jetzt schon Geschichte – das Leben des Siegerprojekts für die Erweiterung des Liestaler Gestadeck-Schulhauses namens «Eins, Zwei oder Drei» war von kurzer Dauer. Der in Liestal fürs Bauliche zuständige Stadtrat Franz Kaufmann sagt dazu: «Wir sahen uns gezwungen, auf den Neubau zu verzichten, weil wir die 30 Millionen Franken für dieses Projekt nicht haben. Wir müssen uns generell ein neues Schulhaus im traditionellen Sinn abschminken.»

Gleichzeitig will Kaufmann nichts davon wissen, mit dem Architekturwettbewerb mit Kosten im sechsstelligen Bereich Geld in den Sand gesteckt zu haben: «Das war eine gute Investition. Denn dieser Wettbewerb hat einen Prozess mit neuen Erkenntnissen ausgelöst.» Und ebendiese Erkenntnisse sollen die Liestaler Schulhausplanung in den nächsten Jahren entsprechend prägen.

Turnhallen sind massgebend

Handlungsbedarf besteht, weil Liestal wächst (siehe Box). Der Stadtrat rechnet für die Periode 2019 bis 2023 mit 450 zusätzlichen Kindern auf der Primarstufe, das heisst 100 Kindergarten- und 350 Primarschülern. Diese Zahlen weist er im neusten Entwicklungsplan aus. Heute zählt Liestal 830 Primar- und 263 Kindergartenschüler. Für die Primarschule bedeuten die Zunahme zwei zusätzliche Klassenzüge von der ersten bis zur sechsten Klasse, baulich also zwölf neue Klassenzimmer inklusive Nebenräume und Turnmöglichkeiten, sagt Kaufmann.

Neuen Schulraum teuer machen würden vor allem Turnhallen, wie sie zum Beispiel auch bei der Gestadeck-Erweiterung vorgesehen waren. Über das Ganze betrachtet verfüge Liestal aber über genügend Turnraum, denn die bestehenden Hallen seien nicht alle ausgelastet. Deshalb will der Stadtrat mit einer flexiblen Lösung statt mit einer statischen wie einem neuen Schulhaus reagieren.

Kaufmann: «Wir erweitern den Schulraum mit Modulen. Das heisst, wir bauen zuerst beim Frenke-Schulhaus, später bei Bedarf beim Fraumatt- oder Rotacker-Schulhaus mobile Pavillons, die wir je nach Situation auch umplatzieren können.» Dies zu prognostizierten Kosten von 8,2 Millionen Franken.

Beim Gestadeck-Schulhaus wird im Gegenzug nur der sogenannte Vereinspavillon abgerissen und durch einen stationären Neubau ersetzt. Zu diesen Kosten kann Kaufmann noch nichts Konkretes sagen. Er bilanziert aber unter dem Strich jetzt schon: «Die Lösung mit Pavillons anstelle eines neuen Schulhauses entlastet unsere Finanzplanung massiv.»

Jetzt reden sie miteinander

Offenbar funktioniert mittlerweile bezüglich Schulraum der Austausch mit dem Kanton. Im Sommer 2017 beklagte sich der für die Bildung zuständige Stadtrat Daniel Muri noch gegenüber der bz: «Wir kommunizieren gegenüber dem Kanton, was wir wollen. Aber Monica Gschwind schweigt seit zwei Jahren. Wir hängen in der Luft.» Doch Synergien haben Stadt und Kanton in ihren Gesprächen keine gefunden.

Die gewerblich-industrielle Berufsfachschule Liestal zieht voraussichtlich im Jahr 2025 nach Muttenz. Das sei zu spät für die Stadt, die ihren Schüler-Peak in den Jahren 2022/2023 habe, so Franz Kaufmann. Zudem seien Standort und Grösse der Gebäude nicht ideal für die Primarstufe. Der Kanton klärt derzeit die Nachnutzung dieser Gebäude ab. Geprüft werde unter anderem, ob sie für die Verwaltung geeignet wären. Dies im Zusammenhang mit dem Projekt «Optimierung Verwaltungsstandort Liestal», sagt Nico Buschauer, Leiter der Kommunikation bei der Bau- und Umweltschutzdirektion.

Vom Tisch ist dagegen ein allfälliger Umzug der Sekundarschule Burg in die Berufsfachsschul-Gebäude, wie Petra Schmidt von der Bildungsdirektion sagt. Dies wäre eine Option gewesen, falls die Stadt vom Kanton das Burgschulhaus übernommen hätte. Doch Kaufmann winkt nach entsprechenden Verhandlungen mit dem Kanton ab: «Diese Schulanlage mit ihren sieben Gebäuden wäre für uns zu gross und zu teuer.»

Er veranschlagt Kaufpreis und Sanierungskosten auf «um die 30 Millionen» – also gleich teuer wie der verworfene Gestadeck-Neubau. Aber auch ohne solche Brocken kommen auf Liestal grosse Schulkosten zu. So schlagen alleine die ab 2021 vorgesehene Totalsanierung der Schulanlage Rotacker mit rund 25 und jene der Sporthalle Frenke ab 2024 mit rund 13 Millionen Franken zu Buche.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1