Die Vorboten auf die Binninger Fasnacht sind eigentlich jedes Jahr die gleichen. Die Hauptstrasse wird bereits vor ihrer Sperrung für den Strassenumzug nur spärlich befahren und in der Migros sind die Angestellten gegenüber den Kunden numerisch in Überzahl – denn die Fasnächtler stimmen sich ein paar Meter weiter auf dem Dorfplatz ein. In den letzten Jahren ist aber auch das gute Wetter Teil des Ganzen geworden. Am vergangenen Samstag sorgen Sonnenschein, blauer Himmel und die warmen Temperaturen für einen angenehmen Rahmen. Die Sonnenbrille, die eigentlich dazu dient, die Spuren der «drey scheenschte Dääg» zu kaschieren, erfüllt nun bei vielen Zuschauern ihren eigentlichen Zweck.

Die Stimmung kurz bevor es um 15 Uhr losgeht, ist entspannt. Die jüngeren Besucher haben sich die besten Positionen längst gesichert oder von ihren erwachsenen Begleitern sichern lassen – man will ja nicht mit leeren Händen heimgehen. Dann setzt sich der Umzug in Bewegung. Das Sujet lautet in Anlehnung an die Binninger Teilnahmen am «Donnschtig Jass» «D’Fasnacht isch Trumpf».

Bus-Ärger wegen Baustelle

Diverse Buebe- und Maitlizügli gehören zu den ersten, die vorbeiziehen. Beispielsweise d’Wäglitramper Binggis, die noch etwas schüchtern ihre Mimosen und Räppli an die Leute bringen. Als dann die ersten Wagencliquen näher kommen, geht das Gedränge los. Wie die Untoten in einem Zombiefilm wird die junge Meute von unsichtbarer Hand zu den Wagen gezogen. Das traditionelle «Waggis, hesch mer öppis?» ist meist nur in abgekürzter Form («Waggis!») zu hören, man teilt sich die Kräfte ein. Abzustauben gibt es allerhand: Von Orangen über Dääfeli bis hin zu den bei Teenagern besonders beliebten Energydrinks. Erwachsene, die wissen, was sie wollen, finden teilweise auch ihr Glück. «Hesch keini kleine Shötli?», fragt ein Mann und fängt im nächsten Augenblick grinsend ein Likörfläschchen.

Echte Hingucker sind einmal mehr die vielen Wagen, zum Beispiel jener der falschen Schnägge. Sie haben die Baustelle, welche die Durchfahrt nach Biel-Benken erschwert, zum Sujet gemacht. «Kunnt dr Bus vo dr andere Siite, wartisch fünf Jooresziite», schreiben die als Bauarbeiter verkleideten Fasnächtler.

Ebenfalls ein Leimentaler Thema behandeln die Giftschnägge, das Löschen der Strassenbeleuchtung in Oberwil:

«Bi de Wäiechöpf in Binnige schwingt me s Bai,

bi de 99er in Therwil feschtet me bis am zwäi,

bi de Gugger in Ettinge goht d Party ab, bis me käi Luscht me het,

und bi de Schnägge in Oberwil löscht me si Liecht und goht ins Bett.»

Richtung Basel orientieren sich dagegen die Wolschwiller Waggis.«‹La silhouette de Bâle› isch katastrophal», findet die Clique. Die Plausch Brieder prangern derweil an, dass Traditionen im Zuge der politischen Korrektheit immer mehr in Verruf geraten:

«Wär het Angscht vorem schwarze Maa,

so foot e Kinderspiil vo friener a.

Das deerf me hitte nimmi sage,

suscht goot’s aim vo linggs an Graage.»

Die Wolfschlucht-Deppe machen die latente Furcht vor einem Shitstorm gar zum Sujet:

«Bevor me alles duet kaschtriere,

dien miir uns lieber sälber zensiere!»

Keine Angst scheinen dagegen die Samba Waggis zu haben, die ihr 30-Jahr-Jubiläum feiern. Politisch unkorrekt, dafür in korrektem Schweizer Englisch wird dieser Meilenstein mit dem Ausdruck «Waad dää föögg?» quittiert, der auf dem Wagen von zwei Fäusten mit ausgestreckten Mittelfingern flankiert wird. Den Mittelfinger gibts selbstverständlich auch von der Binniger Guggemusig Provokante, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Die nächste Eiszeit naht

Ein Sujet von überregionaler Bedeutung haben sich derweil die Dätschmaischter ausgesucht, das drohende Meme-Verbot. «D Memes lönd mir uns nid verbiete, vor allem nid vo so EU-Niete!», verkündet die Clique und untermauert dies auf ihrem Wagen selbstverständlich mit Memes – von SpongeBob SquarePants über Pingu bis hin zu Donald Trump.

Global denken gar die Schnäggefrässer und die Kiwi-Frässer, die vor der Klima-Erwärmung warnen. «D’Klimaerwärmig, die git’s nid – bald kunnt e Iiszyt, s isch dr Hit!», lautet die Prognose der Letzteren, die man nicht gerne liest – besonders an einem wunderbaren Frühlingstag an der Binninger Fasnacht.