Am Freitag 21. Juni präsentiert das Jugend Theater BL sein erstes Stück: «Wenn nicht wir, wer dann?» Der Anstoss für das neue Jugendtheater kam von Cynthia Coray aus Tecknau, langjährige Baselbieter Schauspielerin und Theaterpädagogin. Immer wieder bekam sie Anfragen von Jugendlichen oder deren Eltern, ob sie wisse, wo im Oberbaselbiet Theaterkurse angeboten würden. Ihr kam immer nur das Junge Theater Basel in den Sinn. Hier spielte Coray selbst lange Zeit und gab im Jungen Theater Basel ihr Debüt. Offensichtlich besteht das Bedürfnis aber auch im Landkanton. So kam sie auf die Idee, selbst diese Lücke zu füllen.

Mit Vorbehalt eingewilligt

Coray fing mit der Raumsuche und Finanzplanung an, bemerkte aber bald, dass sie das nicht alleine bewältigen kann. Sie bat ihre erste Kursleiterin vom Jungen Theater Basel, die langjährige Theaterpädagogin Regula Schöni, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.

Schöni sei zuerst etwas skeptisch gewesen und wollte nur als Co-Leiterin des Theaterkurses mitwirken. Der erste Kurs startete vergangenen September und nach nur wenigen Kurstagen war Schöni so begeistert, dass sie den Kurs zusammen mit Coray leiten wollte.

Mit einem Dutzend Jugendlichen trainieren die beiden wöchentlich dienstags von 19 bis 21 Uhr im Kulturhaus Marabu in Gelterkinden. Nur wenig später kam der Gedanke, einen Verein zu gründen, im Dezember setzten sie dies in die Tat um. «Ein Verein hat den Vorteil, dass man Mitglieder hat, die mittragen, nicht nur finanziell, sondern auch mental», sagt Coray. «Um das Theater zu finanzieren, haben wir von der Abteilung Kulturelles.bl eine Defizitgarantie für das erste Jahr zum Starten erhalten.» Unterstützung bekam das Theater auch von der Basellandschaftlichen Kantonalbank, einer kulturellen Stiftung und einem Sportclub. Das Geld reiche gerade, um die Kosten zu decken.

«Ich wünsche mir, dass der Verein in den nächsten Jahren eine stabile finanzielle Grundlage bekommt», sagt Cynthia Coray, die auf der Suche nach weiteren Geldgebern und Stiftungen ist. «Unser Wunsch ist es, dass es eine langjährige Kontinuität gibt.» Bis jetzt zählt der Verein rund 30 Mitglieder. Alle bisherigen Kursteilnehmer blieben nach ihrem ersten Theaterauftritt im Verein, dazu kämen noch fünf neue Teilnehmer.

Dass der Kurs wächst, freue sie sehr, sagt Coray: «Das heisst, es ist etwas da, was ein Flämmchen entfacht hat. Das ist genau das, was wir erreichen wollen.» Zudem sei es hilfreich, dass ihnen weiterhin der Kulturraum Marabu zur Verfügung stehe. Coray hofft, in den nächsten zwei, drei Jahren den Verein noch stärker professionalisieren zu können. Als Pendant zum Jungen Theater Basel möchte sie aus diesen Kursen ein Ensemble entwickeln.

«Es braucht keine Materialschlacht»

Das Konzept der beiden Kursleiterinnen ist es, das Bühnenbild «auf ein Maximum zu reduzieren», wie es Coray ausdrückt. «Wir haben die nackte Bühne. Die Jugendlichen füllen sie mit wenigen Requisiten und Kostümen, mit ihren Szenen und ihrer Präsenz.»

Sie wollen den Jugendlichen vermitteln, dass es kein Sofa braucht, wenn eine Szene in einem Wohnzimmer spielt; dass es keinen Baum braucht, wenn ein Pausenhof benötigt wird. Werde eine Szene gut gespielt, sehe es der Zuschauer, und das wollen Schöni und Coray den Jugendlichen weitergeben: «Es braucht keine Materialschlacht, um eine Geschichte auf der Bühne zu erzählen.»

In «Wenn nicht wir, wer dann?», dem ersten Bühnenauftritt des Jugend Theater Baselland, gewähren elf junge Menschen Einblick in ihren Alltag, bis ein Klimaweekend ihr Leben verändert.