Aquabasilea

Zum Rutschen fahren die Leute anderthalb Stunden

Ob Entspannung oder Action: Das Aquabasilea bietet für jeden etwas.

Ob Entspannung oder Action: Das Aquabasilea bietet für jeden etwas.

Das Freizeitbad Aquqbasilea in Pratteln investiert 5,5 Millionen, weil die Besucher fehlen: Wir machten den Selbstversuch.

Es herrscht Totenstille in dem riesigen Umkleideraum, um 18 Uhr ist keine Menschenseele zu sehen. Wenigstens keine nervige Fahrstuhlmusik.

An der Kasse sagte mir die Mitarbeiterin, dass heute besonders wenig los sei im Aquabasilea. Sie wisse auch nicht, warum. Laut Betreiber Andreas Schauer sind werktags 400 bis 500 Besucher da, manchmal auch nur 300. Diese Tage nennt der Deutsche dann «Volkstrauertag».

Am Wochenende bis zu 1500 Göste pro Tag

Vom Umkleideraum betrete ich erstmals den grossen Kuppelbau mit tropischen Temperaturen, das «Vitalbad», in dem sich in zwei grossen geschwungenen Becken ein Dutzend Badegäste tummeln. An den Wochenenden seien immerhin 1000 bis 1500 Gäste pro Tag da, wird Schauer sagen. Die gesetzte Zielmarke sind 450000 Besucher im Jahr.

Dafür hat Aquabasilea das Tarifsystem angepasst: Ab sofort gibt es Tarife für Kurzbesuche bis zu anderthalb Stunden in Elferkarten und Staffelungen ab zwei statt bisher drei Stunden.

Eine Macke hat das Tarifsystem aber offensichtlich noch: Zwei Stunden Freizeitbad kosten 20 Franken und vier Stunden 30 Franken. Wenn ich aber im Voraus nur zwei Stunden bezahle und bleibe vier, muss ich nachher 2 Franken pro halbe Stunde nachzahlen…

Für Action ist gesorgt

Vor dem grossen Becken hüpft ein Mann auf und ab, neben ihm ein Ghettoblaster. Vermutlich ein Fitnessanimateur; zumindest folgt eine Handvoll Gäste im Wasser seinen Bewegungen. Im Aussenbecken hat es eine gemütliche kleine Grotte; ein romantischer Ort für Zweisamkeit. Tatsächlich scheuche ich dort ein junges Liebespärchen auf.

Genug der Müssigkeit! Mich verlangt es nun nach Action; und die vielen bunten Plastikröhren im Erlebnisbad mit einer Gesamtlänge von 800 Metern sehen sehr vielversprechend aus.

Und ich werde nicht enttäuscht: 60 Stundenkilometer im freien Fall in der dunklen Plastikröhre «Extrême», das ist besser als der Europapark, zumal man hier nie anstehen muss. Rutschen haben laut Schauer von allen Wasserattraktionen den höchsten «Anziehungskreis» von anderthalb Stunden.

So etwas kann man heute berechnen: Wegen Thermalbädern nehmen die Leute hingegen eine Fahrtzeit von höchstens 40 Minuten in Kauf. Von den 5,5 Millionen Franken, die Aquabasilea nächstes Jahr investieren will, werden deshalb auch neue Rutschen gebaut. «Vielleicht auch eine Loopingrutsche», wird Schauer ankündigen. Ausserdem sollen die kleinsten Besucher ein «Spritzparadies» erhalten.

Platz hat es genug

Nachdem ich mich ausgerutscht habe, möchte ich die Strandliegen im Kuppelbau ausprobieren. Ich liege sehr bequem und lese vier Kapitel in Stephen Kings «Dunklem Turm», während der Animateur noch immer auf und ab springt. «Das Bad ist sehr grosszügig und raumhaltig», wird Bäderfachmann Rudolf Wienands sagen.

Das stimmt: Platz hat es genug. Wo ich jetzt liege, soll im nächsten Sommer der Schweiz grösstes Hammam stehen. Auch für die älteren Mitbürger will Aquabasilea attraktiver werden. Im Spa- und Saunabereich spielt Gesundheit eine grosse Rolle.

Hinter dem schönen Wort «Spa» verbirgt sich in jedem Land etwas anderes: Neugierig betrete ich den grossen Raum mit den vielen Liegen. Nur ein Gast ist ausser mir zu sehen.

Es ist sehr ruhig. Das gehöre sich so, erzählt mir eine Dame, offensichtlich eine Masseurin: ich befände mich in einem Ruheraum. Die Massagen müsse man allerdings vorbestellen. Neben dem Spa ist der Fitnessraum gut besucht: Gut dreissig Frauen und Männer strampeln auf ihren Velos.

Sauna-Landschaft lässt wenig Wünsche offen

Schliesslich komme ich in die Sauna. Das Angebot ist sehr gross: Die verschiedenen Dampfbäder, Saunen, Erlebnisduschen und die Aussenbecken teile ich mir mit etwa zwanzig anderen Gästen.

Viele der grossen finnischen Saunen heizen allerdings alleine vor sich hin. Der «Saunagarten» im Aussengelände mit seinen Palmen und dem riesigen Werktor erinnert mich etwas an das Raptorengehege aus «Jurassic Park». Er soll laut Fachmann Wienands zum «Saunadorf» umgebaut werden.

Im Aromabad «Bergbrise» spreche ich einen Schweizer Gast an, der das zweite Mal im Aquabasilea ist. Vor drei Wochen am Sonntag sei auch wenig los gewesen in der Sauna, meint er.

Vielleicht, weil es so teuer sei. Ich sei doch Deutscher, warum ich nicht ins Laguna gehe? Betreiber Schauer wird dazu sagen, dass das Aquabasilea preislich nicht mit einem kommunal subventionierten Bad konkurrieren könne: «Da wollen wir auch gar nicht dagegenhalten. Wir setzen mit unserem Angebot auf ein anderes Zielpublikum.» Das Rheinfeldener «Sole Uno» fische aber auf demselben Markt. Hier will Aquabasilea mit einem Solebecken nachziehen.

In der Sauna sind ohrenscheinlich viele Besucher aus Norddeutschland. Vielleicht sind es Hotelgäste. Ich frage drei junge Männer im Jacuzzi danach.

Das sprudelnde Wasser ist zu laut; sie verstehen mich nicht richtig. «Was will der?», fragt der eine. «Ich glaube, der ist schwul. Der wollte wissen, ob du mit ihm im Hotel übernachten willst», sagt der andere. Lassen wir das. Tatsächlich will Aquabasilea in Kooperation mit dem benachbarten Hotel durch Wochenend-Angebote für Familien seinen geografischen Kundenradius erweitern.

Als ich kurz nach neun wieder durch den Kuppelbau in die Umkleide zurückgehe, sehe ich dort nur noch zwei Bademeister. In Zukunft wird die Sauna bis 23 Uhr offen haben, wochenends bis 24 Uhr. Damit käme Aquabasilea auch mir entgegen: Nach dreieinhalb Stunden Rutschen und Saunieren bin ich völlig platt; und der Abend ist gelaufen.

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