Feuerwehr

Zunder auf dem Land: Nur noch drei Feuerwehren im ganzen Baselbiet

Schritt Richtung Zentralisierung: 2017 durften die Stützpunktfeuerwehren Laufen und Sissach – und nur sie – zwei teure Hubretter in Empfang nehmen. Bezahlt von der Gebäudeversicherung und angeschrieben mit «Feuerwehr Basel-Landschaft».

Schritt Richtung Zentralisierung: 2017 durften die Stützpunktfeuerwehren Laufen und Sissach – und nur sie – zwei teure Hubretter in Empfang nehmen. Bezahlt von der Gebäudeversicherung und angeschrieben mit «Feuerwehr Basel-Landschaft».

Dieser Entscheid der Regierung birgt Zunder: Die Feuerwehren sind künftig nicht mehr Sache der Gemeinden. In Zukunft sollen nur noch drei grosse Regionalfeuerwehren übrig bleiben.

Bei der Organisation der Feuerwehren im Kanton bleibt kein Stein auf dem anderen. So will die Baselbieter Regierung die Führung des Feuerwehrwesens bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV) zentralisieren. Die Trägerschaft obliegt künftig dem Kanton. Von den derzeit 42 kommunalen Feuerwehr-Organisationen – davon 20 Ortsfeuerwehren und 22 Verbünde – sollen nach dem Willen der Regierung noch drei grosse Regionalfeuerwehren übrig bleiben. Das runde Dutzend Betriebsfeuerwehren ist von der Reform vorerst nicht betroffen. Das heutige Milizsystem wird im Grundsatz erhalten; eine Teilprofessionalisierung sorgt dafür, dass in jeder Einheit einige vollamtliche Feuerwehrleute angestellt werden, die Kleinsteinsätze tagsüber in Eigenregie leisten.

«Feuerwehren ins 21. Jahrhundert führen»

Die Einschnitte werden für manchen Baselbieter Pompier schmerzhaft sein. «Doch wir müssen wegkommen von der heutigen Kommunalstruktur und die Feuerwehren ins 21. Jahrhundert führen», sagt der kantonale Feuerwehrinspektor Werner Stampfli. Ob am Schluss des politischen Prozesses nun drei, vier oder fünf Feuerwehren resultierten, sei zweitrangig.

«Wichtig ist, dass deren Zahl massivst nach unten korrigiert wird.» Zudem könne ein Grossverbund auch Aussenstandorte haben, erklärt Stampfli und führt ein Beispiel an: So sei im Oberbaselbiet eine Regionalfeuerwehr mit Stützpunkt in Sissach oder Gelterkinden denkbar, die in einer kleinen und entfernten Gemeinde ein weiteres Magazin führe. Auch bereits bestehende, geografisch relativ grosse Verbünde werden zu noch grösseren Einheiten zusammengelegt. Dank eines wesentlich geringeren Material- und Personalaufwands sollen gegenüber heute 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten eingespart werden.

Wirtschaftlichkeit und Effizienz seien immer ein Thema, kommentiert der Baselbieter Finanzdirektor Anton Lauber. «Die Kostenfrage stand aber nicht am Ursprung des Reformprojekts.» Zentral sei, die Sicherheitsdienstleistung an die Bevölkerung langfristig gewährleisten zu können, sagt Lauber. Die Einsatzfähigkeit sei nämlich bei einigen Feuerwehren tagsüber bereits heute infrage gestellt, bei anderen Organisationen könnte sich das Problem in den kommenden Jahren abzeichnen, fügt Feuerwehrinspektor Stampfli an. «Etwas müssen wir unbedingt verhindern: Dass es irgendwo brennt, und die involvierten Feuerwehren ihren Auftrag nicht standesgemäss wahrnehmen können», betont Stampfli.

Laut dem Feuerwehrinspektor ist der strategische Auftrag der Regierung mit dem gestrigen Beschluss erteilt; daran lässt sich nun nicht mehr rütteln. «Ob die Reform kommt oder nicht – diese Diskussion hat sich nun erübrigt», stellt er klar. Etliche weitere Eckpunkte und Details sind hingegen Gegenstand der nun folgenden Diskussionen und Verhandlungen mit den Gemeinden und den Feuerwehrkommandanten. Dazu zählt etwa die Frage, ob die vollamtlichen Feuerwehrleute von den einzelnen Verbünden oder von der BGV angestellt werden. Diese nächste Projektphase dauert bis ins Jahr 2022. Bis wann die Reform umgesetzt wird, ist noch unklar. Der Projektname «Feuerwehr 2025+» gibt zumindest eine Orientierung.

Erwartungshaltung der Bevölkerung nimmt zu

Baselland steht mit den anvisierten Neuerungen nicht alleine da. Bereits umgesetzt ist eine solche in der Waadt, einen ähnlichen Weg mit einer Teilprofessionalisierung der Feuerwehr will auch der Kanton Zürich einschlagen. Auslöser der Reformen sind sowohl gesellschaftliche als auch technologische Entwicklungen. So nimmt die individuelle Bereitschaft, freiwilligen Feuerwehrdienst zu leisten, in vielen Gemeinden ab, demgegenüber die Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Leistungen der Feuerwehren laufend zu. Weil immer weniger Menschen dort arbeiten, wo sie auch wohnen und folglich feuerwehrpflichtig sind, ist die Einsatzfähigkeit vieler Einheiten tagsüber infrage gestellt. Umgekehrt nimmt die Komplexität der Einsätze zu, ebenso die Anforderungen an Schulung und Fachwissen der Feuerwehrleute.

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