Leimental

Zusammen entzweit: Flüh fühlt sich von Hofstetten abgehängt

Flüh hat mit 1000 Einwohnern etwa halb so viele Einwohner wie das grössere Hofstetten.

Flüh hat mit 1000 Einwohnern etwa halb so viele Einwohner wie das grössere Hofstetten.

Flüh und Hofstetten bilden gemeinsam eine politische Gemeinde. Wirklich vereint sind die beiden Ortsteile jedoch nicht.

Früher hiess die grösste Gemeinde im Solothurnischen Leimental einfach Hofstetten. 1985 entschlossen sich die Zuständigen, den im Tal liegenden Ortsteil Flüh auch in den Dorfnamen zu integrieren. Seither nennt sich die Ortschaft mit 3000 Einwohnerinnen und Einwohnern Hofstetten-Flüh.

Für einige Bewohner von Flüh fühlt es sich aber immer noch so an, als würde man nicht richtig dazugehören. Zwar hat der kleinere Ortsteil mit der Tram-Anbindung und mehreren hervorragenden Beizen einiges zu bieten. Trotzdem blickt der eine oder die andere etwas neidisch auf die Höhe nach Hofstetten. Das politische und gesellschaftliche Leben spielt sich vor allem im grösseren Gemeindeteil ab.

Von den sieben Gemeinderäten wohnt nur einer in Flüh

In Flüh leben rund 1000 Einwohner, in Hofstetten sind es deren 2000. Dem siebenköpfigen Gemeinderat von Hofstetten-Flüh gehört in der aktuellen Amtsperiode jedoch nur ein Mitglied an, das in Flüh wohnt. Auch in den Gemeindekommissionen sind Personen aus Hofstetten klar in der Überzahl. Das soll sich in Zukunft ändern: «Wir möchten versuchen, Leute zu motivieren, sich in der Gemeinde zu engagieren», sagt Eveline Heim. Die Flühnerin hat die IG Flüh ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, die Anliegen der Einwohnerschaft stärker vertreten zu können.

Aufgrund der schwachen Repräsentation im Politbetrieb hat sich bei Einwohnern von Flüh das Gefühl breitgemacht, dass über ihren Kopf hinweg entschieden werde. Das Vorhaben von Sterbehelferin Erika Preisig, Freitodbegleitungen in einem Gewerbegebiet in Flüh durchzuführen, führte zur Gründung der IG Flüh. Obwohl das geplante Projekt scheiterte, da Preisig das Haus nicht kaufen konnte, hat Initiantin Heim nicht vor, die IG wieder aufzugeben. Denn: «In Flüh fehlt es an einem Versammlungsraum, Treffs, Anlässen und Aktivitäten. Dies wäre sehr wichtig für eine aktive Gemeinschaft.»

Eine in diesem Frühling angesetzte erste Versammlung der IG Flüh musste wegen Corona abgesagt werden. Am Mittwoch wurde der Termin in der ökumenischen Kirche Flüh nun nachgeholt. Aufgerufen zur Versammlung hatte Heim im Dorfblatt von Hofstetten-Flüh und über die sozialen Medien. Rund 30 Einwohnerinnen und Einwohner, die allermeisten davon aus Flüh, waren der Einladung gefolgt. Entschieden, ob aus der IG ein Verein, eine Partei oder eine einfache Gesellschaft werden soll, wurde an der Versammlung noch nicht. Die Themen, die den Anwesenden am stärksten unter den Nägeln brennen, waren nach einer Ideensammlung jedoch schnell klar: die politische Mitbestimmung von Flüh im Dorf, die Gleichberechtigung der beiden Ortsteile und die laufende Ortsplanrevision.

Als Nächstes hat die IG vor, dem Gemeinderat die Ergebnisse der Versammlung vorzulegen. «Der Rat soll Stellung zu den Resultaten nehmen», sagt Eveline Heim. «Ebenso werden wir Kontakt mit dem Solothurner Amt für Gemeinden aufnehmen und uns für das weitere Vorgehen beraten lassen.» Dort begrüsst Reto Bähler, Leiter Gemeindeorganisation, den angedachten Austausch der IG mit der Exekutive von Hofstetten-Flüh. Er empfiehlt, dass die Verantwortlichen in der Schwarzbuben-Gemeinde das Gespräch miteinander suchen sollten.

Auf der Gemeindeverwaltung, die sich wie andere Institutionen in Hofstetten befindet, ist man gespannt auf das Treffen. Der parteilose Gemeindepräsident Felix Schenker betrachtet die IG Flüh nicht als Gefahr, sondern als Chance, wie er erklärt. «In der Vergangenheit partizipierten die Einwohnerinnen und Einwohner von Flüh oftmals wenig am politischen Leben. Vielleicht ändert sich das in Zukunft. Wir fänden das gut.» Niemand in Hofstetten wolle den Ortsteil Flüh verlieren. Wenn die Flühner mehr mitbestimmen könnten, seien sie zufriedener, wovon letztlich das gesamte Dorf profitiere.

Gewerbetreibende in Flüh, Wohnraum in Hofstetten

Dass grosse Unterschiede zwischen Flüh und Hofstetten bestehen, stellt der Gemeindepräsident nicht in Abrede. «Man muss das historisch anschauen: Wegen der Birsigtalbahn siedelte sich in Flüh viel Gewerbe an. Hofstetten ist hingegen eher ein Wohndorf, in dem zahlreiche Alteingesessene leben.» In den letzten Jahrzehnten hätten sich die beiden Ortsteile jedoch stärker angeglichen. «Sowohl Flüh als auch Hofstetten sind stark gewachsen.» Das kleinere Flüh habe stark an Wohnraum zulegen können.

Dank der eher mit dem Ortsteil Hofstetten verwurzelten Einwohnerschaft stellt Felix Schenker dort ein stärkeres Dorfgefühl fest als in Flüh. Ob dem tatsächlich so ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die IG Flüh hat auf jeden Fall vor, mit vielen Aktiven das Gegenteil zu beweisen.

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