Sissach

Zwei Drittel wählen den Aussenseiter

Gieri Bluemthal setzte sich gegen Oliver Sutter (r.) durch

Gieri Bluemthal setzte sich gegen Oliver Sutter (r.) durch

Was mit Oliver Sutter als Ein-Mann-Show begonnen hat, kulminierte gestern genau darin: einer Ein-Mann-Show – allerdings mit dem besseren Ausgang für Gieri Blumenthal. SVP-Mann Sutter schaute in die Röhre.

«Jetzt kann die Demokratie spielen», hatte der 58-jährige Gieri Blumenthal noch am Freitag gesagt. Und die Demokratie, die spielte in der Tat. Zwar nur mit einer Stimmbeteiligung von weniger als 25 Prozent. Ihm spielte sie aber den frei gewordenen Gemeinderatssitz von Christine Kilchhofer zu.

Eigentlich war Blumenthal ja nur angetreten, «damit die Sissacher Bevölkerung überhaupt eine Wahl hat». Dass die SVP und mit ihr die Bürgerlichen Sissach mit dem jungen und politisch unerfahrenen Oliver Sutter nur einen Kandidaten nominierte, empfand nicht nur Blumenthal als falsch: «Ich bin erfreut, dass meine Interpretation eines Wahlvorgangs – dass es nämlich zumindest zwei Kandidaten benötigt – von der Bevölkerung wahrgenommen wurde.»

Bürgerliche Wurzeln

Die Wahl des parteilosen Blumenthal bedeutet allerdings nicht unbedingt einen Linksrutsch im Sissacher Gemeinderat. Zwar gehörte die scheidende Kilchhofer der SVP an und Blumenthal wurde im Wahlkampf von der SP sekundiert. Er selbst sieht seine Wurzeln allerdings zweifelsohne im Bürgerlichen.

Er selbst ist überwältigt vom guten Wahlergebnis, das er in dieser Deutlichkeit mit 690 zu 358 Stimmen nicht erwartet hatte. «Ich spürte schon im Vorfeld, dass ich einem gewissen Unbehagen in der Bevölkerung Rechnung trug», so Blumenthal. Er sei darum davon ausgegangen, gute Chancen zu haben: «Zu erwarten, tatsächlich gewählt zu werden, wäre aber vermessen gewesen.» Blumenthal legt grossen Wert auf ein star-kes Gemeinwesen. Seine Wahl beschreibt er als «grossen Ansporn und riesige Verpflichtung».

«Riesige Verpflichtung»

Unklar bleibt noch die Verteilung der Behörden. Weil bereits im kommenden März die regulären Wahlen im Gemeinderat anstehen, wird Blumenthal wahrscheinlich die frei werdende Schulbehörde übernehmen. Er ist zwar als Treuhänder ausgewiesener Finanzexperte; diese Charge ist in Sissach jedoch traditionell in der Hand des Präsidenten.

Verlierer Sutter nimmt Volkes Wille indes gelassen: «Enttäuschend ist weniger das Resultat als die tiefe Stimmbeteiligung; die ist ziemlich schwach.» Der junge SVPler sieht es als Nachteil, «dass ich nicht so bekannt und erfahren bin». Mit Blumenthal als Gemeinderat könne er gut leben; er habe einen guten Charakter: «Politisch ticken wir gar nicht so unterschiedlich.» An den Wahlen im März will Sutter jedenfalls «wieder voll da sein».

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