Crowdfunding

Zwei Filme haben auf der BLKB-Site ihr Spendenziel erreicht

Die beiden Baselbieter Filme haben bereits lange vor dem Termin das Spendenziel erreicht.

Die beiden Baselbieter Filme haben bereits lange vor dem Termin das Spendenziel erreicht.

Die beiden Filme «S’ Gheimnis vo Ammel» und «Doug & Walter» haben auf der Crowfunding-Plattform der Basellandschafltichen Kantonalbank ihr Spendenziel erreicht.

«Das Echo hat mich überrascht. Ich wurde sogar auf der Strasse darauf angesprochen», berichtet Cynthia Coray. Ihr Film «S’ Gheimnis vo Ammel» hat zusammen mit dem Film «Doug & Walter» von Samuel Morris auf der Crowfunding-Plattform der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) ihr Spendenziel erreicht: Der Ammeler Mystery-Krimi hatte auf «miteinander-erfolgreich.ch» gestern Nachmittag 37 Tage vor Schluss mit 8300 Franken das Spendenziel um 14 Prozent übertroffen. Morris`Roadmovie lag mit 15'660 Franken 32 Tage vor Schluss 4 Prozent über der selbst gesteckten Zielmarke: Wer diese nicht knackt, bekommt nämlich nichts und das Geld geht zurück an die Spender. «Das Netzwerk ist extrem wichtig», beschreibt Morris den Schlüssel zum Erfolg. «Bekommt ein Projekt auf Facebook viele Likes, schauen sich Leute das genauer an.»

Dass die Schwarmfinanzierung vor allem im Umfeld für Spenden aus dem Umfeld sorgt, zeigt auch Corays «Gheimnis»: Rund ein Dutzend der Unterstützerinnen kommen aus ihrem Wohnort Tecknau. «Ich gelte im Dorf als spezieller Vogel, aber sie wissen, dass ich etwas auch durchziehe, wenn ichs anpacke.» Dass für den von der Kulturkommission Anwil unterstützten Film nur zwei Beiträge per Crowdfunding aus Anwil kommen, ist für Coray klar: «Im Dorf arbeiten rund 60 Personen engagiert für den Film. Dies ist ihr Beitrag.»

TV-Berühmtheit allein genügt nicht

Den Faktor «aktive Bewirtschaftung des Netzwerks» unterschätzten die «Bieranjas» zuerst. Die nordwestschweizer Brassband hatte kurz vor dem Start des BLKB-Crowdfundings TV-Auftritte in «Kampf der Orchester» und war das Flaggschiffprojekt des neuen BLKB-Geschäftsfelds. Deshalb dachten die Musiker, die 20'000 Franken für ihre neue CD kämen leicht zusammen. «Doch über Weihnachten versiegten die Spenden», berichtet Trompeter Urs Hasler. Erst als sie Ende Januar ein Event auf die Beine stellten und mit E-Mails nachdoppelten, kam wieder Bewegung in die Sache. Gestern hatten die Bieranjas 29 Tage vor Schluss mit 14'553 Franken 72 Prozent des Ziels erreicht. Und wenn die angestrebten 20'000 Franken nicht zusammenkommen? «Was wir schon auf dem Konto haben, lassen wir uns nicht mehr entgehen», meint Hasler. «Wir haben dafür eine Strategie.»

Im Notfall etwas nachhelfen

Wie eine solche Strategie aussieht, erfährt man bei «Traktorkestar»: Die Berner Balkan-Brassband, möchte 3000 Franken und hatte bis gestern nur einen Unterstützer, der aber gleich 1500 Franken locker macht und dafür die Belohnung «privates Kurzkonzert» in Anspruch nimmt.

Grund der kuriosen Situation: Swisscom betreibt als Partner der BLKB die technische Plattform und wollte Ende Januar das neue Geschäftsfeld ihrem Kader vorstellen. Kurzfristig luden sie die Bieranjas nach Lausanne ein. Doch der Termin überkreuzte sich mit deren Auftritt für die Crowdfunding-Mobilisierung.

So musste sich Swisscom nach einem Ersatz-Beispiel umschauen und stiess auf Traktorkestar. Diese habe vor einem Jahr auf «wemakeit.ch», von wo die Swisscom-Software stammt, 14'800 Franken gesammelt. «Wir wollten deshalb unsere Fans nicht schon wieder mit einem Spendenaufruf behelligen», berichtet Bandleader Balthasar Streit. Doch nun setzten sie rasch die Idee eines Remix ihrer bisherigen CDs auf «miteinander-erfolgreich.ch» und lieferten vor dem Swisscom-Kader das private Kurzkonzert ab. So konnte Swisscom live demonstrieren, wie das Spenden auf einer Crowdfunding-Website funktioniert. Die 1500 Franken sind also eigentlich Traktorkestars Gage für den Kurz-Gig. «Keine Angst, wir kommen da ran, denn wir haben noch ein paar Freunde, die eh etwas spenden wollten», beruhigt Streit.

BLKB will damit auch verdienen

Dass Projektgruppen notfalls nachhelfen, um ihr Ziel zu erreichen, dürfte der BLKB recht sein: Je mehr Projekte Erfolg haben, desto besser wird der Ruf ihrer Crowdfunding-Site. Zudem bekommt die BLKB bei einem erfolgreichen Projekt 10 Prozent der gesammelten Summe für den Betrieb der Website und den Zahlungsverkehr. Wird das Ziel nicht erreicht, gehen nicht nur die Spenden an die Unterstützer zurück, sondern auch die BLKB bleibt auf ihren Kosten sitzen.

«Als Bank wollen wir mittelfristig mit Crowdfunding Geld verdienen», erklärt BLKB-Sprecher Christoph Loeb. Zudem gehe es darum, im sich rasch ändernden Umfeld am Ball zu bleiben: «Unsere Konkurrenten sind heute nicht mehr nur die anderen Banken, sondern neue Akteure, die neue Finanzierungsformen entwickeln.»

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