Unfall

Zwei Jahre bedingt für mehrfache fahrlässige Körperverletzung

Das Strafgericht verurteilt den Mann, der nach seiner Schleuderfahrt im Juli 2009 zwei Fussgänger verletzte,  wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 24 Monaten. (Archiv)

Das Strafgericht verurteilt den Mann, der nach seiner Schleuderfahrt im Juli 2009 zwei Fussgänger verletzte, wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 24 Monaten. (Archiv)

Das Strafgericht verurteilt den Mann, der nach seiner Schleuderfahrt im Juli 2009 zwei Fussgänger verletzte, wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 24 Monaten.

Der heute 28-jährige Mann war im Sommer 2009 vom Stockbrunnenrain her links in die Binningerstrasse eingebogen, nach der Stoppstrasse geriet er bereits ins Schleudern, beschleunigte aber weiter und geriet 20 Meter weiter auf das Trottoir: Dort donnerte das Heck seines auf über 330 PS aufgemotzten Mitsubishi Lancer Evo seitlich in zwei Fussgänger.
Insbesondere eine 34-jährige Frau wurde dabei an den Beinen schwer verletzt, sie verfolgte den Prozess im Rollstuhl.

Keine eventualvorsätzliche Tötung

Der Staatsanwalt hatte wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren gefordert, doch davon wollten die fünf Richter nichts wissen. Gerichtspräsident Adrian Jent zitierte als Vergleich diverse Raserunfälle wie etwa jenen von Hochdorf, bei dem sich zwei Männer innerorts bei Tempo 120 ein Rennen geliefert hatten. «Anhand dieser Vergleichswerte muss man zum Schluss kommen, dass sich diese Fälle in einer völlig anderen Liga bewegen, als das, was dem Beschuldigten nachgewiesen werden kann», erklärte Jent.

Es handle sich hier auch nicht um einen Raserunfall, es sei nämlich eine Geschwindigkeit von höchstens 40 Stundenkilometern nachgewiesen worden. Der Angeschuldigte hatte während der Verhandlung stereotyp gesagt, eine Halbliter-Petflasche habe ihm die Pedale blockiert, dann habe er falsch reagiert und die Handbremse gezogen. Die technischen Experten verwiesen diese Aussage aber ins Reich der Märchen, es sei jederzeit möglich gewesen, das Auto unter Kontrolle zu bringen. «Es ist erbärmlich, sich in dieser Art und Weise hinter einer Petflasche zu verstecken», sagte ihm gestern auch Adrian Jent.

Regelmässig zum Psychologen

Es handle sich klarerweise um einen sehr schweren Fall von mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung. Das Gericht folgte damit den Argumenten des Verteidigers, dieser hatte allerdings lediglich 18 Monate gefordert.

Der 28-Jährige befindet sich noch in einer Ausbildung, er hatte das Gebrauchtauto für rund 30 000 Franken gekauft und «wegen des Brummens» eine andere Auspuffanlage montieren lassen. «Es ist erstaunlich, dass ein derartiges Tunen von Fahrzeugen in der Schweiz überhaupt erlaubt ist. Es wäre angezeigt, das zu überdenken», kommentierte Gerichtspräsident Jent. Das Urteil kann noch weitergezogen werden. Derzeit ist der Mann seinen Führerschein los, geht aber regelmässig zum Verkehrspsychologen, um ihn wieder zu erhalten. Das Auto will er reparieren und dann verkaufen. (rud)

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