Kantonsspital Baselland

Zwei Standorte zementiert – Neubau frühestens in 30 Jahren

Die Zukunft des Kantonsspitals Baselland liegt – zumindest vorerst – nicht in einem Neubau. Heute präsentierte die Baselbieter Regierung, für welche Strategie sie sich entschieden hat. Es ist jene, die auch vom Verwaltungsrat des KSBL favorisiert wurde: Man will auf die beiden bestehenden Standorte Liestal und Bruderholz setzen, Laufen wird wie bereits angekündigt zum ambulanten Gesundheitszentrum.

Das Basler Nein zur Fusion des Kantonsspitals Baselland (KSBL) mit dem Universitätsspital löste Existenzängste aus, die Unsicherheit am KSBL war gross. Seit gestern steht fest, welchen Weg es nimmt, um im umkämpften Gesundheitsmarkt zu bestehen. Gleich drei Baselbieter Regierungsräte und zwei KSBL-Verwaltungsräte luden zur Medienkonferenz, um die favorisierte Strategie zu präsentieren.

Forschen Forderungen nach einem sofortigen Neubau, der die drei bisherigen KSBL-Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen ersetzt, erteilten die Anwesenden eine Absage. Unter dem Projektnamen «Fokus» bleiben Liestal und Bruderholz als Spitäler mit stationärem Angebot erhalten. Liestal wird als Herz des KSBL gestärkt, die erweiterte Grundversorgung mit 24-Stunden-Notfall und ambulantem Zentrum bleibt erhalten. Die letzten beiden Punkte soll auch das Bruderholz weiter bieten. Ansonsten wird das Angebot dort aber auf Orthopädie, Rehabilitation und Altersmedizin reduziert. Der Standort Laufen wird wie vor Wochenfrist angekündigt zu einem ambulanten Gesundheitszentrum mit eingeschränktem 24-Stunden-Notfall.

Etwas wurde gestern klar: Auch wenn der Landrat nochmals eine Grundsatzdebatte führen und den Variantenfächer öffnen könnte, dürfte das Projekt «Fokus» Realität werden. «Wir haben die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission (VGK) in die Entscheidungsfindung miteinbezogen und von Anfang an voll dokumentiert, was unüblich ist», sagte Regierungspräsident Isaac Reber. Das Ergebnis: Die Strategie wird von der VGK unterstützt – einstimmig. Das bedeutet, dass auch im Parlament eine klare Mehrheit erwartet werden darf.

Landrat muss Darlehen über 153 Millionen Franken umwandeln

Schon Ende Monat wird der Landrat darüber befinden, ob er die zwei Darlehen, die der Kanton dem KSBL im Rahmen der Verselbstständigung 2012 gewährt hatte, in frei verfügbares Dotationskapital umwandelt. Es geht um 153 Millionen Franken. «Das ist die notwendige Voraussetzung, um die Strategie umzusetzen», sagte Gesundheitsdirektor Thomas Weber. Finanzdirektor Anton Lauber ergänzte, dass es sich um einen saldoneutralen, buchhalterischen Akt handle. Mehrfach betonte die Regierung denn auch, dass es sonst keine finanziellen Zuschüsse des Kantons ans KSBL gebe.

Zentraler Neubau als «Generationenprojekt»

Gibt der Landrat grünes Licht, legt das KSBL 2020 mit der Umsetzung los. Die Verschiebungen der medizinischen Angebote sollen bis 2023 abgeschlossen sein. Die baulichen Massnahmen brauchen deutlich länger: In Liestal wird der erste, seit längerem geplante neue OP-Trakt 2026 bereitstehen, der zweite 2032. Bis 2028 wird am Bruderholz ein «modularer Teilneubau» realisiert, danach der marode Bettenturm zurückgebaut. Die Bettenzahl wird auf 150 halbiert. Eventuell kann das KSBL durch die Redimensionierung lukratives Land an den Kanton zurückgeben. Um diese Schritte selbst finanzieren zu können, plant das KSBL, rund 400 Millionen Franken auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen. Laut Verwaltungsrat Philipp Hammel wären demgegenüber 600 Millionen nötig, würde man eine Ein-Standort-Lösung in einem Neubau anvisieren: «Die Geldaufnahme wäre dann nicht mehr zu so günstigen Konditionen möglich.»

Überhaupt legten Regierung und KSBL Wert darauf, zu betonen, dass ein Neubau zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu stemmen wäre. Noch vor der Finanzierung wurde der Faktor Zeit als Hauptproblem genannt. «Die neue Spitalküche und der erste OP-Trakt in Liestal können nicht warten, bis ein Neubau steht», sagte Hammel.

Und doch ist ein Neubau nicht vom Tisch. Überraschend gehört zur Strategie, dass KSBL und Kanton sich auf ein «Generationenprojekt» vorbereiten. Ziel: Die dann gesunden Standorte Liestal und Bruderholz in einen Neubau an «noch zu definierendem Ort» zu überführen. Dazu sollen bald schon Areale gesichert werden. Reber: «Wir wollen uns alle Optionen offenhalten. Vielleicht ist in 30 Jahren ein Unispital Nordwest auf einem dieser Areale die beste Lösung für beide Basel.»

 

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«Irritation»und «Unverständnis» – aber auch Lob

Die Zwei-Standort-Strategie des Kantonsspitals ist kein grosser Wurf – darin sind sich Parteien und Verbände einig. Bei der Bewertung gehen die Meinungen aber auseinander.

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