Explosion mit Brand in einer Chemiefabrik in der Baselbieter Gemeinde Pratteln. Die dichten Rauchwolken rufen Erinnerungen wach – vom Schweizerhalle-Brand 1986 bis zu den Säurewolken über CABB vor fünf Jahren. Zudem ist die Rohner Chem umgeben von Wohnquartieren und steht unmittelbar an der Bahnline Basel – Olten. Entsprechend gross ist das Aufgebot, das der Kantonale Krisenstab Baselland einsetzt: «140 Einsatz- und Rettungskräfte» seien vor Ort, meldet das Schadenplatzkommando.

Explosion in Prattler Chemiebetrieb fordert zwei Verletzte

Explosion in Prattler Chemiebetrieb fordert zwei Verletzte

Am Dienstagmorgen ist es in der Chemiefabrik Rohner in Pratteln zu einer Explosion gekommen. Gemäss den bisherigen Erkenntnissen wurden dabei zwei Personen verletzt.

Glück im Unglück

Vor dem Coop im Bahnhof Pratteln ein Mann und eine Frau mit weissem Helm und Chemiewehr-Uniform, einem gelben Kasten und Laptop, auf dem eine Grafik einen spitzen Peak zeigt. Nicht einmal, ob sie Luftwerte messen, wollen sie sagen. Später wird es im Communiqué heissen, alle Messergebnisse seien unbedenklich: «Ausserhalb des Gebäudes bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mensch und Umwelt.»

Also Glück im Unglück für die Anwohner – und auch die beiden Verletzten: Die eine Person sei leicht verletzt und in ärztlicher Obhut, die zweite habe Verbrennungen zweiten Grades erlitten und sei im Spital, gibt Daniel Pedrett, CEO der Rohner AG, später Auskunft. Dass die Verletzungen der beiden Angestellten nicht schlimmer sind, erscheint angesichts des Schadenbilds ein Wunder.

Übermanngrosse Fassadenteile wurden durch den Vorgarten, wo sie Büsche knicken, über die breite Güterstrasse bis auf die Bahngleise geschleudert: Die Wucht der Explosion im Erdgeschoss, die um 8.15 Uhr Pratteln erschütterte, war heftig. Der Personenverkehr war nur leicht betroffen: Eine S-Bahn der Linie S 3 fiel aus. Zwei Rangiergleise mussten dagegen gesperrt werden.

Den anschliessenden Brand, der auch die oberen Stockwerke des Gebäudes in Mitleidenschaft zog, hatte die Feuerwehr rasch unter Kontrolle. Noch um die Mittagszeit wirbelt der Wind weisse LöschschaumFetzen in die Höhe, als CEO Daniel Pedrett an der Abschrankung Red und Antwort steht: Die Explosion sei nicht in der eigentlichen Produktion des Pharma-Wirkstoffs erfolgt. Vielmehr würden in diesem Teil des Gebäudes die Abfallstoffe behandelt, die bei der Herstellung anfallen.

Chemiewerk-Explosion

Chemiewerk-Explosion

Ein lauter Knall erschütterte heute Morgen die Bevölkerung in Pratteln. Grund dafür war eine Explosion mit anschliessendem Brand in einem Chemiewerk.

Explosionsursache noch offen

Ob eine Fehlmanipulation oder ein technisches Problem zum Knall geführt hat, könne man erst sagen, wenn die zwei Verletzten befragt wurden und die Ermittler für die Spurensicherung bis zum Explosionsort vorstossen können, berichtet Pedrett. Auch welche Einrichtungen ausser der Fassade beschädigt wurden und wie hoch der Schaden zu beziffern sei, werde sich erst später klären. Trotzdem war neben Feuerwehr, ABC-Wehr, Krisenstab, Sanität, Zivilschutz, Polizei, Staatsanwaltschaft und SBB-Vertretern auch bereits die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung vor Ort.

Gemäss Einschätzung der Behörden ist das Gebäude nicht einsturzgefährdet. Gegenüber der Nachrichtenagentur SDA äusserte Pedrett, im betroffenen Bau wer-de nur eine Substanz hergestellt. Im zweiten Produktionsgebäude werde Rohner Chem die Produktion aller anderen Stoffe weiterführen.

Die Rohner AG wurde vor 110 Jahren gegründet. 230 Angestellte stellen in Pratteln chemische Substanzen für Pharma- und Agrarchemie, Kosmetika, Nahrungsmittelindustrie, Elektronik und Druckgewerbe her. Die Abwärme wird für Fernheizungen verwertet.