Pratteln

Zwischenfall nach FCB-Match: «Können Sie den Chaoten sagen, dass sie nicht ganz dicht sind?»

Obwohl die Polizei diesmal die FCZ-Chaoten in Schach halten konnte, bleibt die politische Diskussion gegenwärtig.

«Chapeau», sagt Urs Hess. Der Prattler Gemeinderat windet der Baselbieter Kantonspolizei für ihren Einsatz vom Mittwochabend ein Kränzchen. Zum wiederholten Mal hatten FC Zürich-Chaoten im Prattler Bahnhof die Notbremse gezogen. Erinnerungen an das Zürcher Gastspiel von vergangenem September wurden wach: Damals hatten rund 100 FCZ-Anhänger den Prattler Bahnhofsplatz gestürmt und einen Sachschaden von rund einer Viertelmillion Franken verursacht.

Der Vorfall beim Nachtragsspiel vom Mittwochabend ging vergleichsweise glimpflich aus. Ein Video und Angaben der Polizei belegen: Kurz vor 21.30 Uhr stürmen rund 30 FCZ-Chaoten im hinteren Teil des Bahnhofs über die Geleise. Es kommt zu kurzen Auseinandersetzungen. Die dunkel gekleideten Zürcher greifen dabei zwei Personen mit weissen Pullovern an. Doch im Gegensatz zu den schwerwiegenden Ereignissen im September hat die Polizei die Lage stets unter Kontrolle. Sie drängt die Chaoten in den Zug zurück. Der Bahnverkehr ist für ungefähr 20 Minuten unterbrochen. Zu Festnahmen kommt es nicht.

Eitel Sonnenschein am Folgetag

Tags darauf sind in Pratteln keine Spuren des Zwischenfalls zu sehen. Urs Hess, Leiter des Departements für öffentliche Sicherheit im Prattler Gemeinderat, ist erleichtert. «Es hat keine Sachbeschädigungen gegeben. Diese sind für das Gewerbe und die Anwohner nicht tragbar.»

Der Coiffeur im Salon Richstone sagt nur: «Können Sie diesen Chaoten nicht mal sagen, dass sie nicht ganz dicht sind?» Ein Angestellter im Sutter Begg sagt, abgesehen vom grossen Polizeiaufgebot habe er diesmal vom Vorfall nichts bemerkt.

Im vergangenen Herbst forderte Urs Hess energisch ein rigoroseres Eingreifen der Polizei. Und der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder setzt sich dafür ein, dass Politik und Klubs die «Wirkungsmöglichkeit der Täter» minimieren. SVP-Nationalrat Thomas de Courten reicht daraufhin in Bundesbern eine Interpellation ein. Doch der Bundesrat sieht in seiner Antwort keinen zusätzlichen Handlungsbedarf, geht nicht auf das Ereignis in Pratteln ein.

Kantonaler Vorstoss geplant

Ob und welche zusätzlichen Massnahmen Kanton und Polizei im Vergleich zum September ergriffen, um die FCZ-Chaoten in Schach zu halten, wollen die Verantwortlichen aus taktischen Gründen nicht verraten. Trotz erfolgreichem Polizeieinsatz am Mittwochabend bleibt für künftige Gastspiele des Zürcher Fussballklubs eine latente Ungewissheit. Gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass FCZ-Anhänger erneut die Notbremse ziehen. «Diese Angst haben wir jedes Mal», sagt Hess, «und man weiss nie, welche Gemeinde es trifft.» Pratteln läge nun mal an der betreffenden Bahnlinie.

Urs Hess ist über die Antwort des Bundesrates wenig erfreut. Auf nationaler Ebene fand die Gemeinde Pratteln kein Gehör für das bestehende Hooligan-Problem. Also will Alt-Landrat Hess nun seine politischen Kanäle auf kantonalem Level aktivieren. «Die Politik muss gewillt sein, die Chaoten viel härter anzupacken», sagt Hess. Er will eine härtere Gesetzgebung. Der Prattler Gemeinderat hat bereits einen kantonalen Vorstoss angedacht. Hess sieht jedoch auch die Fussballklubs in der Pflicht. Es sei ihre Aufgabe, Chaoten vorzeitig zu lokalisieren und zu neutralisieren. Somit gebe es gar nicht erst Raum für Ausschreitungen.

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