Wir Baselbieter sind ein glückliches Volk. Wir leben so gerne in unserem Kanton wie kaum ein anderer Schweizer, lieben unsere Natur und sind stolz auf unseren Tennishelden Roger Federer.

Wir verstehen uns als weltoffene Menschen, die nichts von aufdringlichem Lokalpatriotismus halten. Wir glauben nicht an die Hölle und haben keine Angst vor der wirtschaftlichen Zukunft. Uns geht es sogar so gut, dass wir nicht einmal genau sagen können, was uns am Kanton besonders stört. Wirklich ärgern können uns höchstens unpünktliche oder verstopfte S-Bahnen.

Die allgemeine Zufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation ist umso bemerkenswerter, als all diese Ergebnisse aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demoscope stammen, die nicht einmal einen Monat nach der Protestwahl vom 27. März erhoben wurde. Besorgt rief uns der Sprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion Anfang Woche an, ob denn die Sicherheit bei den Umfrageantworten überhaupt keine Rolle gespielt habe. Tatsächlich: Nur je 1 Prozent der Befragten hielten die Sicherheitslage im Kanton für entweder besonders erfreulich oder besonders besorgniserregend; kein Thema also.

Die schiefe Finanzlage, der Streit um die Spitalplanung, die ungewisse Energiezukunft und die angebliche Erstarrtheit der Regierung haben den gemässigten Grünen Isaac Reber vor vier Monaten zum strahlenden Wahlsieger und den gemässigten SVP-Bisherigen Jörg Krähenbühl zum tragischen Wahlverlierer gemacht. Das im Baselbiet immer stärker um sich greifende Gefühl, dass es so nicht mehr weitergehen kann, hat zur ersten Abwahl eines amtierenden Regierungsrats seit 61 Jahren geführt. Zur Erinnerung: In die vorangegangenen sechs Jahrzehnte fielen die Kommunisten-Hatz, die Vietnam-Proteste, die 68er-Krawalle, die sexuelle Revolution, der Öl-Schock, das Waldsterben, die AJZ-Demos, Tschernobyl, die Fichenaffäre, 9/11 und die Finanzkrise. All diese Zeitläufe überstand die Baselbieter Regierung am Wahltag stets unbeschadet. Erst in diesem März wurde sie zur Kasse gebeten.

Lässt sich diese Protestwahl mit unserer grossen bz-Umfrage in Einklang bringen? Unbedingt. Die Demoscope-Ergebnisse zeigen nämlich auch, dass mehr als ein Drittel der Baselbieter Bevölkerung der Politik den Rücken kehrt. Und von jenen 63 Prozent, die sich eher (44 Prozent) oder sehr (19 Prozent) für die Politik interessieren, geht nur etwa die Hälfte wählen. Jene Politikerinnen und Politiker also, die gerne an der Empörungsschraube drehen und mit Sicherheitsparolen oder dem Hülftenschanz-Argument auf Stimmenfang gehen, sind schlecht beraten. Sie werden damit im Landkanton nie auf breiter Front punkten können, sondern höchstens den politischen Stil noch stärker verderben. Nur eine Minderheit ist empfänglich für politische Extreme, dagegen hat die breit gefächerte Mitte ein offenes Ohr für soziale Anliegen.

Zufriedenheit macht träge. Da hat Isaac Reber recht. Natürlich steht das Baselbiet vor enormen Herausforderungen. Nicht zuletzt müssen die KMU endlich von der ausufernden Bürokratie befreit werden. Aber eine bessere Grundlage für echten Fortschritt als die tiefe Verbundenheit zur Heimat gibt es gar nicht.