Baselland-krimi
Autorin Ina Haller lässt es im Liestaler Stedtli brennen

Mit ihrem dritten Regio-Krimi «Chienbäse» erobert die erfolgreiche Aargauer Autorin Ina Haller das Baselbiet definitiv.

Anna Wegelin
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In «Chienbäse» wird am Liestaler Umzug scharf geschossen.

In «Chienbäse» wird am Liestaler Umzug scharf geschossen.

Bild: Juri Junkov

Bücher haben den Vorteil, dass sie Ereignisse zum Leben erwecken können, die real nicht stattfinden. «Chienbäse», der dritte Roman von Ina Haller in der Regio-Krimireihe mit Samantha Kälin, erscheint gerade richtig als Aufwärmer zum feurig heissen Liestaler Fasnachtsumzug, der dieses Jahr aus den sattsam bekannten Gründen nicht durchgeführt werden kann.

Das Buch ist kurzweilig, fliesst superleicht aus der Feder der Autorin und bietet bis zum Finale einiges an Spannung – Ina Haller, die beliebte Krimiautorin aus dem Aargau, beherrscht ihr Handwerk vollends und schreibt fürs Leben gern. Und auch wenn sich der Spannungsbogen vor dem Showdown etwas gar spannen mag: Am Schluss sind die Schuldigen weg und überführt und die Unschuldigen nochmals heil davongekommen – bis zum nächsten Verbrechen.

Eine Biologin als Ermittlerin

Das Gute an «Chienbäse» ist: Man kann den Kriminalroman lesen, ohne seine beiden Vorgänger «Rüebliland» und «Chriesimord» zu kennen, und was man wissen muss, führt die Autorin unterwegs mir nichts, dir nichts ein. Samantha Kälin ist Biologin und hat eine Wohnung in Lenzburg. Sie ist in Indien geboren und wurde von Schweizer Eltern adoptiert, die seit «Rüebliland» tot sind.

Ina Haller entdeckt noch im grössten Schurken einen Menschen mit Herz.

Ina Haller entdeckt noch im grössten Schurken einen Menschen mit Herz.

Bild: Claudio Thoma

Samantha kennt ihre leibliche Mutter und ihre indische Schwester Ranjana, die in «Chienbäse» erstmals in die Schweiz zu Besuch kommt. Samantha, die gern Cappuccino trinkt und eine Haut wie «Latte macchiato» hat (ausser, wenn sie sich verfolgt fühlt), ist auf Stellensuche. Sie hat ihre Anstellung beim Familienunternehmen AarePharm in Egerkingen gekündigt, da sie nicht in derselben Firma arbeiten wollte wie ihr Vorgesetzter und Freund, Joel Gyger.

Ein Toter beim Stadttor

Joel seinerseits, der unbedingt mit Samantha zusammenziehen will, wohnt in der Nähe seines Elternhauses auf der anderen Seite des Ergolztals in Liestal und arbeitet zu viel. Er fühlt sich gestresst, weil AarePharm verkauft werden soll und er Leute entlassen muss.

Als Joel mit Samantha an den «Chienbäse»-Umzug geht, wo Joels Vater Beat und seine Jasskumpels die grossen brennenden Besen schleppen, wird einer der Jasser erschossen. Um ein Haar hätte die Gewehrkugel Samantha getroffen! Wenig später findet die Polizei in einer Wohnung beim Stadttor einen toten Mann, und die vertrackte Sache kommt ins Rollen.

Ina Haller hat wiederum teuflischen Spass am Auslegen von allerlei falschen Fährten. Sie führen vom Stedtli über die Arlesheimer Ermitage bis nach Kanada und zum Hardwald bei Birsfelden. Sie landen im Schuhgeschäft und bei der Polizei und sind gewürzt mit Sex, Crime und MeToo. Und – eine weitere Spezialität von Haller – sie behandeln grosse Themen wie Zuwanderung, Krankheit und Arbeitsmarkt.

Blühende Fantasie und grosser Gerechtigkeitssinn

Dabei heftet sich die Autorin nicht nur an die Fersen ihrer Figuren, zu denen zum Beispiel auch Joels Schwester Simona gehört, die früher mal als Polizistin in Rheinfelden arbeitete und nun mit Mann und Kleinkind in Mumpf wohnt. Ina Haller schlüpft in die Haut von Samantha, die über eine «blühende Fantasie» und grossen Gerechtigkeitssinn verfügt.

Überhaupt entdeckt die Autorin selbst im grössten Schurken noch einen Menschen mit Herz, sodass ihre Bücher uns versöhnlich stimmen. Nur für die Habgierigen, die über Leichen gehen, findet sie keinerlei Gnade.

Ina Haller: «Chienbäse.» Kriminalroman. Emons-Verlag 2021, 272 Seiten.