Baselland
Mehr Ausländer auf den Covid-Stationen der Spitäler: Die Herkunft reicht als Erklärung aber nicht aus

Eine Baselbieter Auswertung der Coronapatienten in den Spitälern bestätigt Vorurteile gegenüber Personen mit Migrationshintergrund nur auf den ersten Blick. Entscheidender sind andere Faktoren.

Michael Nittnaus
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Laut Statistik liegen mehr Personen mit Migrationshintergrund auf den Covid-Intensivstationen. Doch die Herkunft ist nicht der entscheidende Faktor, ergab eine Erhebung des Kantons Baselland.

Laut Statistik liegen mehr Personen mit Migrationshintergrund auf den Covid-Intensivstationen. Doch die Herkunft ist nicht der entscheidende Faktor, ergab eine Erhebung des Kantons Baselland.

Archiv: Alex Spichale

SVP-Landrat Peter Riebli wusste, dass er mit seinem Vorstoss im Frühjahr provoziert: Er wollte eine Auswertung, inwiefern Personen mit Migrationshintergrund unter den Patienten auf den Covid-Stationen der Spitäler überproportional vertreten sind. Diese Daten sollten dann die Grundlage «für geeignete, zielgerichtete Massnahmen» sein.

Grosse Unterschiede je nach Herkunftsregion

Tatsächlich brachte die Auswertung des Kantons auf den ersten Blick Bestätigung. Im am Freitag publizierten Bericht der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission heisst es:

«In der Schweiz geborene Menschen erkrankten im untersuchten Zeitraum weniger häufig schwer an Covid-19 als im Ausland Geborene.»

Konkret habe sich eine von 13 im Ausland geborenen Personen mit Corona infiziert, davon musste eine von 18 in Spitalpflege und davon wiederum eine von 20 auf die Intensivstation. Bei in der Schweiz Geborenen lagen diese Werte bei 1:18, 1:22 und 1:33.

Je nach Herkunftsregion gab es grosse Unterschiede der Inzidenzrate. Zwischen der am wenigsten betroffenen Region Süd- und Südostafrika und den am stärksten betroffenen Zentral- und Ostafrika liege der Faktor Fünf. Am stärksten betroffen seien Asylsuchende sowie Kurzaufenthalter. Die Schweiz rangiere aber nur knapp unterhalb des Medians.

Lebensverhältnisse beeinflussen Coronarisiko stärker

Insgesamt hält die Regierung aber fest:

«Die Herkunft stellt kein wesentlich höheres Risiko für eine Covid-Hospitalisation dar.»

Bedeutender seien der tiefere sozio-ökonomische Status und das Durchschnittsalter. Dies wurde in der Kommission mehrheitlich gestützt. So leben Personen mit Migrationshintergrund öfter auf weniger Wohnfläche zusammen, was das Ansteckungsrisiko erhöhe. Zudem hätten Personen mit tieferem Status auch häufiger Vorerkrankungen und seien daher anfälliger für schwere Covid-Verläufe.

Direkte Massnahmen löst die Abklärung nicht aus. Die Kommission beantragt mit 10:1 Stimme bei zwei Enthaltungen, das Postulat abzuschreiben.

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