Rickenbach
1.-August-Brand in Rickenbach: War die falsche Zündschnur der Grund?

Der 14-jährige Daniel Odermatt hätte das Feuerwerk - eigentlich ein Profifeuerwerk - nicht anzünden dürfen. Die verwendete Batteriesorte verfügte über 2 Zündschüre. Eine für sofortige Zündung, die andere lässt noch Zeit, sich zu entfernen.

Leif Simonsen
Merken
Drucken
Teilen
Diese Feuerwerksbatterie wurde Daniel Odermatt am 1. August zum Verhängnis

Diese Feuerwerksbatterie wurde Daniel Odermatt am 1. August zum Verhängnis

ZVG

Die 1.-August-Feier im Hause Odermatt ist in Rickenbach Tradition. In diesem Jahr wurde sie allerdings jäh unterbrochen: Als Daniel, der Sohn der FCB-Legende Karl Odermatt, gegen 23 Uhr eine Feuerwerksbatterie zünden wollte, ging sie unerwartet früh in die Luft. Der 14-Jährige musste mit schweren Verbrennungen mit der Rega abtransportiert werden. Der Bericht der «20 Minuten» vom Mittwoch löste in der ganzen Region Betroffenheit aus.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Bei der Polizei laufen derweil die Ermittlungen auf Hochtouren. Die zahlreichen Zeugen werden vernommen, die Spuren werden gesichert. Eines kann die Baselbieter Polizei schon jetzt auschliessen: «Wir wissen mittlerweile, dass das Feuerwerk auf legale Weise verkauft wurde», sagt Polizeisprecher Rolf Wirz. Was den Verkäufer des Feuerwerks entlastet, könnte dem Käufer allerdings angelastet werden. Denn damit ist auch klar, dass der schwer verletzte Daniel die Feuerwerksbatterie nicht selber erworben hat. Stefano Papini, Mitinhaber der Zunzger Firma Fortura, vertreibt Feuerwerke. Er sagt, dass das Unglück in Rickenbach mit einer Pyro der höchsten Kategorie passiert sei. «Das ist eigentlich nur etwas für Profifeuerwerke». Und: Eigentlich darf diese Kategorie nur an über muss dafür gar eine Prüfung gemacht werden. ab 2014 muss dafür gar eine Prüfung gemacht werden. Ohne auführliche Instruktion ein solches Kaliber abzufeueren: «Das lässt sich mit einer Lernfahrt in einem 500-PS-Porsche vergleichen», sagt Papini.

Checkliste wird abgearbeitet

Die standardmässig durchgeführte Instruktion sei wichtig, «weil solche Pyros nicht selbsterklärend sind», so Papini. Die von Daniel Odermatt abgefeuerte Batteriesorte hatte zwei Zündschnüre, eine rote und eine grüne. Die rote Zündschnur kann manuell in Brand gesteckt werden. Hier bleibt noch genug Zeit, um sich zu entfernen. Die grüne Schnur aber bringt den Feuerwerkskörper innert Sekunden zum explodieren. Sie dient dazu, mehrere solche Batterien miteinander zu verbinden, um sie in Serie nacheinander abzufeuern zu können. Mit dieser Funktion können mehrere Feuerwerke gleichzeitig in die Luft gejagt werden.

Eher kein Produktfehler

Gegenüber «20 Minuten» sagte Karl Odermatt nach dem Unglück, dass Daniel nichts dafür könne. Er habe richtig gehandelt. Karl Odermatt war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Papini vermutet aufgrund der Polizeibilder, dass eher kein Produkt- oder Materialfehler vorliegt. «Betrachtet man die Bilder, ist nicht davon auszugehen, dass etwas mit dem Feuerwerk nicht stimmte.» Gleichzeitig ist von Besuchern zu hören, dass diese Feuerwerksbatterie ganz normal in die Luft ging - genau wie all die anderen, die an diesem Abend in Rickenbach gezündet wurden.