Hölstein
10-köpfige Familie demoliert Haus – doch Versicherung will nicht bezahlen

Eine 10-köpfige Familie bewohnt ein Haus und lässt es mit Müllbergen und demoliert zurück. Die Versicherung vom Hauseigentümer will nun nicht zahlen. Nun kann der Vermieter seine Steuern nicht mehr begleichen.

Daniel Aenishänslin
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Ortsschild Hölstein

Ortsschild Hölstein

Kenneth Nars

«Ich stehe kurz vor dem Privatkonkurs.» Der 56-jährige Hölsteiner Anton Wolf fürchtet, dass ihm bald alle Felle davonschwimmen. Sein eigenes Haus an der Kirchgasse droht ihn zu ruinieren. Doch nicht, weil er über seine Verhältnisse lebte, sondern weil dies andere für ihn getan haben. Während dreier Jahre wohnte die Familie von M.M. (Name der Redaktion bekannt) darin. Geblieben sind offene Rechnungen von über 40 000 Franken, viele nicht berechnete Stunden Arbeit, die in die Renovation gesteckt wurden – und ein Gefühl der Ohnmacht. «Es ist das erste Mal, dass ich meine Steuern nicht bezahlen kann», sagt Wolf, «was mir bleibt, ist, meine Schulden abzustottern.»

Der Ärger begann schon früh

Gekauft hat Anton Wolf das Haus vor 30 Jahren. Nachdem seine drei Kinder ausgezogen waren und seine Ehefrau verstorben war, vermietete er sein Haus mit neun Zimmern an M.M. «Spätestens nach zwei Jahren war mir klar, diese Familie muss wieder raus», sagt Wolf. Jedes Jahr habe der Elektriker Reparaturen über 1000 Franken ausführen müssen. Waschmaschine, Geschirrspülmaschine und Herd mussten ersetzt werden. Wände waren bemalt, Scheiben und Fensterläden durchbrochen. Einen Boiler und Wasserleitungen sprengte die Winterkälte, weil ein zerbrochenes Fenster daneben die Kälte ungehindert eindringen liess. Ein Wasserschaden blieb dem Wolf’schen Anwesen genauso wenig erspart wie zurückgelassene Müllberge nach Auszug der Familie von M.M.

Nun fühlt sich Wolf mit seinen Problemen allein gelassen. Seit August bewohnt er das noch immer nicht ganz instand gesetzte Gebäude mit seiner Lebenspartnerin. Seiner Ansicht nach sollte der ihm entstandene Schaden von der Haftpflichtversicherung des Regionalen Sozialdiensts Waldenburgertal beglichen werden, weil dieser ihm die Mieter bescherte. «M.M. hatte, bevor er und seine Familie bei mir einzogen, schon ein anderes Haus in Hölstein in einen solchen Zustand versetzt», beklagt sich Anton Wolf, «mir gegenüber erwähnte das aber niemand.»

Gemeinderat Daniel Kaiser möchte sich dazu nicht äussern, «weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt». Dass M.M. und seine Familie für Aufregung sorgen können, geht aus einem Brief der Gemeinde Hölstein an Anton Wolf deutlich hervor. Gezeichnet ist er von Gemeindepräsidentin Monica Gschwind und Gemeindeverwalter Fritz Kammermann. Darin ist zu lesen: «Sie und wir wissen um die schwierigen und oftmals für unsereiner unverständlichen Verhältnisse ihrer ehemaligen Mieterschaft.» Hinter vorgehaltener Hand wird in Hölstein auch von Betteltouren der jüngeren von insgesamt acht Kindern durchs Quartier gesprochen.

Haftpflicht reicht nicht

Für Advokat Daniel Borter vom Hauseigentümerverband Waldenburg ist die Rechtslage klar. Nötig sei es, die Wohnung abzunehmen, danach seine Forderungen zu stellen, das Gebäude sanieren zu lassen und den Mieter einzuklagen, falls dieser die Rechnung nicht zu begleichen bereit sei.

Dies sieht auch Gabriella Waldner vom Regionalen Sozialdienst Waldenburgertal so. Sie schreibt Wolf, «weder die Sozialhilfebehörde noch der Sozialdienst war jemals Vertragsnehmer».

Ein schwacher Trost für Anton Wolf, der die Bescherung hat. Vor allem, wenn ihm die Haftpflichtversicherung von M.M. pauschal lediglich 6000 Franken für den Schaden bietet. In der von Wolf nicht unterzeichneten Entschädigungsvereinbarung ist zu lesen: «Mit dieser Entschädigung ist die Leistungspflicht aus dieser Police für den vorliegenden Schadenfall erschöpft.» Der betreffende Schadensinspektor möchte dazu keine Aussage machen.