Jubiläum
100 Jahre EGK Gesundheitskasse – Laufentaler Versicherung bekennt sich zu ihren Wurzeln

Am 22. März vor einem Jahrhundert riefen einige Industrielle in schwierigem Umfeld die Krankenkasse des Birstals ins Leben. Daraus entwickelte sich die EGK, die heute im ganzen Land rund 85 000 Kundinnen und Kunden hat.

Dimitri Hofer
Merken
Drucken
Teilen
100 Jahre EGK-Gesundheitskasse
3 Bilder
Seit 1969 befindet sich die EGK hier an der Brislachstrasse. Bald zieht man in den neuen Hauptsitz um.
Deutlich tiefere Prämien: Eine Annonce aus dem Jahr 1919 zeigt, wie viel man damals bezahlen mussten.

100 Jahre EGK-Gesundheitskasse

zvg/Museum Laufental

Für die beschauliche Grösse gibt es in Laufen mehrere Unternehmen, die sich über das 5600-Einwohner-Städtchen hinaus einen Namen gemacht haben. Am bekanntesten sind die Keramik Laufen AG und die Ricola AG, deren Produkte einem auf der ganzen Welt begegnen. Neben den beiden Firmen geht oftmals vergessen, dass im Hauptort des Laufentals auch eine wichtige Krankenkasse zu Hause ist. Mit rund 85'000 Versicherten befindet sich die EGK-Gesundheitskasse im Ranking der grössten Krankenversicherer der Schweiz auf dem 22. Platz.

Heute ist die EGK in Laufen weitherum akzeptiert, wie sich an der Gemeindeversammlung im letzten Dezember zeigte. Die Stimmberechtigten sprachen sich mit grossem Mehr für einen neuen Hauptsitz der Krankenkasse aus, der die bisher auf mehrere Büros verteilten 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter einem Dach vereinen wird.

An der Naustrasse präsentiert sich das Unternehmen bald von seiner besten Seite. Das neue Gebäude, das man 2021 beziehen möchte, ist der sichtbare Höhepunkt einer ereignisreichen Geschichte, die von einem stetigen Zuwachs geprägt war. Gerade in den letzten Jahren zogen aber auch dunkle Wolken über der Krankenkasse auf.

Es gab noch kein Versicherungsobligatorium

Dass ihr Betrieb eines Tages zu einem bedeutenden Unternehmen in der Schweizer Gesundheitsbranche aufsteigen wird, konnten die Gründer nicht wissen, als sie die Firma am 22. März 1919 ins Leben riefen. Unter dem Namen Krankenkasse des Birstals hoben ein paar Laufentaler Industrielle in der Kantine der Tonwarenfabrik in Laufen die heutige EGK-Gesundheitskasse aus der Taufe. Zu den Gründerbetrieben gehörte eine Handvoll Unternehmen wie die Portland-Zementfabrik Laufen und die Zement- und Kalkwerke Liesberg.

Der Bezirk Laufen war damals dank der Bodenschätze Stein und Erde, der Nähe zu Basel sowie der Birs als Energiespender eines der am stärksten industrialisierten Gebiete des Kantons Bern. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg wuchsen auch die Ansprüche der Arbeiterschaft nach mehr Lohn und sozialer Sicherheit. Der Erste Weltkrieg hatte vier Jahre lang gewütet und eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst. Gleichzeitig forderte die Spanische Grippe weltweit rund 20 Millionen Todesopfer.

In dieser gesellschaftlich angespannten Situation wurde die Krankenkasse des Birstals gegründet. «Schützt Euch selbst gegen die Tage der Not, versichert Euch bei der Krankenkasse des Birstals», lautete ein früher Werbeslogan des Unternehmens. Da in der Schweiz damals noch kein generelles Versicherungsobligatorium bestand, waren Fabriken mit obligatorisch versicherten Arbeitnehmern von grosser Wichtigkeit. Aus dem ganzen Birstal schlossen sich laufend neue Betriebe der Krankenkasse an.

Bei der Gründung konnte die Kasse von der Einwohnergemeinde Laufen die notwendigen Lokale im ehemaligen Mädchenschulhaus mieten. Der grösste Teil der Verwaltungstätigkeit wurde jedoch von Sektionskassierern in Heimarbeit erledigt. Die Wahl eines neuen Kassenverwalters brachte die Verlegung der Zentrale nach Grellingen mit sich.

Die Jahrzehnte nach der Gründung waren geprägt von einer stetigen Zunahme der Mitgliederzahlen. Die Krankenkasse stand nicht nur den Mitarbeitern der angeschlossenen Betriebe, sondern der gesamten Bevölkerung offen. Schon 1938 zählte das Unternehmen rund 12'000 Versicherte. Mit einem Fonds wurden Härtefalle und bedürftige Familien unterstützt. An den Delegiertenversammlungen appellierten die Verantwortlichen aber auch an mehr Eigenverantwortung. Die Empfehlung hiess, man solle lieber auf altbewährte Hausmittel setzen, anstatt unnötig den Arzt aufzusuchen.

Mit der Ausweitung des Verbreitungsgebietes einher ging eine erste Umbenennung der Versicherung. Ab dem Jahr 1966 trug der Betrieb den Namen Die Eidgenössische Kranken- und Unfallkasse. Drei Jahre danach kehrte die umbenannte Firma zurück nach Laufen und bezog in der Nähe des Bahnhofs, an der Brislachstrasse, ihren neuen Hauptsitz. Die Hinwendung zur Komplementärmedizin führte 1990 zu einer erneuten Namensänderung, die bis heute Bestand hat: EGK-Gesundheitskasse.

Mussten die Prämien notfallmässig erhöhen

Die konstante Zunahme der Versicherten konnte die Laufner Krankenkasse nicht aufrechterhalten. Vor einigen Jahren geriet die EGK in die Negativschlagzeilen, weil sie mitten im Jahr die Prämien ausserordentlich erhöhen musste. Die Kasse war Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden und hatte die angestrebte Erhöhung der Versichertenzahl weit übertroffen.

Der nicht geplante Zuwachs belastete das Unternehmen finanziell schwer, weshalb es die Prämien raufsetzen musste. In der Folge kam es zu einem starken Rückgang der Versicherten. Waren es im Jahr 2015 noch 112'000 Personen gewesen, sind es aktuell rund 85'000 Menschen.

Die EGK zog nach dem Desaster personelle Konsequenzen und trennte sich von Geschäftsleiter Peter Rickenbacher. Dessen Nachfolger, Reto Flury, hatte sich bei seinem Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben, das Vertrauen wieder herzustellen. Hört man sich bei einigen Versicherten um, scheint dies gelungen zu sein.

Die angefragten langjährigen Mitglieder aus dem Laufental haben der Krankenkasse trotz der Schwierigkeiten die Treue gehalten. Die meisten Versicherten hat das Laufner Unternehmen aber schon lange nicht mehr in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Mit 8234 Personen belegt die Stadt Zürich heute mit Abstand den ersten Rang.