Wirtschaft
1000 neue Hotelbetten sind in Planung

Die Basler Hotellerie befindet sich in einem Verdrängungskampf: «Die Nachfrage wird nicht grösser, wenn neue Hotelprojekte anstehen, oder Private vermehrt ihre Zimmer vermieten», sagt Marc Haubensak, Direktor des Mercure Hotel Europe.

Iso Ambühl
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Die Besitzerin Coop investiert dreissig Millionen Franken in Umbau und Renovation des Hotels, bestätigt Marc Haubensak gegenüber dem «Sonntag». Der Umbau beinhaltet, dass der grosse Anteil von sechzig Prozent Einzelzimmer aufgehoben wird. Mit der Folge, dass dadurch grössere, komfortable Zimmer möglich werden. Das «Europe» wird künftig noch über 141 statt wie bisher 158 Zimmer verfügen. Der Umbau startet am 1. Mai und erfolgt in Etappen bis Februar 2014. So wird das Hotel nie ganz geschlossen sein. Das berühmte Restaurant Les Quatre Saisons schliesst im November für einige Monate. Der Bankett- und Cateringbetrieb wird jedoch aufrechterhalten. «Am Ende besitzen wir ein neues Hotel», freut sich Haubensak.

Gegen Konkurrenz gewappnet sein

Haubensak ist nicht der Einzige , der auf eine Renovation setzt. Die 4-Sterne-Hotels Euler und Radisson haben ihre grosse Erneuerung bereits hinter sich. Ab Februar ist das 4-Sterne-Hotel St. Gotthard am Bahnhof dran: «Wir verfügen danach statt 95 noch über 87 Zimmer, weil wir erneuern und vergrössern», sagt Marketing-Chefin Selinda Geyer. Beim benachbarten 4-Sterne-Hotel Schweizerhof überlegt sich Besitzerin Christine Ruch, über eine Sanierung des Personalhauses das Hotel zu erweitern.

Die hektischen Aktivitäten von Basler Hoteliers erstaunen nicht. Sie wollen gegen neue Konkurrenz im Grosspeter-Gebiet gewappnet sein. Immerhin sind dort total 489 Zimmer in drei Hotels vorgesehen. So plant der internationale Konzern Accor anstelle der Grosspeter-Garage ein Novotel (4 Sterne, 145 Zimmer) sowie ein Ibis Budget (2 Sterne, 194 Zimmer). Nach jahrelanger Projektierung erwartet Landbesitzer Urs Müller, Verwaltungsratspräsident der Groinvest AG, die Baubewilligung im Februar. Eröffnung soll im Mai 2014 sein.

Weiter hinten in der Grosspeter-Anlage, wie die neue Strasse dort heissen wird, projektiert das Zuger Immobilien-Unternehmen PSP Swiss Property auf einem bisherigen Parkplatz, ein 80-Millionen-Hochhaus für Büros sowie ein 3-Sterne-Hotel im Sockelgeschoss mit 150 Zimmern zu errichten. Eröffnung soll Ende 2014 sein.

Mit einem Schlag kommen somit 489 Zimmer mit rund 1000 Hotelbetten neu auf den Basler Markt. Da müsse jeder Hotelier eine Strategie entwickeln, sagt Selinda Geyer. In Basel gibt es heute 3700 Zimmer mit rund 6200 Betten. Dazu kommt die Konkurrenz im Baselbiet, wo rund 2550 Betten zur Verfügung stehen. Insgesamt entwickelt sich die Hotellerie dank Museen, Messen und guten Verkehrsverbindungen positiv: In Basel wurden auch 2011 wie in den Vorjahren über eine Million Übernachtungen gezählt.

Bessere Hotelqualität gefordert

Eine grosse Zahl an Zimmern und Betten, auch solche in Privatwohnungen, schätzt René Kamm, Konzernchef der Messe Schweiz. Messebesucher liebten es nicht, wenn abends noch Anlässe in Basel stattfänden und sie danach noch den Bus oder Zug zum Hotel nehmen müssten, sagt Kamm. Die Messe modernisiert ihr Messegelände derzeit in Etappen bis 2013 für 430 Millionen Franken. Die Aussteller werden danach ihre Stände neu gestalten. Kamm verhehlt nicht, dass Aussteller nach diesem Einsatz auch eine bessere Hotelqualität einforderten.

Besonders an der Uhren- und Schmuckweltmesse Baselworld und der Kunstausstellung Art fehlt es an Hotelbetten in Basel. Aussteller am Genfer Uhrensalon begründete ihr Fernbleiben an der Baselworld mit dem Hotelangebot in Basel, sagt Kamm. Er schätzt, dass es im Bereich der 5-Sterne-Hotels «noch etwas Zusätzliches verträgt», allenfalls auch ein nicht-klassifiziertes Design-Hotel. Bislang sind nur die Hotels Les Trois Rois, Swissôtel Le Plaza und das Hilton im 5-Sterne-Bereich.

Das Hilton besitzt jedoch mit der Basler Versicherung als Vermieterin nur noch einen Vertrag bis 2016. Die eher engen Zimmer entsprechen zudem nicht mehr dem heutigen Trend. Falls es zu einem Ausfall des Hilton wegen Renovation oder eines Bauprojekts ohne einen gleichwertigen Ersatz kommen würde, bezeichnet Kamm dies als «schlechtes Signal» und «Katastrophe».