Wirtschaftswochen
14 Gymnasiasten führen eine Woche lang ein Unternehmen

14 Laufentaler Gymnasiastinnen führen eine Woche lang ein Unternehmen. Bis zu Beginn der Wirtschaftswoche haben die Schülerinnen Zeit, sich bezüglich Design und Werbeaktivitäten etwas vorzubereiten.

Jürg Jeanloz
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Augenschein in der Lavabo-Produktion der Keramik Laufen AG: Gymnasiasten und Industrievertreter. jjz

Augenschein in der Lavabo-Produktion der Keramik Laufen AG: Gymnasiasten und Industrievertreter. jjz

Sie lernen Italienisch und Spanisch, üben sich im bildnerischen Gestalten, sind 18-jährig und besuchen das Gymnasium Laufental-Thierstein. Knapp 40 Schülerinnen und Schüler aus zwei Klassen der Oberstufe werden in den nächsten beiden Wochen ins raue Wirtschaftsleben eintauchen. «Die Wirtschaftswochen sind eine einmalige Chance, die Geschäftswelt kennen zu lernen», sagt Konrektor Christoph Keller. Sie werden mit Bilanzen konfrontiert, müssen Werbekonzepte erstellen und verfeinern die Logistik von der Produktion bis zur Auslieferung. Diese Materie sei für die jungen Leute komplett neu, und am Anfang hätten sie immer das Gefühl, sie würden es nie schaffen. Je mehr sie sich aber in die Aufgaben vertieften, umso mehr komme Begeisterung und Einsatz auf.

In der Keramik Laufen AG schnupperten am Donnerstagmorgen die Gymnasiasten Fabrikationsgeruch und erhielten Einblick in die Vielfalt eines Unternehmens. Was es alles braucht, um WC-Schüsseln und Lavabos zu produzieren, erlebten sie hautnah, als sie am 100 Meter langen Ofen mit 1250 Grad Celsius vorbeimarschierten. Die ganze Produktionslinie ist vollautomatisch und computergesteuert, und dennoch braucht es bei der Endkontrolle Menschen, die die keramischen Produkte von Auge kontrollieren und verschiedene Test vornehmen. «Sie können sich nicht vorstellen, welche Sicherheits- und Hygienevorschriften uns die verschiedenen Exportländer auferlegen», meinte Trainingsmanager Christian Schäfer zu den staunenden Schülern.

Kopfhörer, Unterwäsche, Schmuck

Im prächtigen Ausstellungsraum konnten die Gymnasiasten die Produktions- und Handelsprodukte nochmals begutachten, und dann ging es zur Sache. Die beiden Klassen wurden getrennt, und die Fachlehrer übernahmen die jungen Leute. Fachlehrer Thomas Seper, der seit Jahren dabei ist, führte die Klasse 2 I in die Wirtschaftswoche ein und forderte sie auf, ein Produkt zum Preis von 70 Franken auszuwählen. Aus dem Kreis der ausschliesslich aus Schülerinnen bestehenden Klasse kamen Vorschläge wie Kopfhörer, Unterwäsche, Schmuck, elektrische Zahnbürste und vieles mehr. In einer Abstimmung einigten sie sich auf Turnschuhe, die in der computerbasierten Wirtschaftssimulation vermarktet werden sollen.

Die 14-köpfige Klasse wird von der Klassenlehrerin Noëlle Borer in drei Gruppen eingeteilt, die gegeneinander im friedlichen Wettstreit je einen Produktionsbetrieb führen. Bis zu Beginn der Wirtschaftswoche haben die Schülerinnen Zeit, sich bezüglich Design und Werbeaktivitäten etwas vorzubereiten. Schon am ersten Tag wird der Name der Firma kreiert, die Geschäftsleitung unter den Schülerinnen aufgeteilt und Ziele formuliert. Analyse der Geschäftszahlen, Formulierung der Unternehmensstrategien und Entscheidungsgrundlagen folgen.

Am letzten Tag kommen die Vertreter des Industrievereins und des Gymnasiums als Aktionäre und fühlen der Geschäftsleitung auf den Zahn. «Seien Sie nett zu uns», warnte Konrektor Christoph Keller schelmisch, «unsere Ansprüche sind dann recht hoch.»