Fussball 5. Liga
14 Spieler nehmen bei FC Liestal reissaus und gehen nach Lausen

Es knistert in der 5. Liga: Die zweite Mannschaft der AC Rossoneri in Lausen gibt es erst seit kurzem. Und sie besteht vorwiegend aus ehemaligen Liestalern, die im Groll geschieden sind. Bald steht das Wiedersehen mit dem Ex-Verein an

Raphael Biermayr
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Fabian Salfinger (Dritter von rechts) hat den bunten Haufen von Liestal nach Lausen gelotst.

Fabian Salfinger (Dritter von rechts) hat den bunten Haufen von Liestal nach Lausen gelotst.

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Romano Branca wirkt wie ein Kindergärtler auf dem Sportplatz Bifang. Die grösste Aufgabe des Trainers der zweiten Mannschaft der AC Rossoneri ist, die Disziplin aufrechtzuerhalten. So wie beim Aufwärmen: «Ohne Ball, Philippe! Ohne Ball!» und «Noch eine halbe Runde, kommt!» Der Versuch, dabei seinen treuherzigen Blick abzusetzen, fällt ihm nicht leicht. Dass an diesem Abend nur zehn Spieler in Lausen trainieren, hänge gemäss dem Trainer mit Verletzungen zusammen, und damit, dass am kommenden Wochenende kein Spiel sei. Vielleicht ist auch ein Grund, dass die Temperatur an diesem Abend nach langer Zeit wieder im tiefen einstelligen Bereich liegt.
Probleme eines beliebigen Teams in der 5. Liga also. Beliebig? Das würde der Geschichte dieser Mannschaft nicht gerecht. Vor einigen Wochen verliessen 14 Spieler die dritte Mannschaft des FC Liestal, um im Nachbardorf etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Beim grossen FCL sei man klein behandelt worden. 450 Franken Mitgliederbeitrag, manchmal kein warmes Wasser mehr, manchmal geteilte Trainingsplätze, kaum Dank für Helfereinsätze. Es klingt wie aus vielen Teams, die nicht das erste eines Vereins sind.

Mitgliederbeitrag: Nur noch 250 Franken
Die Bande von Fussballbrüdern -einige spielen seit frühen Juniorentagen zusammen - zog also nach Lausen, wo der Mitgliederbeitrag 250 Franken beträgt und der Verein insgesamt nur fünf Mannschaften umfasst. Die Wahl des Exils hängt mit dem Namen einer Person zusammen, wie die ganze Geschichte: Fabian Salfinger. Der 24-jährige Liestaler ist ein Aficionado, ein Verrückter, was Fussball anbelangt. Einer, der vor einem Spiel um Mitternacht nach Lausen fährt, um die Garderobe wie bei Profiteams herzurichten; einer, der zehn Pokale anfertigen lässt, um damit Ehrungen vorzunehmen; einer, der die Spiele seines Teams filmen lässt - Freundin Cornelia sei Dank - und DVD brennt zwecks Analyse. «Es ist meine Leidenschaft», sagt der Logistikassistent Salfinger, der bei eingangs erwähntem Training anscheinend als Einziger weiss, wo das Flutlicht einzuschalten ist. Sein Stiefgrossvater habe einst für Rossoneri gespielt, den Gastarbeiterklub von einst, der stolz darauf ist, der ältere der beiden Vereine in Lausen zu sein.
«Ich habe den Jungs tief in die Augen gesehen und wusste: das passt», schildert Rossoneri-Präsident Dario Mulas die erste Begegnung. Drei Tage vor Ablauf der Frist meldete er dem Verband die Mannschaft. Der fehlende italienische Hintergrund sei kein Problem. «Roman und Michael statt Giovanni und Antonio - warum nicht? Die Nationalität spielt längst keine Rolle mehr», sagt er. Mulas sieht das neue Team als Grundstein für eine Expansion des Vereins, vor allem auf Juniorenebene.

«Im Guten auseinandergegangen»

Es ist eine Geschichte der Leidenschaft, der grossen Emotionen. Am Grund des hiesigen Fussballs zwar, aber deshalb für die Exponenten nicht weniger aufreibend. Der Ex-Trainer des Teams, Roland Brüderlin, sagt auf seine Sicht der Dinge angesprochen hastig: «Eine Stellungnahme gebe ich nicht ab», um schliesslich anzufügen: «Wir sind im Guten auseinandergegangen.» Brüderlin trainiert auch die neue dritte Mannschaft Liestals. Am 6. Oktober gibts ein Wiedersehen - das erfolgreiche gestartete Rossoneri gastiert im Hauptort (Spielbeginn um 19 Uhr). Auf diese Begegnung angesprochen, sagt Brüderlin: «Es wird sicher ein interessantes Spiel.»
Dieser Ansicht ist auch Fabian Salfinger. Auf dem Weg zum Verteilerkasten, wo das Flutlicht eingeschaltet wird, bestätigt er einen hartnäckig haftenden Eindruck: Schade eigentlich, dass er sein bemerkenswertes Engagement nicht mehr in seinem Stammverein leistet. «Das stimmt. Aber hier sind wir frei, das ist es wert», sagt er.