Sissach
15 kritische Fragen zum Debakel mit der Kunsti

Jetzt ist die Sissacher Geschäftsprüfungskommission am Zug: Die Gemeindeversammlung will von ihr genau wissen, wie es zum Schlamassel mit der Kunsteisbahn kommen konnte.

Andreas Hirsbrunner
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Das abgestütze Dach der Kunsti Sissach. (Archivbild)

Das abgestütze Dach der Kunsti Sissach. (Archivbild)

Kenneth Nars

Ob Sommer oder Winter, die Kunsteisbahn ist in Sissach immer ein Thema. So auch an der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend, und das gerade im Doppelpack. Für den retrospektiven Teil sorgten Ruedi Graf und Dieter Stebler. Die beiden Einwohner stellten den Antrag, ihren umfangreichen und kritischen Fragenkatalog rund um die Erstellung des Kunsteisbahn-Dachs zur Beantwortung an die Geschäftsprüfungskommission (GPK) zu überweisen.

Graf begründete das ungewöhnliche Vorgehen so: «Mit den Antworten hätten wir Klarheit, was falsch gelaufen ist.» Die Kernfrage sei, welche bau- und klimatechnischen Massnahmen unberücksichtigt geblieben seien, und wer dafür verantwortlich sei.

Komplexe Fragen brauchen Zeit

Während sich der Gemeinderat nicht in die Diskussion einmischen wollte, da die GPK dessen Aufsichtsorgan ist, empfahl die Gemeindekommission grossmehrheitlich, den Vorstoss zu überweisen. Und auch die GPK selbst wollte den Antrag entgegennehmen, obwohl Präsident Markus Speiser einschränkte: «Wir haben uns intensiv mit dem Antrag auseinandergesetzt. Der Katalog beinhaltet schwierige oder gar unbeantwortbare Fragen, und wahrscheinlich reicht uns die Zeit nicht, die Antworten wie gefordert bis im April 2015 zu liefern.»

Allerdings muss die GPK nicht bei null beginnen, da sie laut Speiser bis vor einem Jahr Einsicht in sämtliche Akten hatte. Dann startete das Beweisaufnahmeverfahren rund um das schadhafte Kunsti-Dach und die GPK legte ihre Aktivitäten «auf Eis», wie sich Speiser ausdrückte. Auch die rund 50 Versammlungsteilnehmer wollten, dass Licht ins Dunkel der Kunsti-Vergangenheit kommt und überwiesen den Antrag mit nur einer Gegenstimme an die GPK.

Über die laufende Entwicklung rund um die Kunsteisbahn informierte Gemeindepräsident Peter Buser. Die Firma Häring sei seit Anfang Juni daran, das Dachtragwerk mit Unterspannungen zu verstärken, «so, wie es von Anfang an hätte sein sollen». Dies sei kein Provisorium, sondern eine Vorinvestition an die endgültige Sanierung, sagte Buser. Die dafür bewilligten 700'000 Franken dürften allerdings nicht reichen. Bis Mitte September sollte die Firma Häring ihre Arbeiten abgeschlossen haben, sodass in der kommenden Saison ein ordentlicher Eisbetrieb möglich sein werde, kündete Buser an.

Was das definitive Sanierungsprojekt betrifft, so ist die St. Galler Firma Peter Projektmanagement daran, Varianten zu erarbeiten. Buser erwartet Ende August erste Resultate. Zum juristischen Hick-Hack um Regressforderungen sagte Buser, dass offen sei, wie das Gericht urteile, die Gemeinde aber nach wie vor an einer aussergerichtlichen Einigung interessiert sei. Gleichzeitig stellte er klar: «Wir haben nicht das bekommen, was wir bezahlt haben.»

Den Heiterkeitserfolg des Abends erzielte Gemeinderat Paul Bieri: «Es ist ungemütlich, wenn das Feuerwehr-Magazin brennt und das Material nicht mehr verfügbar ist.» Die Sissacher sahen es gleich und bewilligten die beantragte Brandmeldeanlage samt Zugaben einstimmig.