Münchenstein
16 Jahre Gefängnis für brutalen Mord nach Streit mit Nachbar

Das Kantonsgericht bestätigte gestern ein hartes Urteil des Strafgerichtes: Ein 49-jähriger Mörder aus Münchenstein muss für 16 Jahre hinter Gitter. Er erstach im Juli 2010 seinen Nachbarn mit sieben Messerstichen.

Patrick Rudin
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Das Baselbieter Kantonsgericht verurteilte den Mörder zu 16 Jahren Haft.

Das Baselbieter Kantonsgericht verurteilte den Mörder zu 16 Jahren Haft.

Keystone

Alles nur wegen eines simplen Streits unter Nachbarn: Ein heute 49-jähriger Türke muss definitiv wegen Mordes für 16 Jahre ins Gefängnis. Er hatte im Juli 2010 in Münchenstein einen tamilischen Nachbarn mit sieben Messerstichen umgebracht. Vor einem Jahr fällte bereits das Strafgericht ein Urteil wegen Mordes; am Dienstag bestätigte das Kantonsgericht in Liestal den Schuldspruch auch in zweiter Instanz. Noch stehen dem Mann beschränkte Beschwerdemöglichkeiten beim Bundesgericht offen.

Die Familie des Opfers wohnte in Münchenstein direkt über derjenigen des Täters; offenbar kam es mehrmals zu einem Streit um Lärm und um die Belegung der Waschküche. Rund einen Monat vor der Bluttat soll das Opfer die Ehefrau des 49-Jährigen als Schlampe beschimpft haben; laut Gerichtspräsident Dieter Eglin hatte das Gericht aber Zweifel, ob diese Beleidigung überhaupt stattgefunden hat.

Nach der Haft wohl abgeschoben

Kurz vor Mitternacht traf der verurteilte Mörder an jenem Sommerabend im Jahr 2010 auf dem Heimweg die Familie des Opfers. Es kam zu Rempeleien und einem Streit; schliesslich stach er den Nachbarn nieder, wandte sich ab, und kehrte einen Moment später wieder zurück, um dem wehrlosen Opfer erneut das Messer in den Bauch zu rammen. Laut Eglin ist das ein «fast schon lehrbuchartiges Beispiel für einen Mord». Der Nachbar starb eine Stunde später im Spital. Dessen Ehefrau musste die Bluttat mit ansehen; dabei war auch der einjährige Sohn. «Das ist eine Kaltblütigkeit sonder-gleichen», sagte Eglin.

Der Mann hatte die Tat zugegeben; zu den genauen Umständen aber seine Aussagen regelmässig geändert. Sein Verteidiger hatte eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und eine Strafe von acht Jahren verlangt. Doch das Kantonsgericht sah keinen Grund, das erstinstanzliche Urteil abzuändern: Die Aussagen der Ehefrau des Opfers seien authentisch und glaubhaft. Es komme selten vor, dass eine Zeugin, die so etwas miterlebt habe, derart wirklichkeitsnah aussage. Auch die Analyse des Instituts für Rechtsmedizin bestätigte ihre Aussagen: Offenbar hatte sich das Opfer lediglich mit einem Schlüsselbund zu wehren versucht.

Der Verurteilte sitzt seit der Tat im Gefängnis; er kommt frühestens im Jahr 2020 frei. Er erhält dort regelmässig Besuch von seiner Ehefrau; sie verfolgte auch den Prozess. Er möchte laut eigener Aussage weiterhin mit ihr leben. «Ich habe 30 Jahre meines Lebens in der Schweiz verbracht. Ich hoffe schon, dass ich hier bleiben darf», sagte der Täter mit türkischer Staatsangehörigkeit gestern vor Gericht. Sein Wunsch wird sich kaum erfüllen; nach einer Haftentlassung dürfte ihn das Migrationsamt sofort ausschaffen. Seine Ehefrau brach nach der Urteilsverkündung in Tränen aus.