«A 2»-Messerstecherei
20 Monate bedingt für etwas, das niemand wirklich gesehen hat

Im Oktober 2015 soll ein junger Elsässer vor der Disco «A 2» einen Mann niedergestochen haben. Heute bestreitet der Angeklagte die Tat.

Mirjam Kohler
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Vor dem damaligen «Musikpark A 2» kam es im Oktober 2015 zu einer Messerstecherei.

Vor dem damaligen «Musikpark A 2» kam es im Oktober 2015 zu einer Messerstecherei.

Twitter/Mr. Da-Nos

Ein zwei Zentimeter tiefer Stich beschäftigte am Mittwoch das Baselbieter Strafgericht. «Ich bin der Schuldige», hatte der Hauptangeklagte bei der polizeilichen Einvernahme gesagt. Doch ein Geständnis allein ist kein hieb- und stichfester Beweis; heute bestreitet der Angeklagte die Tat.

Der damals 19-jährige Angeklagte geriet am 31. Oktober 2015 vor dem «Musikpark A 2» in eine Auseinandersetzung (das Lokal heisst heute «Partyarena A 2», die jetzigen Betreiber stehen nicht in Verbindung zu den Vorgängen im Jahr 2015). Dabei verletzte er einen Mann mit einem Taschenmesser. An der Klinge der vermuteten Tatwaffe wurde die DNA des Täters gefunden — nicht aber diejenige des Opfers. Das Gericht sah diese Tatsache nicht als Unschuldsbeweis an.

Das Messer käme als Tatwaffe infrage, es könnte aber auch ein anderes Messer gewesen sein, hielt das Gericht in der Urteilseröffnung fest.

Stichbewegung gesehen

Auch hat niemand die Tat selbst beobachtet. Ein Zeuge sprach davon, eine vom Angeklagten ausgeführte «Stichbewegung» gesehen zu haben, ein Messer habe er dabei nicht gesehen. Sein ursprünglich abgelegtes Geständnis und die Aussagen von Zeugen sprächen gegen den Angeklagten, so Robert Karrer, Vorsitzender des Dreiergerichts.

In der Hauptverhandlung am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe für versuchte vorsätzliche Tötung gefordert. Für einen Freund des Hauptangeklagten, der ihm das Messer ausgehändigt hatte, forderte sie 18 Monate bedingt. Der Vorwurf an den Freund: Beihilfe zu versuchter vorsätzlicher Tötung. Die Verteidigung plädierte in beiden Fällen auf Freispruch.

Freund hätte es wissen müssen

Das Gericht sah den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung als nicht erhärtet. Unter anderem spreche dagegen, dass der Täter nur einmal zugestochen habe. Das Urteil: 20 Monate bedingt bei zwei Jahren Probezeit wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand für den Hauptangeklagten.

Sein Freund, der ihm das Messer ausgehändigt hatte, erhält eine Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 30 Franken für Gehilfenschaft. Es sei für ihn erkennbar gewesen, dass das Messer benutzt werden könnte, so das Gericht.

Strafmildernd wirkte sich neben dem jugendlichen Alter zum Tatzeitpunkt auch die Kooperation mit der Staatsanwaltschaft aus. Die Stabilisierung der Lebensverhältnisse des Hauptangeklagten milderten das Strafmass ebenfalls. Ob der Fall weitergezogen wird, ist noch unklar.