Asbest
200 Spritzasbest-Gebäude belasten das Baselbiet

Die einstige Wunderfaser wird Gesundheit der Menschen und Budgets noch lange belasten – auch im Baselbiet. Jedes Gebäude, das hierzulande zwischen den 1950er- und 80er-Jahren gebaut wurde, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit asbestverseucht.

Lucas Huber
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Bei der Entsorgung von Asbest gelten heute strenge Sicherheitsvorkehrungen (Archiv)

Bei der Entsorgung von Asbest gelten heute strenge Sicherheitsvorkehrungen (Archiv)

Keystone

Gerade jetzt ist es wieder in aller Munde: Asbest. In Turin mit der Verurteilung des Schweizer Milliardärs Stephan Schmidheiny. Und in Gelterkinden wegen der Schliessung des Hallenbads (bz vom Freitag).

Jedes Gebäude, das hierzulande zwischen den 1950er- und 80er-Jahren gebaut wurde, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit asbestverseucht. Doch sind es nicht nur die Wärmedämmungen, Beschichtungen oder Bodenbeläge von Gebäuden. Vom Blumenkübel über Bügeleisen oder Schnüren bis hin zu Föns: Asbest wurde in rauen Mengen verbaut.

Vier von fünf Bauten sind belastet

Bei einer Sanierung wurde das Gelterkinder Hallenbad 1986 bis auf einen Zehntelmillimeter vom Asbest befreit. «Das ist wenig», sagt Schadstoffexperte Walter Hiltpold, «aber viel zu viel, um es einfach so abzuschleifen.» Darum erfordert die Sanierung von «Asbestbauten» besondere Schutzmassnahmen. Gearbeitet wird nur mit speziellen Filtern und Schutzanzügen. Künstlich erzeugter Unterdruck hält den Asbeststaub während der Arbeiten im Gebäude. In der Lunge eines Menschen kann eine Asbestfaser auch 40 Jahre später tödlich wirken.

Hundert Asbesttote zählt die Schweiz jährlich, schätzt die Suva. Weltweit sind es etwa 100000. Die Suva geht davon aus, dass im Baselbiet rund 200 Spritzasbest-Gebäude stehen. Die Autorin Maria Roselli schätzt in ihrem Buch «Die Asbestlüge», dass bis zu 80 Prozent sämtlicher Gebäude in der Schweiz in irgendeiner Form asbestbelastet sind. Die Gefahr – ob für Hand- oder Heimwerker – ist also immens.

Gefahrengebäude im Umbaualter

«Baugesuche mit Um- oder Rückbauten älterer Gebäude bis Baujahr 1990 werden konsequent auf die Asbestproblematik geprüft», sagt Roland Bono vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie. Von tickenden Zeitbomben will Bono aber nichts wissen. Natürlich kämen die fraglichen Gebäude mehr und mehr ins Umbaualter, doch mit den heutigen Standards werde man der Herausforderung Meister. «Und die dringenden Spritzasbest-Sanierungen wurden bereits durchgeführt», ergänzt er. Zu den Kosten kann er nichts sagen. Ein Beispiel: Die Asbest-Sanierung des Gymnasiums Liestal vor zwei Jahren verschlang über fünf Millionen Franken.

Derzeit werden sämtliche Gebäude in Kantonsbesitz, die bis 1990 gebaut wurden, auf Schadstoffe geprüft. Bis Ende Jahr sollen alle Gebäude erfasst sein. Qualitativ könne er noch keine Aussage machen, gibt Daniel Longerich vom Hochbauamt zu bedenken, «ausser so viel: Wir haben es im Griff.»