Laufen
2019 ist Schluss mit Biomill – ob es dann weitergeht, ist noch nicht klar

Das Team des beliebten Konzertlokals Biomill hört im Sommer 2019 auf. «Die einst blühende Rockszene im Laufental ist fast völlig weggebrochen», bedauert Manfred Lindenberger, Kopf des siebenköpfigen Teams.

Dimitri Hofer
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Die Band «Itchy Poopzkid» 2015 bei ihrem Auftritt in der Biomill.

Die Band «Itchy Poopzkid» 2015 bei ihrem Auftritt in der Biomill.

Florian Cueni

Dass das Laufental auf der regionalen Rock-Landkarte vorkommt, ist vor allem das Verdienst der Biomill. Mit der Gründung des Konzertklubs im Jahr 2004 etablierte sich eine Szene, aus der viele Bands hervorgingen. Ein ehrenamtliches Team gab ihnen die Möglichkeit zu ersten Auftritten. Man holte aber auch immer wieder internationale Grössen nach Laufen.

Momentan macht das Lokal, das sich auf einem ehemaligen Industrieareal befindet, eine längere Sommerpause. Die Verantwortlichen nutzten die freie Zeit, um gemeinsam zu besprechen, wie es mit der Biomill weitergehen soll. «Wir haben uns entschieden, noch zwei Saisons anzuhängen und dann aufzuhören», erklärt Manfred Lindenberger, Kopf des siebenköpfigen Teams und seit Beginn dabei. Im Sommer 2019 ist Schluss mit dem Club in der heutigen Form. Zuvor hat man aber vor, nochmals richtig Gas zu geben und damit an die besten Zeiten anzuknüpfen.

Alle arbeiten unentgeltlich

Diese liegen – das muss erkennen, wer das Lokal seit längerem verfolgt – ganz klar in der Vergangenheit. «Die einst blühende Rockszene im Laufental ist fast völlig weggebrochen», bedauert Lindenberger.

Das Team habe die Biomill damals als Club für alternative Rockmusik gegründet. Leider müsse man feststellen, dass die Besucher in letzter Zeit häufiger als früher den Konzerten fernbleiben. Deshalb haben die Organisatoren angefangen, auch Rap-Künstler auftreten zu lassen.

So standen schon Müslüm, Steff la Cheffe und «Brandhärd» auf der Bühne der einstigen Tierfutter-Fabrik. Auch mit regelmässig stattfindenden Partys bessern die Biomill-Macher die Kasse auf. «Schliesslich wollen wir die Gruppen, die bei uns spielen, ordentlich bezahlen.» Das ist, auch wenn sich die Einnahmen in überschaubarem Rahmen halten, Ehrensache.

Kommt hinzu, dass der Aufwand für das kleine Team nicht zu unterschätzen ist. Für die Vorbereitungen, die Durchführung der Veranstaltungen und das Putzen danach geht jeweils fast das ganze Wochenende drauf. «Klar lieben wir, was wir tun. Aber wir opfern schon sehr viel Freizeit für die Biomill», sagt Lindenberger. «Und das alles unentgeltlich.» In den letzten Jahren organisierte das Team durchschnittlich knapp zehn Anlässe pro Saison.

Party bis in den frühen Morgen

2019 kann man das 15-Jahr-Jubiläum feiern – laut Manfred Lindenberger ein perfekter Zeitpunkt, um abzutreten. «Wir hören nicht im Frust auf, sondern sind stolz darauf, was wir alles erreicht haben», stellt er klar. Die schönsten Erinnerungen hat er an den zweiten Auftritt der finnischen Hardcore-Band «Disco Ensemble» im Jahr 2008 in Laufen. «Damals erlebte der Laufentaler Wahnsinn seinen Höhepunkt», sagt der Biomill-Chef. Ein Konzertbesucher sei während der Show auf die Bühne geflogen und habe beim Aufprall einen Zahn verloren.

Manfred Lindenberger (ganz links) und das derzeitige Team der Laufner Biomill. Auf dem Foto fehlt das siebte Mitglied, Roland Mamie.

Manfred Lindenberger (ganz links) und das derzeitige Team der Laufner Biomill. Auf dem Foto fehlt das siebte Mitglied, Roland Mamie.

Zur Verfügung gestellt

Auch die beiden renommierten Bands «And You Will Know Us By The Trail Of Dead» und «Blackmail» liessen das Lokal an der Birs aus allen Nähten platzen. 300 Zuhörerinnen und Zuhörer sorgten für ausufernde Konzerte, deren After Partys bis in die frühen Morgenstunden dauerten. Vor einigen Jahren wurde das Team der Biomill für sein Engagement mit dem Baselbieter Kulturpreis ausgezeichnet.

Zum Abschluss in zwei Jahren möchte sich Manfred Lindenberger einen Traum erfüllen und mindestens eine grosse amerikanische Punkrock-Band nach Laufen holen. «Auf meiner Liste stehen drei Gruppen, die mich sehr beeinflusst haben. Eine davon muss bei uns auftreten – da lasse ich nicht locker.» Um welche Bands es sich handelt, möchte der 43-Jährige aber nicht verraten.

Dasselbe gilt für die Zeit nach dem Abgang des aktuellen Teams. «Wir sind alle interessiert daran, dass die Biomill auch in Zukunft ein alternativer Rockklub bleibt.» Es gebe diesbezüglich bereits Pläne, über die er aber erst rede, wenn sie spruchreif seien. Wahrscheinlich könne er schon bald mehr erzählen.

Nächste Veranstaltungen: 21. Oktober: Plattentaufe «The Möles», 25. November: «Lovebugs», 31. Dezember: Silvesterparty