Liestal
29-jährige Bäuerin wird vom eigenen Stier angegriffen und getötet

Ein tragischer Unfall ereignete sich auf einer Weide eines Liestaler Bauernhofs. Eine junge Bäuerin wurde von einem dreijährigen Stier, der zum Hof gehört, angegriffen und tödlich verletzt.

Leif Simonsen
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Weshalb der Stier die Frau angriff, ist noch unklar. (Symbolbild)

Weshalb der Stier die Frau angriff, ist noch unklar. (Symbolbild)

Keystone

Die Liestalerin hatte keine Chance. Noch auf der Unfallstelle starb die 29-jährige Bäuerin am Montagmorgen, nachdem sie von einem Stier angegriffen worden war. Das dreijährige Tier brachte schon eine Tonne auf die Waage. Auf welchem Bauernhof sich die Tragödie ereignete: Dazu will die Polizei nichts sagen - aus «Pietätsgründen», wie es heute in der Medienmitteilung hiess. Die Polizei schreibt lediglich, dass mehrere Personen durch das kantonale Care-Team psychologisch betreut werden mussten. Auch über den Unfallhergang hüllte sich die Polizei in Schweigen: Dieser sei noch Gegenstand von Ermittlungen.

Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei, sagte auf Anfrage, dass ihm im Kanton kein vergleichbarer Fall in den letzten Jahren bekannt sei. Dass mit Stieren nicht zu spassen ist, zeigt aber ein Blick über die Kantonsgrenzen hinaus. Am 16. August starb im ostschweizerischen Bichwil/Oberuzwil ein 71-Jähriger, als er einen Stier von der Weide in den Stall zurückführen wollte. Im Ostschweizer Dörfchen nahm sich ein Jäger dem durchgedrehten Stier an. Das Liestaler Tier, so hat der Besitzer entschieden, soll in den nächsten Tagen eingeschläfert werden. Der Kantonstierarzt Ignaz Bloch wurde darüber informiert.

Schlachten ist unumgänglich

Für Oliver Mahncke, Tierarzt aus Giebenach, ist es unumgänglich, das Tier zu schlachten. «Wenn das Tier einmal den Respekt vor Menschen verloren hat, dann wäre es unverantwortlich, das Tier am Leben zu halten.» Ohne den konkreten Fall beurteilen zu wollen, spricht er davon, dass immer etwas passieren könne. «Die Sorgfaltspflicht muss immer erfüllt sein.» Markus Dettwiler vom Hofgut Farnsburg in Ormalingen bemüht eine alte Bauernweisheit: «Traue nie einem Landjäger oder einem Muni.» Wann und warum ein Tier durchdreht, ist schwer zu sagen. Dettwyler betont, dass mehrere Gründe den Ausschlag geben können. Ist ein Stier etwa angebunden, sei er vergleichbar mit einer «gespannten Feder». Die im Freien gehaltenen Tiere könnten ihren Launen viel besser Luft machen. Ohnehin sieht Dettwiler die grösste Gefahr bei angebundenen Stieren oder bei solchen, die sich einem Nebenbuhler gegenüber sehen. Im Umgang mit einem Stier, betont Dettwiler, sei es wichtig, den Chef zu markieren. «Abrennen ist ein falsches Signal. Man muss probieren, das Tier in die Schranken zu weisen.» Konkret: Sollte es mal brenzlig werden, muss man sich gross machen, auf das Tier zugehen und sich einen Fluchtweg offen halten. Zudem sollte man laut sein, um das Tier einzuschüchtern.

Dass die Stiere sich aber durch spezielle Farben wie rot irritiert fühlten, tut Dettwiler als «Ammenmärchen» ab. «Die Tiere erkennen die Unterschiede zwischen den Farben kaum.»