Endress und Hauser
4.0 Technologien: Der Reinacher Tech-Gigant E+H baut aus

Die Hightech-Messgeräte von Endress und Hauser sind immer mehr auch Datenverarbeiter. Tablets und Smartphones werden immer öfter zum verlängerten Arm für Mässgeräte.

Stefan Schuppli
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Die Digitalisierung eröffnet auch in der Prozessautomatisierung neue Möglichkeiten. Hier ein Tablet-Computer mit einer kabellosen Verbindung zum Messgerät.

Die Digitalisierung eröffnet auch in der Prozessautomatisierung neue Möglichkeiten. Hier ein Tablet-Computer mit einer kabellosen Verbindung zum Messgerät.

zvg

Neue auf dem Internet basierende Technologien verändern unseren Alltag, teils schleichend, teils in Sprüngen. Auch in der Industrie sind plötzlich Dinge möglich, die man bis vor kurzem für unrealistisch gehalten hätte.

So werden Tablets oder Smartphones zu einem «verlängerten Arm» eines Messgeräts, spezielle Programme analysieren die Daten und zeigen gleichzeitig, wie Messgeräte kostengünstiger oder optimaler gewartet werden können. Daten können kabellos via Bluetooth abgefragt und fernab des eigentlichen Geräts auf einem Server («Cloud») gespeichert werden.

Spezialisierte Abteilungen

Bei Endress+Hauser (E+H) werden solche sogenannten 4.0-Technologien entwickelt, und zwar sehr praxisbezogen. E+H hat die Prozessautomation in ihrer Division Process Solutions gebündelt. Überdies hat der Reinacher Konzern eine Tochterfirma in Freiburg (D) gegründet, die sich einzig und allein mit Fragen der Digitalisierung der Produktion befasst, «ungestört vom Alltagsgeschäft», wie Firmenchef Matthias Altendorf an der Jahresmedienkonferenz in Basel sagt.

In Berlin tüftelt eine IT-Media-Firma namens Digital Labs an neuen Vertriebswegen. E+H habe schon vor 15 Jahren das erste Mal internetbasierte Technologielösungen angeboten – ohne Erfolg. «Da war die Zeit noch nicht reif», so Altendorf.

Die Währung drückte

Im Branchenvergleich habe sich E+H gut behauptet, stellt Altendorf fest. Doch der Nettoumsatz ging 2016 um 0,2 Prozent auf 2,139 Milliarden Euro zurück. «Die Fremdwährungen haben bei uns im vergangenen Jahr für Gegenwind gesorgt», erklärt CEO Altendorf an der Bilanzmedienkonferenz in Basel weiter. Wechselkurseffekte drückten den Umsatz um 50 Millionen Euro. «In lokalen Währungen haben unsere Verkäufe um 2,1 Prozent zugelegt.» Auch in Schweizerfranken, der eigentlichen Berichtswährung der Dachgesellschaft, stieg der Umsatz um 2,2 Prozent.

Das sei unter den Erwartungen, aber gemessen an der Entwicklung der Branche habe sich E+H gut geschlagen. Das langsamere globale Wirtschaftswachstum und die grundlegenden strukturellen Veränderungen der Weltwirtschaft hätten bei den meisten Firmen der Prozessautomatisierung Spuren hinterlassen. «Trotz guter Konjunktur ist 2016 nur zurückhaltend in Industriegüter investiert worden», berichtet der Firmenchef.
Im vergangenen Jahr war es übrigens genau umgekehrt: Der Umsatz in Euro war wegen den Währungseinflüssen aufgebläht.

Über 13 000 Mitarbeiter

Erstmals ist die Zahl der Mitarbeitenden auf über 13 000 gestiegen, ein Plus von 50 Stellen. Der tatsächliche Zuwachs liegt höher, da bei Analytik Jena durch den Verkauf des Bereichs Optics mehr als 100 Stellen weggefallen sind. In der Region Basel verzeichnete die Firma Ende Jahr praktisch unverändert 5230 Stellen, 1630 davon in Reinach, 3000 in Maulburg (D) und 600 in Hüningen und Cernay (F).

Für das laufende Jahr hat sich Altendorf ein einstelliges Plus beim Nettoumsatz vorgenommen, dazu will das Unternehmen die Rentabilität verbessern. 161 Millionen Euro sollen in neue Gebäude und Anlagen fliessen, weltweit bis zu 150 Stellen neu entstehen. «Derzeit liegen wir im Auftragseingang über Budget.»

Politische Risiken

Das grösste Risiko ortet Altendorf im politischen Umfeld. «Es beschert und so viel Unsicherheit wie schon lange nicht mehr.» Liberalismus hätte einen schwern Stand. Umso mehr freut sich Verwaltungsratspräsident Klaus Endress über den Wahlausgang in Frankreich: «Mit Emmanuel Macron können wir uns wieder auf die Stärkung von Europa konzentrieren, und das ist für uns alle wirklich ein Segen.» Nach den Parlamentswahlen im Juni werde man sehen, welchen Kurs Macron tatsächlich verfolgen wolle.

Im Verwaltungsrat der Gruppe kommt es zu einem Wechsel: Fernando Fuenzalida (74) wird Ende Mai altershalber ausscheiden. Zu seinem Nachfolger hat die Generalversammlung der Endress+Hauser AG den Finanzfachmann Mathis Büttiker bestimmt. Er ist Geschäftsleitungsmitglied der Privatbank Notenstein La Roche.