A2
A2-Abschnitt bei Augst ist gefährlich

Regelmässig kommt es bei der A2-Verzweigung Augst zu Unfällen. Noch sind grössere Ereignisse ausgeblieben. Doch es besteht Handlungsbedarf. Eine Lösung aber zeichnet sich keine ab.

Danel Ballmer
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Rund 100 000 Fahrzeuge frequentieren täglich die Verzweigung Augst, wo die A2 und die A3 (links) zusammenkommen.

Rund 100 000 Fahrzeuge frequentieren täglich die Verzweigung Augst, wo die A2 und die A3 (links) zusammenkommen.

Martin Töngi

«Wir wussten, dass der Autobahnabschnitt nicht wirklich sicher ist, gingen aber davon aus, dass er im akzeptablen Bereich liegt», sagt der Baselbieter Sicherheitsinspektor Rolf Klaus. «Man war sich bisher des dortigen Risikos nicht so richtig bewusst.» Doch nun zeigt sich: Der A2-Abschnitt im Unterabschnitt der Verzweigung Augst liegt im «nicht akzeptablen Bereich». Das ist dem Jahresbericht des Sicherheitsinspektorats Baselland zu entnehmen, der dieser Tage erschienen ist. Der Abschnitt wurde vom Bundesamt für Strassen (Astra) nach einer Prüfung der Teilstrecke von der Verzweigung Hagnau bis zur Verzweigung Augst als «nicht tragbar» beurteilt.

«Es knallt dort sehr oft, bleibt aber glücklicherweise meist bei Sachschaden», bestätigt Klaus. «Eigentlich ist das schon fast der Normalzustand. Die Polizei meldet die Unfälle gar nicht mehr.» Sie seien allerdings durchaus staurelevant. Tatsächlich liegt die Unfallrate bei der Verzweigung Augst um das 20-Fache über dem Schweizer Mittelwert. «Das Problem ist also weniger das Schadenausmass, als vielmehr die Häufigkeit», fasst Sicherheitsinspektor Klaus zusammen. «Bisher ist es zum Glück nicht zu einem grösseren Ereignis gekommen.» Doch das muss nicht so bleiben: «Es muss nur einmal ein voll besetzter Reisecar oder ein Tankwagen involviert sein», ist sich Klaus bewusst.

Von der A2 und von der A3 kämen an diesem «gefährlichen Knotenpunkt» in Fahrtrichtung Basel jeweils drei Spuren zu insgesamt sechs Fahrspuren zusammen. Hinzu kommt in diesem Abschnitt die Ausfahrt Liestal/Augst. «Die Stelle ist unübersichtlich, was zu einer überdurchschnittlichen Risikorate führt», erklärt Klaus. «Das Problem ist vor allem aber auch die Frequenz, die in diesem Streckenabschnitt sämtliche Dimensionen sprengt.» Täglich brausen dort rund 100 000 Fahrzeuge durch.

Rund 330 Gefahrenguttransporte täglich

Hinzu komme ein hoher Anteil an Gefahrenguttransporten, ergänzt Astra-Sprecherin Esther Widmer von der zuständigen Filiale Zofingen. Auf der A2 Basel-Augst verkehren täglich rund 330 Gefahrenguttransporte mit explosiven oder flüchtigen giftigen Stoffen wie Benzin oder Chlorgas. Das alles zusammengefasst führe zu einem «untragbaren Risiko». Konkret hat die Risikoanalyse des Astra aufgezeigt, dass für das Risiko einer schweren Schädigung von Personen Brandereignisse im Fokus stehen. Die Schadenausmasse sollten sich auf die Verkehrsteilnehmer selber beschränken.

Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen seien bereits bei der umfassenden Sanierung Basel-Augst vor der Euro 08 ergriffen worden. So wurden etwa neue Leitplanken installiert oder Temporeduktionen eingeführt. «Nach einer ersten Grobanalyse hat sich die Situation damit entschärft», sagt Astra-Sprecherin Widmer. Klaus sieht das anders: «Das Risiko ist kaum vermindert worden.» Und die Möglichkeiten für weitere bauliche Massnahmen zur Risikominderung seien mittlerweile eingeschränkt. Ebenfalls nicht zu erkennen seien zusätzliche Massnahmen zur Steuerung des Verkehrsflusses. Und Verkehrsbeschränkungen seien auf einem solch wichtigen Streckenabschnitt erst recht nicht möglich.

Risikosenkende Massnahmen sind dennoch zu evaluieren und umzusetzen. Mit einer vertieften Analyse der Unfallursachen sollen damit auch die Gründe für die hohe Unfallrate ermittelt werden. Bis Ende Jahr erarbeitet die Astra-Filiale Zofingen eine detaillierte Studie. «Wir hoffen, dass vielleicht doch noch eine Lösung zu finden ist, wenn wir die Ursachen für die Unfälle kennen», sagt Sicherheitsinspektor Klaus. «Denn irgendetwas müssen wir ja machen, bevor noch etwas Schlimmeres passiert.»