Baselbiet
Ab April kommt der Arzt per Video in die Apotheke

Die digitale Revolution macht auch vor den Apotheken nicht halt. Ab April kann in 200 Apotheken in der Schweiz bei Bedarf ein Arzt per Video zugeschaltet werden. Im Baselbiet haben sich 19 Apotheken dem Projekt angeschlossen.

Leif Simonsen
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Netcare-Apotheker bieten künftig ein separates Sitzungszimmer für eine Arztkonsultation an.Keystone

Netcare-Apotheker bieten künftig ein separates Sitzungszimmer für eine Arztkonsultation an.Keystone

Zwei Jahre soll dieses Pilotprojekt gestestet werden. Nicht zuletzt hofft man, damit die steigenden Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen – die Untersuchung ist in der Apotheke günstiger als auf den Notfallstationen.

Schulungen für die Apotheker

Im Baselbiet haben sich alle 13 Toppharm-Apotheken sowie sechs weitere Apotheken dem Projekt Netcare angeschlossen – im Vergleich zu den 200 im ganzen Land überproportional viele. Ausser im Leimental können Patienten sich nun in allen Kantonsteilen so ärztliche Hilfe holen. Von der Arbogast Apotheke in Muttenz über die Apotheke Kunz in Aesch bis hin zur Apotheke Gmünder in Bubendorf. Urs Gmünder, Besitzer der Apotheke in Bubendorf, ist gleichzeitig Präsident des Basellandschaftlichen Apothekerverbands. Er sieht Netcare als gute Ergänzung zu den Hausärzten: «Wir haben keine Betriebsferien und samstags geöffnet.»

Eine gute Alternative sei es zudem, weil heute viele keinen Hausarzt mehr hätten. Das Prinzip ist derweil einfach: Kommt ein Patient mit einem Hexenschuss, Kopfweh oder Hauterkrankungen in die Apotheke, wird dort entschieden, ob der Arzt konsultiert werden soll. Dieser könnte dann über Videokonferenz zugeschaltet werden. «Natürlich alles unter Wahrung des Patientengeheimnisses», erklärt Gmünder. «Das findet in separaten Räumlichkeiten statt und nicht etwa mitten in der Apotheke.» Für die Netcare-Apotheker selbst stehen nun Schulungen an. Gmünder weilte gestern an einem Seminar für Analgesie, im März steht Asthma auf dem Programm, es folgen Hautkrankheiten und MagenDarm-Beschwerden.

Hausärzte sind stehen Modell kritisch gegenüber

Die Hausärzte stehen dem neuen integrierten Versorgungsmodell kritisch gegenüber. Eine solche Videokonsultation sei «nicht im geringsten gleichwertig wie der persönliche Kontakt der Ärzte zu den Patienten», sagt Reto Wiesli, Geschäftsführer der Hausärzte Schweiz. «Für eine Diagnose fehlt den Apothekern schlicht die Kompetenz», fügt er an. Daran würden auch die Seminare nichts ändern. Wiesli sieht in Netcare auch eine Reaktion der Apotheker auf den zunehmenden Druck auf ihren Berufsstand: «Sie suchen sich auch ihr Plätzchen», sagt er.

Gmünder weist allerdings von sich, den Hausärzten mit Netcare die Kompetenzen streitig zu machen. Er erklärt ausdrücklich: «Ich betrachte das nicht als Konkurrenz zum Hausarzt; es ist lediglich ein ergänzendes Angebot in einzelnen Fällen.»