Birsfelden
ABB eröffnet Montagehalle im Hafen

Bis zu 400 Tonnen schwere High-Tech-Motoren montiert die ABB künftig in Schiffs-Reichweite. Denn die Anlieferung der bis zu 6,5 Meter breiten und 80 Tonnen schweren Einzelteile bietet auf der Strasse Probleme.

Daniel Haller
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Kohle, Kies und Schrott: Das Image des Birsfelder Hafens ist eher «dreckig». Auch die Tanks im Auhafen sind mehr Notwendigkeit als Zierde. Umso mehr schwang Stolz mit, als Rolf Vogt, CEO Birs Terminal, gestern verkünden konnte, dass mit ABB erstmals ein Produzent der Elektro- und Maschinenindustrie sich mit einer 3000 Quadratmeter grossen Montagehalle im Birsfelder Hafen ansiedelt.

Der Badener Elektrokonzern wird dort getriebelose Mühlenantriebssysteme montieren. «Diese bestehen aus einer grossen zylindrischen Trommel mit einem Durchmesser von bis zu 12 Metern und kommen bei Zementmühlen ebenso zum Einsatz wie in Kupfer-, Gold- und Eisenerzminen. Eine 12-Meter-Mühle entwickelt eine Leistung von 21-26 Megawatt, eine Drehzahl von 9 Umdrehungen pro Minute und eine Mahlkapazität von mehreren Tausend Tonnen Erz pro Stunde», erläutert ABB-Sprecher Lukas Inderfurth.

Die bis zu 400 Tonnen schweren Maschinen müssen möglichst in Wassernähe montiert werden. Denn bereits die Anlieferung der bis zu 6,5 Meter breiten und 80 Tonnen schweren Einzelteile bietet auf der Strasse Probleme. Diese sollen künftig ebenso per Schiff angeliefert werden, so wie man die fertig montierten Ringmotoren auf dem Rhein innerhalb von drei Tagen nach Antwerpen oder Rotterdam transportieren will, wo sie auf Hochseeschiffe umgeladen werden. Für die 120Meter Distanz im Hafen zwischen Quai und Halle kommt ein Spezialfahrzeug zum Einsatz.

Die von Vogt genannte Zahl von rund 40 Arbeitsplätzen, die dafür in der Region entstehen sollen, will Inderfurth noch nicht bestätigen: ABB werde die Halle erst im Herbst, wenn sie fertig eingerichtet ist, der Öffentlichkeit vorstellen.

Standort- und Verlagerungspolitik

An der Medienkonferenz der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft legte Hans-Peter Hadorn, Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen, das Selbstverständnis dar: «Den eigentlichen Umschlag überlassen wir den privatwirtschaftlichen Logistikunternehmen im Hafen. Wir betreiben Förderung des Wirtschaftsstandorts ‹Hafen› sowie des Werkplatzes und treiben die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf Schiff und Bahn voran.» In diesem Sinn können die Hafenbetreiber auf eine Reihe realisierter und geplanter Projekte verweisen:

Indem man den Schrott im Hafen auch von Lastwagen auf Pendelzüge nach Gerlafingen umlädt, lassen sich Lastwagenfahrten vermeiden. Bezüglich der Reklamationen aus Grenzach (bz berichtete) stellte Hadorn fest, das Lärmmonitoring habe ergeben, dass man die gesetzlichen Grenzwerte einhalte.

Durch den Einsatz eines besonders leistungsfähigen Krans im Auhafen kann man die Liegezeit der früher in St. Johann gelöschten Getreide- und Düngerschiffe verkürzen. Für die
St.-Johann-Verlagerung hat Ultra-Brag 120 Millionen Franken investiert, davon zwei Drittel im Baselbiet.

Eine Studie soll zeigen, ob auch Schiffe bis 135 Meter Länge durch das nautisch schwierige Rheinknie nach Birsfelden fahren könnten. Heute sind 110 Meter die Regel.

In Planung ist, die vom Muttenzer Rangierbahnhof her erschlossene Hafenbahn mit den Gleisen in Schweizerhalle zu verbinden. Dies soll die Leistungsfähigkeit der an ihre Grenzen stossenden Hafenbahn steigern.