Abrissbirne
Neue Hoffnung für Heimatschutz: Eigentümer sollen sich nicht mehr über Denkmalschutz hinwegsetzen dürfen

Im Baselbiet dürfen Eigentümer ihr Gebäude abreissen, auch wenn Kanton oder Gemeinde es für schützenswert halten. Doch ein Bundesgerichtsentscheid aus dem Kanton Zug könnte dies ändern.

Michel Ecklin
Drucken
Teilen
Die Besitzer des Freidorfs in Muttenz sträuben sich derzeit gegen eine Unterschutzstellung. Das könnte in Zukunft weniger Gewicht haben.

Die Besitzer des Freidorfs in Muttenz sträuben sich derzeit gegen eine Unterschutzstellung. Das könnte in Zukunft weniger Gewicht haben.

Kenneth Nars

Der Baselbieter Heimatschutz schöpft neue Hoffnung. In den vergangenen Jahren wurden viele Gebäude, die er für schützenswert gehalten hätte, abgerissen – «und wir konnten nichts machen», sagt Hansjörg Stalder, Vorstandsmitglied des Heimatschutzes. Ein entscheidender Grund dafür ist, dass gemäss kantonalem Gesetz die Liegenschaftsbesitzer faktisch ein Vetorecht haben: Wenn sie ihr Gebäude nicht unter Denkmalschutz stellen lassen wollen, müssen sie das auch nicht akzeptieren. Stalder sagt:

«Für einen stärkeren Schutz fehlen schlicht die gesetzlichen Grundlagen.»

Doch ein neulicher Bundesgerichtsentscheid aus dem Kanton Zug könnte Auswirkungen auf diese Regelung im Baselbiet haben. Die Richter hoben nämlich eine Bestimmung vollständig auf, wonach weniger als 70 Jahre alte Gebäude nur mit der Zustimmung der Eigentümer geschützt werden darf. Stalder sagt:

«Wir überlegen uns jetzt, wie wir diesen Entscheid aufs Baselbiet anwenden können.»

Konkret heisst das: Das Vetorecht soll weg. Der Heimatschutz setzt dabei weniger auf eine Änderung des Gesetzes, denn das wäre «gefährlich», wie Präsident Ruedi Riesen betont. Wird nämlich das ganze Gesetz politisch aufgeschnürt, besteht die Gefahr, dass Elemente eingebaut werden, an denen der Heimatschutz weniger Freude hätte.

Deshalb hofft der Heimatschutz auf einen Meinungsumschwung in der kantonalen Verwaltung. «Die Spitzen der Bau- und Umweltschutzdirektion und des Amts für Raumplanung sind in den vergangenen Jahren neu besetzt worden», sagt Stalder. «Sowohl Isaac Reber als auch Thomas Waltert haben viel Sinn für Baukultur.» Man wolle unterstützend wirken und nicht die Konfrontation suchen. Das Baselbiet ist laut Riesen einer der ganz wenigen Kantone der Schweiz, die ein Vetorecht der Eigentümer kennt.

Aktuelle Nachrichten