Abstimmung
«Habe kurz geweint»: Grosses Wundenlecken in Aesch

Nach dem Nein zum Dom beginnt das Rätselraten über die Gründe – derweil gibt es erste Alternativvorschläge für das abgelehnte Hallenprojekt.

Benjamin Wieland
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Auch Aeschs Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher trauert dem Nein zum Dom-Projekt nach.

Auch Aeschs Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher trauert dem Nein zum Dom-Projekt nach.

Kenneth Nars

«In manchen Fällen bin ich ein schlechter Verlierer. Die Ablehnung des Aescher Doms macht mich als Sm’Aesch-Pfeffingen-Fan fertig!» Yves Krebs enervierte sich am Montag auf Twitter über das Aus für die Kultur- und Sporthalle. Mit 59 Prozent Nein-Anteil war der Investitionskredit abgelehnt worden – was auch den erwähnten Volleyball-Klub enttäuscht. «Abgesehen von der für den Vereinssport unbrauchbaren Joggelihalle», schrieb Yves Krebs auf dem Kurznachrichtendienst, «haben wir in der ganzen Region keine einzige Halle für internationale Spiele.» Das sei ein Armutszeugnis für Baselland, aber auch für Basel-Stadt, ist der Oberwiler GLP-Landrat überzeugt.

Genau mit diesem Argument – es gebe in der Region ansonsten keine Halle in dieser Grösse – hatte auch John Häfelfinger, CEO der Basellandschaftliche Kantonalbank, die Bereitschaft der Bank begründet, den Dom mit einer Million Schweizer Franken zu sponsern. Die St.Jakobshalle sei für viele Anlässe zu gross, sagte Häfelfinger im Interview mit der bz. Ebenso sei sie häufig belegt. Die etlichen Kultur- und Sporthallen im Baselbiet, die Kuspos, sind für die BLKB offenbar zu klein. Und bieten in den Augen der Bank wohl auch nicht den richtigen Rahmen für ihre Events.

«Als ich das Resultat sah, habe ich kurz geweint»

Bei Marianne Hollinger herrschte nicht Wut, sondern Trauer vor. Die ersten Dom-Planungen reichen noch in ihre Zeit als Gemeindepräsidentin zurück. Hollinger traf sich am Sonntagnachmittag beim Klubhaus des FC Aesch mit anderen Dom-Befürwortern und mit Gemeinderatsmitgliedern, ebenfalls anwesend war Christoph Häring, Verwaltungsratspräsident der Häring & Co. AG, die den Dom hätte bauen sollen.

«Als Politikerin habe ich mir geschworen: Ich weine nie – egal was passiert», sagte Hollinger bei ihrer kurzen Ansprache. «Doch als ich das Abstimmungsresultat sah, habe ich doch kurz geweint.»

Vorschlag der SP: «Haus der Vereine»

Sie könne ein Nein akzeptieren, sagte die Landratspräsidentin 2013/14. «Aber irgendwie habe ich das Gefühl, mein Aesch zu kennen. Und ich glaube nicht, dass jetzt im Dorf, mit Ausnahme der Dom-Gegnerschaft, eine Euphorie herrschen würde, im Sinne von: ‹Hurra, wir haben den Dom gebodigt!›»

Sie erkläre sich die hohe Ablehnung als Zeichen der Zeit, bei etwas Visionärem einfach einmal Nein zu sagen.

«Dass man sich so schwertut mit Fortschritt, macht mir zu schaffen.»

Das Referendumskomitee hat bereits auf den Vorwurf, es verhindere nur, reagiert. Es publizierte eine Stellungnahme, in der es heisst, Aesch werde wegen des Neins nicht untergehen. Doch für eine mehrheitsfähige Lösung brauche es alle: Haben wir die Grösse und einen wahren Charakter, dann wird uns diese Abstimmung und die ganze Auseinandersetzung näherbringen. Alles andere würde nur zeigen, dass es um persönliche Interessen ging und nicht um das Wohl von Aesch.»

Trotz allem herrschte eine gute Stimmung beim Pro-Dom-Lager.

Trotz allem herrschte eine gute Stimmung beim Pro-Dom-Lager.

bwi

Die SP Aesch wiederum, die Stimmfreigabe beschlossen hatte, schlug noch am Abstimmungssonntag eine Alternative vor: Ein «Haus der Vereine» im Ortszentrum, das auch Raumbedürfnisse von Schulen abdecken könne. Für die Sportvereine wiederum sei ein Ausbau der Infrastruktur im Gebiet Löhrenacker anzustreben.

Die Aescher Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher hatte schon am Sonntag klargestellt, dass es derzeit keine alternativen Projekte gebe, die man reaktivieren könne. Die Variante mit zwei Standorten – Kultursaal im Dorf und Sporthallen beim Löhrenacker – habe man bewusst nicht weiterverfolgt: «Einen Standort im Dorf fände ich wunderbar», sagte Sprecher am Abstimmungssonntag. «Aber die Punkte Lärm und Verkehr sprechen dagegen. Wir haben das wirklich gut abgeklärt.»

Der FC bräuchte Garderoben, der Trachtenverein eine Bühne

Im Dom wären auch Garderoben für den FC Aesch unterkommen. Der Klub rief seine Mitglieder dazu auf, ein Ja in die Urne zu legen. Er muss nun über die Bücher.

Martin Studer, Präsident des Trachtenvereins Dorfbühni Aesch, sagt, es sei «sehr schade», dass der Dom nicht komme. Der Trachtenverein benötige schon lange einen neuen Veranstaltungsort für seine jährliche Theateraufführung, denn der Pfarreisaal sei dafür zu klein geworden. «Der Dom wäre für uns wirklich ideal gewesen.»

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