Uf der Höchi
Abstimmungskampf in Arlesheim: Hintermann zieht die Notbremse

Morgen stimmt Arlesheim über den Quartierplan «Uf der Höchi II» ab. Gegner des Bauprojekts haben dieses mit dem Namen einer Firma bekämpft, die davon offenbar nichts wusste. Delikat: Es ist die Firma von Urs Hintermann, dem Gemeindepräsidenten von Re

Benjamin Wieland
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Ein Mitinhaber der Hintermann & Weber AG weibelte im Namen der Firma gegen ein Bauprojekt in Arlesheim.

Ein Mitinhaber der Hintermann & Weber AG weibelte im Namen der Firma gegen ein Bauprojekt in Arlesheim.

Kenneth Nars

Urs Hintermann, der SP-Gemeindepräsident von Reinach, tritt die Flucht nach vorne an: «So etwas hätte nicht passieren dürfen - sorry!». So betitelt er den jüngsten Beitrag in seinem persönlichen Blog.

Grund für seine Entschuldigung: Felix Berchten, Mitinhaber der Hintermann & Weber AG (HW), hat mit dem Namen der Firma ein Bauprojekt in Arlesheim bekämpft. Delikat an der Angelegenheit ist die Vermischung von privaten und geschäftlichen Interessen. Berchten ist Anwohner des Geländes, das überbaut werden soll - und somit vom Projekt direkt betroffen.

Und: Berchten handelte offenbar ohne das Wissen der Geschäftsleitung. Hintermann beteuert, er habe keine Kenntnis gehabt von den «unzulässigerweise im Namen der Firma gemachten, ablehnenden Äusserungen», wie er im Blog schreibt. Ausserdem sei er seit rund einem Jahr nicht mehr in der Geschäftsleitung tätig, er arbeite jedoch als Projektleiter weiterhin bei HW.

Mit Firmenlogo geweibelt

Auch der bz liess Hintermann eine Stellungnahme zukommen. Darin räumt er ein, dass «die beiden Rollen als Gutachter und Anwohner leider nicht klar getrennt» worden seien. HW sei eine unabhängige Beratungsfirma in Umweltbelangen. Sie mische sich grundsätzlich nicht in politische Abstimmungen ein. «Das Unternehmen bedauert diese Panne ausserordentlich.» Felix Berchten wollte sich gestern zur Angelegenheit nicht mehr äussern.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Berchten, als er an Versammlungen von lokalen Parteien und Vereinen Folien verwendete, auf welchen das HW-Logo klar erkennbar war. HW hatte diese als Auftragnehmerin ausgearbeitet. Darin ging es um die möglichen Auswirkungen der Überbauung auf Ökosysteme - nicht jedoch um die Abstimmung an sich.

Der Interessenkonflikt besteht auch deshalb, weil Berchten im Vorstand des Zweckverbunds Wohnen am Schwinbach sitzt. Der Verbund vertritt in erster Linie Anwohner in der Nachbarschaft der geplanten Überbauung. Diese wehren sich gegen den Quartierplan Uf der Höchi II. Auf dem Gelände will die Grundeigentümerin, die Steiner AG, neun Häuser mit insgesamt 44 Wohnungen errichten. Über die Vorlage entscheidet die Gemeindeversammlung morgen.

Plakat-Aktion auf beiden Seiten

«Ich habe mich schon sehr gewundert über die Folien mit dem HW-Firmenlogo», sagt Urs Leugger. Er ist Landrat und Co-Präsident von Frischluft, einer Lokalpartei, die mit den Grünen zusammenarbeitet. Berchten, selber Frischluft-Mitglied, sei an der Parteiversammlung von Ende Mai aufgetreten, um die Besucher von den Nachteilen des Quartierplans zu überzeugen.

Leugger dachte zuerst an ein Versehen. Als er vernahm, dass die Folien auch andernorts aufgetaucht seien, ging er jedoch von einem planmässigen Vorgehen aus. «Ein Teil der Motivation für dieses Handeln könnte darin liegen, dem - an sich völlig legitimen - Anliegen einen offiziellen, seriösen Anstrich zu verleihen.» Bei den Frischluft-Mitgliedern fruchtete dies nicht: Eine Mehrheit votierte für die Annahme des Quartierplans.

Wenn zwei dasselbe tun ... bei der Überbauung «Uf der Höchi II» sind sich die Grafiker uneinig.

Wenn zwei dasselbe tun ... bei der Überbauung «Uf der Höchi II» sind sich die Grafiker uneinig.

zvg

Karl-Heinz Zeller, Arlesheimer Gemeindepräsident (Frischluft), war ebenfalls an der besagten Versammlung zugegen. Er will sich zur Angelegenheit nicht äussern, wundert sich jedoch über den aussergewöhnlich grossen Aufwand, der im Vorfeld der Abstimmung betrieben worden ist. Gegner wie Befürworter hängten in der Gemeinde Plakate aus - eine Seltenheit vor Gemeindeversammlungen, wie auch Zeller bestätigt: «Ich kann mich nicht daran erinnern, wann dies zum letzten Mal der Fall gewesen ist.»

Die Versammlung wurde wegen des umstrittenen Geschäfts in die Mehrzweckhalle des Domplatz-Schulhauses verlegt. Diese hat 450 Plätze.

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