Münchenstein
Adil Koller: «Wir wünschen uns jetzt eine öffentliche Debatte»

Die Befürworter eines Einwohnerrates in Münchenstein starten die Kampagne – die Gegner ziehen nicht so recht mit. Das Pro-Komitee möchte eine breite Debatte schaffen und macht sich mit Plakaten und Flyern auf in den Abstimmungskampf.

Boris Burkhardt
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Adil Koller bleibt zurückhaltend: «Es ist total schwierig, unsere Chancen einzuschätzen. Das Ergebnis ist völlig offen.» (Archivbild)

Adil Koller bleibt zurückhaltend: «Es ist total schwierig, unsere Chancen einzuschätzen. Das Ergebnis ist völlig offen.» (Archivbild)

Kenneth Nars

Plakate haben sie drucken lassen, in Grün, mit der schwarzen Silhouette eines Mönches darauf, der den Daumen zum Zeichen der Zustimmung erhebt und in einer Sprechblase sagt: «Ja zum Einwohnerrat! ja zu Münchenstein.» Das Komitee für ein starkes Münchenstein hängte die Plakate bereits diese Woche auf, nicht zu früh, wie Mitglied Adil Koller findet, denn in anderthalb Wochen kämen schon die Abstimmungsunterlagen in die Haushalte: «Viele Leute stimmen dann sofort ab.»

Einsam werden die Plakate der Kämpfer für das Kommunalparlament in Münchenstein bei der Flut an Fusionsplakaten sicher nicht sein – von den Gegnern desselbigen wird aber die kommenden sechs Wochen auf den Strassen nichts zu sehen sein. Denn die SVP, die die Gegenkampagne führt, hat keine Plakate für den Abstimmungskampf gedruckt, wie Stefan Haydn, Co-Präsident der Kommunalsektion, der bz bestätigt.

«Wir machen nicht so ein Wirbel», sagt er: Ein Flugblatt und einige Zeitungsinserate sollen der SVP genügen, um ihre Ansichten zu transportieren. «Wir sind überzeugt, dass die Mehrheit gegen den Einwohnerrat stimmen wird», sagt Haydn offen. Dem Plakat der Befürworter kann Haydn nichts abgewinnen: «Das rentiert sich nicht.»

Koller sieht das naturgemäss anders: «Es ist total schwierig, unsere Chancen einzuschätzen. Das Ergebnis ist völlig offen.» Allein, dass die konservativ dominierte Gemeindeversammlung die Abstimmung beschlossen habe, sei ein «Novum» in Münchenstein: «Es ist schon ausserordentlich, wenn ein Gremium bereit ist, sich selbst abzuschaffen.» Deshalb ist Koller laut eigener Aussage auch etwas «irritiert», dass die Gegenseite kaum in die Kampagne einsteigt: «Wir wünschen uns jetzt eine öffentliche Debatte.»

Das Pro-Komitee habe versucht, eine breite Debatte zu schaffen und hoffe nun auf die Früchte. Weitere Anlässe vor der Abstimmung wären allerdings eher hinderlich, um den Stimmbürger zu erreichen: «Es wird bereits sehr viele Podien zur Fusion geben.»

Adil Koller ist als Mitglied der SP-Geschäftsleitung gerade einmal 21 Jahre jung. Zusammen mit mehreren Gleichaltrigen ist er der Motor der Pro-Kampagne. Im Komitee seien aber Menschen jeden Alters vertreten, versichert er. Deshalb handle es sich beim politischen Streit um den Einwohnerrat «gar nicht» um den Generationenkonflikt, den Haydn offenbar sieht, wie mehrere seiner Kommentare auf Kollers Facebook-Seite nahelegen.

Es werde bei der älteren Bevölkerung sehr geschätzt, dass sich Jugendliche engagieren, versichert Koller aus seinen Erfahrungen. Für die Jugendlichen fühlt er sich dennoch zuständig; alle Münchensteiner unter 30 Jahren werden Anfang September noch einen Brief mit einem Aufruf zur Abstimmung erhalten.