Adress-Harmonisierung
Warum im Baselbiet jetzt auch Garagen eine eigene Adresse brauchen

Im Baselbiet entstehen quasi über Nacht 6000 neue Adressen. Grund ist eine Harmonisierungs-Vorgabe des Bundes. Die Blaulicht-Organisationen freuts, denn künftig wird es kein wichtiges Gebäude mehr ohne Adresse geben.

Benjamin Wieland
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Eine Strassennummer des Typs 21 «Baselland»: Im Landkanton werden im Zuge einer Harmonisierung des entsprechenden Registers tausende Objekte neu eine Nummer erhalten.

Eine Strassennummer des Typs 21 «Baselland»: Im Landkanton werden im Zuge einer Harmonisierung des entsprechenden Registers tausende Objekte neu eine Nummer erhalten.

bz-Archiv

Jedes Gebäude in der Schweiz, dem Land mit den exaktesten Landkarten, ist verzeichnet und besitzt eine eigene, eindeutige Adresse – könnte man meinen. So ist es aber nicht. Tausende Autoeinstellhallen, Reservoire, Unterstände und Kleinbauten waren bislang adresslos und somit für Navigationssysteme nicht auffindbar. Das ist ein karten­kosmetischer Missstand, aber nicht nur: Auch Rettungskräfte sind darauf angewiesen, alle Objekte rasch zu finden.

Seit einer Gesetzesrevision sind die Kantone angewiesen, ihre jeweiligen Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) zu ergänzen und zu harmonisieren. «In Baselland läuft das Projekt seit zwei Jahren», sagt Kantonsgeometer Patrick Reimann zur bz. Und so werden im Landkanton total 6000 neue Adressen erschaffen. Davon gehören 271 zu Autoeinstellhallen, 34 zu Reservoiren sowie 5700 zu Carports, Unterständen, Silos, Kleinbauten und so weiter.

Neue Nummernschildchen sind nicht nötig

Der eine oder andere Liegenschaftsbesitzer wird die Änderung bemerkt haben. Teilweise sind die neuen Adressen bereits in Grundbüchern und amtlichen Kartenwerken eingetragen. Neue Nummernschildchen besorgen und an die Fassade schrauben muss die Eigentümerschaft jedoch keine:

«Für die Beschilderung der Adressen gilt nach wie vor das Prinzip, dass diese nur an Gebäuden mit Postzustellung anzubringen ist»,

schreibt das Amt für Geoinformation Baselland. Wer unbedingt will, darf seine Garage aber wohl trotzdem mit einer Nummer schmücken.

In Baselland ist die Vervollständigung der Gebäudeadressen weit fortgeschritten. «Wir wollen gegen August oder September fertig sein», schreibt der Baselbieter Kantonsgeometer Patrick Reimann. Per Juli 2021 waren im Kanton Baselland bereits 113585 Bauten erfasst.

Wie im Lotto: In Basel-Stadt gibts die Zusatzzahl

Das Amt für Geoinformation war auf die Mitarbeit der Gemeinden angewiesen. Laut Gesetz sind sie es, die Strassennamen bestimmen und die Nummern Gebäuden zuteilen. Somit musste jede der 86 Gemeinden anhand einer Checkliste entscheiden, ob nicht erfasste Objekte eine Adresse erhalten – oder nicht. Von den Kosten der Adressharmonisierung übernimmt das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo 60 Prozent; den Rest teilen sich Kanton und Gemeinden hälftig.

In Basel-Stadt war weniger Aufwand notwendig. Dort haben Nebenbauten schon bisher eine Adresse erhalten – entweder eine eigene oder eine Zusatzzahl zur Adresse des dazugehörigen Wohngebäudes. So war es möglich, dass sowohl die Frobenstrasse 16 existierte als auch die Frobenstrasse 16.1.

Trotzdem wird nun einigen Gebäuden, die bislang eine Zusatzzahl besassen, eine eigene Adresse zugeteilt, schreibt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement auf Anfrage. Der Grund: Im Zuge der Überprüfungen im Rahmen der Harmonisierung sei herausgekommen, dass in rund 200 Objekten neu gewohnt oder gearbeitet werde. Zusatzzahlen seien aber nur bei unbewohnten Bauten erlaubt.