Aesch
Aesch erhält keinen Holz-Tempel: Dom erleidet an der Urne Schiffbruch

Das Aescher Stimmvolk lehnt das Projekt für eine neue Kultur- und Sporthalle mit 59 Prozent Nein-Anteil ab. Die Befürworter klagen über Angstmacherei der Gegnerschaft – das Referendumskomitee sieht sich indes mit seiner Kritik am Dom bestätigt.

Benjamin Wieland 1 Kommentar
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Er kommt nicht: der Aescher Dom.

Er kommt nicht: der Aescher Dom.

Häring & Co. AG

Das Referendumskomitee warb mit Plakaten, auf denen der Dom als eine Art Ufo zu sehen war, welches das Aescher Gemeindewappen zermalmt. Am Sonntag war es genau umgekehrt: Das Aescher Stimmvolk hat den Dom gebodigt, mit einem überraschend hohen Nein-Anteil von 59 Prozent.

Das Projekt für eine neue Kultur- und Sporthalle neben der bestehenden Dreifachhalle Löhrenacker bleibt also chancenlos. Der Souverän verweigert den Investitionskredit von 19,5 Millionen Franken – dabei hatte die Gemeindeversammlung im Juni noch klar Ja gesagt zur Holzkuppel: mit einem Zwei-Drittel-Mehr.

Wundenlecken bei Gemeinderat und Pro-Komitee

«Wir können uns keinen Vorwurf machen», sagt die Aescher Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP) zur bz.

«Wir haben ein tolles Projekt ausgearbeitet, alles gemacht, was wir können – jetzt müssen wir das Resultat akzeptieren.»

Sprecher sieht mehrere Gründe für die hohe Ablehnung. So sei bei der Bevölkerung wegen Corona wohl kein Mut vorhanden, zu investieren.

Rolf Blatter, Co-Präsident des Komitees «Ja zum Dom» und FDP-Landrat, nimmt auch den Gegner in die Pflicht: «Es wurden Gerüchte gestreut: Der Dom werde teurer, es gebe Steuererhöhungen und so weiter. So konnte man das Projekt in den Abgrund reiten: Wenn die Leute Angst haben, sagen sie Nein.»

Das Ja-Komitee für den Dom traf sich beim Klubhaus des FC Aesch. Mit kurzen Reden wurde zur verlorenen Abstimmung ein Fazit gezogen, hier Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher und Befürworter Rolf Blatter.

Das Ja-Komitee für den Dom traf sich beim Klubhaus des FC Aesch. Mit kurzen Reden wurde zur verlorenen Abstimmung ein Fazit gezogen, hier Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher und Befürworter Rolf Blatter.

Kenneth Nars

Extrem hohe Stimmbeteiligung von 57 Prozent

Das Referendumskomitee sieht sich indes bestätigt. Zwar hätte er eine so wuchtige Ablehnung nicht erwartet, sagt Präsident Ueli Siegenthaler auf Anfrage. Was ihn aber noch mehr überrascht habe, sei die hohe Stimmbeteiligung: 57 Prozent.

In der Tat ist das für einen kommunalen Urnengang ein hoher Wert. Man werte das als Zeichen, ergänzt Siegenthaler, der auch die SVP Aesch präsidiert, dass man mit den Bedenken richtig gelegen habe: «Wir konnten die Bevölkerung wachrütteln.» Die Stimmberechtigten hätten klargemacht:

«Sie wollen kein überdimensioniertes Prestigeprojekt, das unsere Finanzen in diesen unsicheren Zeiten über Jahre belastet hätte.»

Allzu euphorisch ist die Stimmung aber auch bei den Dom-Gegnern nicht. So verzichtete das Referendumskomitee auf das Angebot der bz, ein Gruppenfoto zu schiessen, wie das nach Abstimmungen üblich ist – man gibt sich, wie im Abstimmungskampf versprochen, betont konstruktiv.

Siegenthaler: «Das Referendumskomitee hat sich nie gegen neue Räume für Sport und Kultur ausgesprochen, auch nicht gegen neue Garderoben für den FC. Aber wir haben immer gesagt, man solle dezentralere Möglichkeiten prüfen, die man allenfalls in Etappen realisieren könnte.» Man sehe das Nein als klaren Auftrag, die Alternativen weiterzuverfolgen.

Eveline Sprecher: Alternative liegen keine parat

Eveline Sprecher widerspricht. Es gebe nach wie vor keinen Plan B. «Wir waren vom Dom überzeugt.» Der Dom hätte vier Millionen Franken an Drittmitteln generiert – dieses Geld sei grösstenteils verloren. «Die Alternativen, wie auch immer sie aussehen, werden also sicher teurer als der Dom.»

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