aescher dom
Referendums-Komitee gegen den Holz-Dom hat illustre Mitglieder – etwa einen Alt-Regierungsrat

Das Gegenkomitee, welches will, dass das Aescher Stimmvolk über den neuen Dom entscheiden kann, hat zwei Alt-Gemeinderäte in seinen Reihen. Besonders hervor sticht unter den Erst-Unterzeichnern des Referendums Andreas Koellreuter.

Benjamin Wieland
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Blick auf die Aescher «Landsgemeinde»: Die Juni-Gemeindeversammlung wurde erneut unter freiem Himmel durchgeführt.

Blick auf die Aescher «Landsgemeinde»: Die Juni-Gemeindeversammlung wurde erneut unter freiem Himmel durchgeführt.

bwi

Marianne Hollinger war sichtlich genervt. Gleich nach dem Ende der Gemeindeversammlung am Dienstagabend ging die frühere Aescher Gemeindepräsidentin zu Ueli Siegenthaler, Präsident der SVP Aesch: «Das dürft ihr nicht», sagte sie zu ihm. «Und das wisst ihr ganz genau!»

Warum Hollinger derart aufgebracht war: Siegenthaler hatte nach der Abstimmung über den neuen Holz-Dom, den die Versammlung klar befürwortete, das Mikrofon ergriffen und ankündigt, ein überparteiliches Komitee, das er präsidiere, werde das Referendum gegen die Sport- und Kulturhalle ergreifen. Die Unterschriftenbögen seien bereits gedruckt, man könne bei ihm ein Exemplar abholen. Für Hollinger stand fest: Solche politische Propaganda ist an einer Gemeindeversammlung nicht vorgesehen, und falls es nicht verboten wäre, dann sei es zumindest kein guter Stil. Hollinger kündigte an, eine Beschwerde einzureichen.

Andreas Koellreuter ist Erstunterzeichner

Dabei war es eigentlich ein erfreulicher Abend für die freisinnige Landratspräsidentin von 2013/14. Der Dom, dessen Planungen auf ihre Zeit im Aescher Gemeinderat zurückreichen und der als ihr Herzensprojekt gilt, erreichte am Dienstag eine komfortable Zweidrittelmehrheit: 252 Stimmberechtigte sagten Ja zum 19,5-Millionen-Franken-Investitionskredit für die Eventhalle. Dem standen, bei einigen Enthaltungen, 116 Nein-Stimmen entgegen.

Doch beim Referendumskomitee machen prominente Aescherinnen und Aescher mit. Unter anderem taucht Andreas Koellreuter unter den Erstunterzeichnern auf. Politisch ist es ruhig geworden um den Freisinnigen, der von 1991 bis 2003 im Baselbieter Regierungsrat sass. Wie das Komitee auf Anfrage der bz sagt, wird sich Koell­reuter nicht exponieren und somit auch nicht auf der Strasse Unterschriften sammeln gehen. Es sei ihm jedoch ein Anliegen, dass das in seinen Augen überdimensionierte Projekt dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werde.

Alt-SP-Gemeinderat macht Ankündigung wahr

Weitere Erstunterzeichner sind die zwei Altgemeinderäte Markus Lenherr (CVP) und Paul Svoboda (SP). Svoboda hatte bereits in der «Schweiz am Wochenende» angekündigt, er werde ein allfälliges Referendum unterstützen. Das Referendumskomitee hat 30 Tage Zeit, die notwendigen 500 Unterschriften einzureichen. Sein Hauptargument gegen den Dom sind die aus Sicht der Mitglieder zu hohen Kosten.

Visualisierung des Doms im Gebiet Löhrenacker in Aesch

Visualisierung des Doms im Gebiet Löhrenacker in Aesch

zVg Häring & Co. AG

Zwar war es bereits vor der Abstimmung über den Dom zu kritischen Wortmeldungen gekommen. So wurde etwa die fehlende öffentliche Ausschreibung des Projekts moniert – bauen dürfte die 21 Meter hohe Kuppel die Schreinerei Häring.

Doch insgesamt konnte das Vorhaben die Anwesenden überzeugen, die am auf den Kunstrasenplatz Löhrenacker geströmt waren – die Gemeindeversammlung fand coronabedingt draussen statt, als Landsgemeinde, wie schon bei einer Ausgabe im vergangenen Jahr.

«Keine Schuhschachtel wie in anderen Gemeinden»

Der Gemeinderat hatte in seiner Einführung nochmals die Werbetrommel für die multifunktionale Holzkuppel gerührt, die bei Sportveranstaltungen, etwa bei Volleyballspielen, 1300 Sitzplätze böte und unter anderem auch eine Aula und ein Foyer für kulturelle Anlässe umfassen würde. Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP) sagte, der Preis für den Dom sei gerechtfertigt, wenn man beachte, welche Funktionen er erfülle. Zudem seien schon 5 Millionen Franken an Drittmitteln zugesichert. Die Steuerzahlenden komme der Bau also lediglich 14,5 Millionen Franken zu stehen.

Und der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Andreas Spindler (SVP) sagte, Aesch könne mit dem Dom etwas Einzigartiges erhalten – und keine «Schuhschachtel wie andere Gemeinden».