Gemeindeversammlung
Aescher sagen Ja zur Riesen-Überbauung

Der Widerstand gegen den Quartierplan ist an der Gemeindeversammlung abgeprallt. Am nächsten Montag muss noch der Reinacher Einwohnerrat zustimmen.

Tobias Gfeller
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Visualisierung für die Überbauung auf dem ehemaligen Stöcklin-Areal zwischen Reinach und Aesch. Vorne ist die Birs zu sehen.

Visualisierung für die Überbauung auf dem ehemaligen Stöcklin-Areal zwischen Reinach und Aesch. Vorne ist die Birs zu sehen.

zvg

Die Kritik nahm in Neu-Aesch in den vergangenen Wochen zu. Im Quartier verteilte Anwohner Erich Brunner über 1000 Flyer, in denen er zum Widerstand gegen den Quartierplan Stöcklin aufrief. Der Widerstand war an der Gemeindeversammlung vom Dienstagabend nun aber chancenlos. Mit 131 zu 47 Stimmen wurde der Quartierplan mit klarem Mehr gutgeheissen. Der Antrag auf Rückweisung hatte ebenso keine Chance.

«Türme sind zu hoch»

Erich Brunner kam mit einem druckfrischen Plakat an die Versammlung und wollte damit die Dimensionen der geplanten Überbauung im Rahmen der Birsstadt-Gemeinden demonstrieren. «Der Quartierplan passt nicht ins Konzept der Birsstadt. Die Türme sind schlichtweg zu hoch und für die Gegend unpassend.» Brunner meinte damit die drei im Osten des Areals vorgesehenen elf bis 13-stöckigen Hochhäuser mit bis zu 40 Metern Höhe. Der drohende Mehrverkehr gefährde das ganze Quartier. «Der Bruggstrasse drohe schon jetzt der Kollaps. Mit über 1000 neuen Bewohnern und Arbeitern kommt zusätzlich Verkehr auf.» Die zuständige Gemeinderätin Eveline Sprecher (SP) beruhigte die Gemüter. «Man muss auch berücksichtigen, dass mit dem Wegzug der Stöcklin Logistik AG auch Arbeitnehmer und Lastwagen von den Strassen verschwinden.» Unter dem Strich rechnet der Gemeinderat mit einem Verkehrszuwachs von bis zu vier Prozent.

Gefahr durch den Mehrverkehr sieht auch Samuel Hess auf das Quartier zukommen. Im Namen der Quartiergruppe Neu-Aesch lobte er zwar den Quartierplan, forderte aber gleichwohl ein genaues Verkehrskonzept, um die Wohnqualität im Quartier zu erhalten. Grösster Streitpunkt war die Einstellhalleneinfahrt über den Sonnenweg, die als Alternative oder Ergänzung zu den Einfahrten über die Dornacher- und Flohrstrasse angedacht war. Urs Grütter, CEO der Firma Stöcklin Logistik AG, nahm den Streitpunkt höchstpersönlich aus dem Quartierplan heraus und rief ins Publikum. «Wir verzichten auf die Einfahrt Sonnenweg.»

Auch die Ortsparteien begrüssen den Quartierplan. Nur innerhalb der SVP gebe es auch Ablehnung, wie Parteipräsident Peter Lehner bemerkte. Anwohner Erich Brunner denkt trotz des klaren Verdikts nicht ans Aufgeben. «Ich werde wohl das Referendum ergreifen, auch wenn die Mehrheit im Quartier für die Überbauung stimmte.» Zur Umsetzung der Pläne der Stöcklin Logistik AG, die mit ihrer Produktion teilweise nach Laufen zügelt, braucht es noch die Zustimmung von Reinach. Der Einwohnerrat wird am Montag über das Geschäft beraten. Die dafür zuständige Sachkommission gab ihrerseits bereits grünes Licht.

Grösstes Bauprojekt in Aesch

Der Quartierplan Stöcklin ist für Aesch mit gesamthaft 37 500 Quadratmetern das bisher grösste Bauprojekt dieser Art. «Solche Projekte sind nötig, damit wir die Einwohnerzahl überhaupt halten können», betonte Parteipräsidentin Marianne Hollinger (FDP). Den Wegzug der Stöcklin Logistik AG sei zu bedauern, biete aber auch eine Chance, fügte Hollinger an. Zehn neue Gebäude sind angedacht, fünf davon auf Aescher Boden. Auf 17 000 Quadratmetern sind Dienstleistungs- und Gewerbeflächen geplant.