Asylzentrum
Alle sind mit dem Standort zufrieden, ausser der Polizei

Kommt das Bundesasylzentrum in das alte Zeughaus im Liestaler Oristal, müssen Trainingsräume für Polizisten weichen. Das wäre teuer.

Benjamin Wieland
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Hier, auf dem Areal des früheren Zeughauses im Oristal, will der Bund bald rund 350 Flüchtlinge unterbringen – das stösst nicht überall auf Wohlwollen.

Hier, auf dem Areal des früheren Zeughauses im Oristal, will der Bund bald rund 350 Flüchtlinge unterbringen – das stösst nicht überall auf Wohlwollen.

Kenneth Nars

Liestal wird mit aller Wahrscheinlichkeit Standort eines Bundesasylzentrums. Das machte die bz am Mittwoch publik. Liestals Stadtpräsident Lukas Ott (Grüne) sagt auf Anfrage, er habe im Verlaufe des Tages zahlreiche Reaktionen aus der Bevölkerung und aus der Politik erhalten. Sie seien «durchs Band positiv».

Aber nicht alle sind dem geplanten neuen Zentrum wohlgesinnt. Bund, Kanton und Stadt wollen dieses auf dem Areal des alten Zeughauses im Oristal im Südwesten der Gemeinde einrichten – auf dem Gelände sind jedoch bereits das Amt für Militär und Bevölkerungsschutz (AMB), der Fund- und Verwertungsdienst sowie Teile der Baselbieter Polizei untergebracht. Alle drei müssten sich eine neue Bleibe suchen.

«Überrascht ist die Polizei nicht, und wir haben durchaus Verständnis, dass ein solches Vorhaben ins Auge gefasst wird», schreibt Mark Burkhard, Kommandant der Polizei Basel-Landschaft, auf Anfrage. «Rein aus Sicht der Polizei wäre eine solche Realisierung aber unglücklich, weil wir dort in den letzten Jahren investiert und unser Ausbildungszentrum aufgebaut haben.» Man wolle dieses Ausbildungszentrum nicht verlieren und bräuchte zeitgerecht einen Eins-zu-Eins-Ersatz, um die professionelle Ausbildung der Mitarbeitenden auch in Zukunft gewährleisten zu können. «Es ist aber», fügt Burkhard an, «noch nichts beschlossen».

Erst ein halbes Jahr dort

Tatsächlich nutzt die Polizei auf dem Zeughaus-Areal Räume, deren Ersatz wohl ziemlich kostspielig wäre; so etwa Trainingsräume für den Nahkampf. Hinzu kommt: Die Polizei hat zumindest Teile ihrer Einrichtungen auf dem Gelände erst vor einem halben Jahr bezogen. Wie viele Mitarbeitende der Polizei betroffen wären, gibt diese nicht bekannt.

Wie die Polizei sind auch das Amt für Militär und Bevölkerungsschutz sowie das Fund- und Verwertungsbüro der Baselbieter Sicherheitsdirektion unterstellt. Auch deren Sprecher Adrian Baumgartner betont, es handle sich beim alten Zeughaus erst um eine Option. «Falls es so weit kommt», sagt Baumgartner, «brauchen wir tauglichen Realersatz, und das in relativ kurzer Zeit.» Betroffen von einem Umzug wären bei AMB und Fundbüro aktuell 54 Mitarbeitende.

Die Nutzer sind also von der Aussicht eines drohenden baldigen Standortwechsels nicht erfreut. Durchweg positiv jedoch sind die Reaktionen auf das Zentrum aus dem politischen Baselbiet. «Das sieht nach einer guten Sache aus», lobt Adil Koller, Co-Präsident der Baselbieter Sozialdemokraten. Oskar Kämpfer, Präsident der SVP Baselland, pflichtet ihm bei: «Ich sehe das als vernünftige Lösung.» Und Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer lobt das Vorgehen des Kantonshauptorts: «Liestal ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, und beweist seine Offenheit. Das ist ein gutes Zeichen.»

Kämpfer ergänzt, im Falle von Liestal sei die Standortgemeinde genügend gross, um die Zahl der Asylsuchenden verkraften zu können. Das sei bei der früheren Standortvariante in Hölstein nicht der Fall gewesen. Hölstein fiel im März aus dem Rennen für ein Asylzentrum – unter anderem hatte der Gemeinderat argumentiert, dieses stelle eine «Gefährdung des Dorffriedens» dar.

Dabei hätte ein Verfahrenszentrum durchaus seine Vorzüge, wie Lukas Ott betont: «Wir müssten zum Beispiel kein eigenes Asylzentrum mehr führen, da wir von der Aufnahmequote befreit würden. Und mit dem Zentrum des Bundes könnten auch rund 120 Arbeitsplätze geschaffen werden.» Ganz uneigennützig ist das Vorgehen Liestals in Sachen Asylzentrum also nicht.